Überraschende Wende: Über die besondere Logik von Märkten

4. Dezember 2014 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Für einen kurzen Moment witterten die Initiatoren der Schweizer „Gold-Initiative“ Morgenluft. Noch einen Monat vor der Abstimmung zeigten Umfragen, dass das Lager der Befürworter mit dem der Gegner Kopf an Kopf lag. Das war schon mehr als ein Achtungserfolg, denn das Thema ist abstrakt und nicht unbedingt das, was Herrn und Frau Schweizer abends am Küchentisch umtreibt.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Initiative kontinuierlich in der Wählergunst nach vorne gearbeitet und Optimisten hatten gehofft, dass dieser Trend bis zum Abstimmungstag, dem 30. November, anhalten könnte. Schließlich waren die drei Hauptforderungen der Initiative ebenso nachvollziehbar wie vernünftig:

1. Die Goldreserven der Schweizerischen Nationalbank sind unverkäuflich.

2. Die Goldreserven der Schweizerischen Nationalbank sind in der Schweiz zu lagern.

3. Die Schweizerische Nationalbank hat ihre Aktiven zu einem wesentlichen Teil in Gold zu halten. Der Goldanteil darf zwanzig Prozent nicht unterschreiten.

Gefährliche Demokratie

Nachvollziehbar und vernünftig war die Initiative allerdings nicht aus Sicht der zahlreichen Papiergeldprofiteure. Der Papiergeldstandard ist, wie es Professor Thorsten Polleit in einem richtungsweisenden Artikel für Smart Investor (Ausgabe 7/2012) beschrieben hat, ein System der „kollektiven Korruption“. Freiwillig, so prognostizierte er schon damals, werde es daraus keinen Ausstieg geben. Und er sollte Recht behalten.

Selbst in der ehedem soliden Schweiz gibt es inzwischen genügend Korrumpierte, für die ein Festhalten am Status Quo „alternativlos“ ist. Der Versuch der Initiative wenigstens zu einem etwas solideren Franken zurückzukehren war vor allem eines – brandgefährlich.

In „post-demokratischen“ Staaten wie der Bundesrepublik bleibt es in solchen Fragen beim allgemeinen Grummeln der Bürger. Die Schweizer dagegen haben es dank ihrer direkten, weniger verfälschten Demokratie tatsächlich in der Hand, Dinge zu ändern.

Für die Korrumpierten ist eine solche Staatsform, in der schlimmstenfalls sogar Volkes Wille zählen könnte, eine echte Herausforderung. Als ein Sieg der Gold-Initiative also für kurze Zeit zumindest theoretisch möglich erschien, müssen Schweiz-weit alle Alarmglocken geschrillt haben. Paradoxerweise dürfte also der frühe Aufwind den Weg in die Niederlage beschleunigt haben. Denn das ließ den zahlreichen Gegnern genügend Zeit, sich zu einer beispiellosen Kampagne zu formieren.

In der gesamten Schweizer Presselandschaft berichtete lediglich die „Weltwoche“ mit einer positiven „Tonalität“. Auch bei den Anzeigen gab es laut „APS-Inserateanalyse“ ein krasses Missverhältnis: 99% aller Zeitungsinserate kamen aus dem Nein-Lager.

Gold trotzt der Niederlage

Offensichtlich hatten die Initiatoren also in ein Wespennest gestochen. Was aber geschah nach der so teuer herbeigeschriebenen und durch irritierend breiten Konsens getragenen Ablehnung der Initiative?

Normalerweise hätte man durchaus einen Rutsch des Goldpreises für plausibel halten können. Tatsächlich begannen die Edelmetalle am Montag nach der Abstimmung zunächst auch schwächer, schossen dann aber fulminant in die Höhe. Bei Gold stand zum Tagesende ein Plus von mehr als 5% auf der Uhr, bei Silber waren es sogar mehr als 11%. Das dürfte mehrere Gründe haben… (Seite 2)



 

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Ein Kommentar auf "Überraschende Wende: Über die besondere Logik von Märkten"

  1. bluestar sagt:

    Ja, das war schon merkwürdig, wie die Monopolmedien auf einmal geschlossen gegen diese Initiative vorgegangen sind. Zeigt aber wieder einmal, dass in einer sogenannten Demokratie immer das System siegt, denn es verfügt über alle wesentlichen Instrumente der Manipulation. Wahlen sind deshalb zulässig, weil sie nichts verändern oder weil es nichts zu entscheiden gibt. Wahlergebnisse manipulieren – ist bei manipulierten Wählern nicht notwendig.

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