Überraschung! Anders denken wieder erlaubt!

1. Februar 2018 | Kategorie: RottMeyer

Das über Monate spürbare Gefühl, dass der Wind sich gedreht hat, nimmt konkrete Formen an. Wer hätte angesichts der debilen täglichen Talkshows erwartet, dass ausgerechnet der ehemalige Bundespräsident Gauck sich „erschreckt“ zeigt angesichts der Folgen des „Multikulturalismus“.

Auszug aus der Rede Gaucks an der Heinrich Heine Universität in Düsseldorf (nachzulesen unter anderem bei der Rheinischen Post).

Einen großen Einfluss in der Integrationspolitik hat lange Zeit die Konzeption des Multikulturalismus gehabt: Was sich auch immer hinter den einzelnen Kulturen verborgen hat – Vielfalt galt als Wert an sich. Die Kulturen der Verschiedenen sollten gleichberechtigt nebeneinander existieren, für alle verbindliche westlich-liberale Wertvorstellungen wurden abgelehnt. Ich verstehe, dass es auf den ersten Blick tolerant und weltoffen anmuten mag, wenn Vielfalt derart akzeptiert und honoriert wird. Wohin ein solcher Multikulturalismus aber tatsächlich geführt hat, das hat mich doch erschreckt. 

So finde ich es beschämend, wenn einige die Augen verschließen vor der Unterdrückung von Frauen bei uns und in vielen islamischen Ländern, vor Zwangsheiraten, Frühheiraten, vor Schwimmverboten für Mädchen in den Schulen. Wenn Antisemitismus unter Menschen aus arabischen Staaten ignoriert oder mit Verweis auf israelische Politik für verständlich erklärt wird. Oder wenn Kritik am Islam sofort unter den Verdacht gerät, aus Rassismus und einem Hass auf Muslime zu erwachsen. Sehe ich es richtig, dass in diesen und anderen Fällen die Rücksichtnahme auf die andere Kultur als wichtiger erachtet wird als die Wahrung von Grund- und Menschenrechten?

Ja, es gibt Hass und Diskriminierung von Muslimen in unserem Land. Und sich diesem Ressentiment und dieser Generalisierung entgegenzustellen, sind nicht nur Schulen und Politik gefordert, sondern jeder Einzelne. Beschwichtiger aber, die kritikwürdige Verhaltensweisen von einzelnen Migranten unter den Teppich kehren, um Rassismus keinen Vorschub zu leisten, bestätigen Rassisten nur in ihrem Verdacht, die Meinungsfreiheit in unserem Land sei eingeschränkt. Und sie machen sich zum Verbündeten von Islamisten, die jegliche, auch berechtigte Kritik an Muslimen abblocken, indem sie sie als rassistisch verunglimpfen.

Offenbar ist die Meinungsfreiheit in diesem Lande bereits eingeschränkt und der ehemalige Präsident etwas vergesslich geworden, nennt er doch Menschen, die angesichts der medialen Darstellung Zweifel an der Meinungsfreiheit hegen „Rassisten“ um dann am Ende des Absatzes von einer Verunglimpfung durch die Verwendung der Bezeichnung „rassistisch“ zu sprechen. Man kennt das ja, man stellt einen Begriff erst einmal in den Raum, dann ist er da. Aber hinsichtlich der Beschwichtiger ändert sich der Wind, denn diese machen sich nun offenbar zu Verbündeten von etwas, dass es doch angeblich gar nicht gibt. Die Welt ist auch in unserem kleinen Ländchen furchtbar kompliziert geworden.

Zu viele Zugezogene leben noch zu abgesondert mit Werten und Narrativen, die den Gesetzen und Regeln und Denkweisen der Mehrheitsbevölkerung widersprechen, zu viele leben hier seit vielen Jahren oder gar Jahrzehnten, ohne die Geschichte dieses Landes zu kennen. Um das zu ändern und uns gemeinsam auf eine Zukunft in diesem Land zu verständigen, brauchen wir – wie einst zwischen einheimischen und vertriebenen Deutschen – vor allem eines: mehr Wissen übereinander.

Das Fazit ist erwartbar aber durchaus konstruktiv.

Mehr Dialog. Mehr Streit. Mehr Bereitschaft, im jeweils Anderen unseren eigenen Ängsten, aber auch neuen Chancen zu begegnen.“

Ja, Streit gehört dazu, und den sollte man von allen Seiten offen und unter Verwendung von Argumenten austauschen.

Wer will denn da noch sagen, dass Opposition nichts bewegt. Lange kann es nun wohl nicht mehr dauern, bis auch einige Einheitssender die Fahne in den veränderten Wind hängen. Vielleicht ist es aber auch nur der beginnende Wahlkampf vor der kommenden Neuwahl.

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