Ukraine „feiert“ täglich Rekordhochs für Gold

10. April 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Gold hat es in der Ukraine zu neuen Hochs geschafft. Ein Gramm von diesem (nutzlosen) Zeug kostet heute 156 ukrainische Grywnas, 60 Prozent mehr als noch zu Jahresbeginn. Schauen wir zu in Echtzeit, wie eine Währung zerbröselt – und was Gold dann wirklich kann…

Je schwächer diese Währung, desto höher stieg bislang der Goldpreis. Steigende Goldpreise sind in erster Linie Zeichen des Verfalls einer Währung und Vorbote für weitere Schwierigkeiten.

Für viele in der Ukraine dürfte es zum morgendlichen Ritual gehören zu schauen, was über Nacht aus ihrer Währung  geworden ist. Gegen Dollar, gegen Euro, gegen Gold…

Und was gibt es Schöneres für einen Goldinvestor, wenn jeden Tag sein Gold teurer wird? In Schönwetterzeiten ist das herrlich, aber bei Gold ist die Sache zweideutig. Der ukrainische Goldbug, sollte es diesen geben, dürfte jetzt jeden Tag in Jubel ausbrechen, sich reicher fühlen und wohlhabender. Es erfreut ihn, wenn seine Währung in die Binsen fährt. Schließlich hat er darauf gewettet. Und auf die Korruptheit der Politiker und Zentralbanker? Oder?

Wahrscheinlich ist die Grywna weder in der Ukraine selbst, noch im Ausland sonderlich beliebt, hat sie doch fast schon alles von ihrer Kaufkraft eingebüßt. Deshalb war es besser, und ist es noch, Ersparnisse in etwas getauscht zu haben, etwas Beständigeres als heimische bunte Zettel trotz ihrer fälschungssicheren Sicherheitsmerkmale. Ich bin gespannt, wann die Ukraine eine neue Währung einführen wird, die später dann auch wieder das gleiche Schicksal ereilen wird. Aber noch ist es nicht soweit.

Premierminister Mykola Asarow hatte am 5. September 2011 noch andere Pläne.

„Wir brauchen die Stabilität von Grywna. Jeder Exporteur und Importeur veranschlagt seine Geschäftspläne auf der Grundlage der Geldpolitik. Er muss wissen, was die Regierung und die Nationalbank mit Grywna macht, weil davon sein Profit abhängt. Die Regierung kann die Ansichten unserer Marktteilnehmer nicht berücksichtigen. Das können wir nicht. Genau deshalb werden die Regierung und die Nationalbank die Stabilität von Grywna gewährleisten.“

Am 28. Januar 2014 trat er zurück. Die Probleme blieben selbstverständlich…

Was kümmert uns das Thema hierzulande? Schließlich sorgen doch die Herren Währungshüter dafür, dass der Euro stabil ausgewiesen wird – kursmäßig und verbal. Den armen Ukrainern wurde das früher auch gesagt, während ihre „Stabilitätswächter“ die Grywna tot druckten. Das Interessante am Geschehen dort ist, unabhängig von den politischen Veränderungen, dass Gold die einstige Kaufkraft der Grywna bewahren konnte. (Gold in Grywna, 1 Jahr)

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So ist der Goldpreis in den letzten zehn Jahren um 576 Prozent gestiegen. Anders herum gerechnet: Die Grywna hat gegenüber Gold fast 5/6 ihrer Kaufkraft eingebüßt. Allein in diesem Jahr ist der Goldpreis dort um 54 Prozent gestiegen. Entsprechend verschwand die Hälfte ihrer Kaufkraft gegenüber Gold allein seit Januar. Zwischenfrage: In welcher Maßeinheit wird der Goldpreis berechnet, wenn es die Grywna irgendwann nicht mehr geben sollte? (Grywna in Gold, 10 Jahre, spiegelverkehrt)

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Eine Wette gegen EZB und Politik?

Für die Goldbugs in heimischen Gefilden ist es auch ein morgendliches Ritual, die Preise ihres Metalls zu verfolgen. Gold zu halten ist eine Wette gegen EZB, Regierung und andere Unbilden. Würde der Goldpreis auch hierzulande täglich ein neues Rekordhoch erreichen, gäbe es vermutlich anfangs auch einen gewissen Überschwang. Die Bildzeitung würde darüber auf der Titelseite berichten und kleine Goldbarren verlosen.

So aber heißt es seit fast drei Jahren: Mist! Den Euro gibt es noch. Den EZB`lern ist er unter Umständen schon zu teuer.

Nach fast drei Jahren des Wartens ist das für Goldanleger wahrscheinlich frustrierend, vor allem für diejenigen, die gekauft haben, als die Bildzeitung Goldbarren verlost hat. Wie schön wäre es doch, seinem Traum ein Stück näher zu sein, werden einige jeden Morgen sagen, wenn man für eine Unze ein ganzes Haus oder einen Straßenzug kaufen könnte. Das große Glück säße dann direkt neben dem Computer auf dem Schreibtisch und rennt den Bugs hinterher wie kleine Hunde. Tränen des Glücks würden fließen und jeden Tag Champagner. Vor der Tür sähe es bei einer ähnlichen Entwicklung wie in der Ukraine wahrscheinlich etwas anders aus. Aber man muss ja nicht vor die Tür gehen.


 

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Ein Kommentar auf "Ukraine „feiert“ täglich Rekordhochs für Gold"

  1. FDominicus sagt:

    Kurz: Steigt das Gold zu schnell haben wir richtig Ärger? Und Blei wird eine „gute“ Währung sein?

    Das ist leider wahr, nur wer hat uns den den Ärger eingebrockt? Die Dr(u)eckkünstler der Zentralbanken. Leider hat ja vorher keiner etwas wissen wollen und statt Geld wurden einfach nur mehr Schuldscheine gedruckt. So geht es halt.

    Ich sehe aber auch nicht warum ich mich schämen sollte, da nicht mitzumachen. Natürlich wird es eine so beschissene Zeit wie es sich heute nur noch Wenige vorstellen können (da erlebt). Wenn aber dann die Kugeln und bomben verstummen, hat man zumindest etwas was die Leute tauchen werden. Warum sollte man darauf verzichten?

    Als Ukrainer wäre ich heilfroh, Gold statt Fiat-Zettel zu haben, es ist vielleicht insoweit ein Grund zu feiern, weil man es vielleicht überleben wird……

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