Überrannt werden…

2. Februar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Ronald Gehrt

Diejenigen, die uns darauf hinweisen, dass ein DAX bei 10.800 Punkten immer noch eine günstige Einstiegschance sei gegenüber dem, was wir in den kommenden Monaten noch an Potenzial nach oben haben, weisen jeden Versuch, diese Aktienhausse als Blase einzustufen, entschieden zurück. Denn diesmal ist die Situation eine andere als sie es beispielsweise in den Jahren 2000 oder 2008 war, als bis etwa um diese Jahreszeit jahrelang gestiegene Kurse schnell und humorlos zusammenklappten.

Natürlich habe man damals auch gesagt, dass es diesmal etwas anderes sei als in vorangegangenen, vergleichbar Situationen. Aber diesmal, so die bullishe Seite, ist es wirklich etwas anderes. Aha.

Natürlich ist diese Aussage im Prinzip richtig. Denn jedes Mal, wenn eine große Trendwende vollzogen wird, geschieht das aus anderen Gründen. Die Wirtschaft ist vielschichtig. Die Möglichkeiten, sie in die Katastrophe zu führen, somit zahlreich. Richtig ist, dass der Kurs, den die EZB nun eingeschlagen hat und den sie mit Verbissenheit weiterverfolgen wird (weil ihnen an diesem Punkt nun nichts anderes mehr übrigbleibt), zu negativen Zinsen führen wird und man weiterhin bemüht ist, Edelmetalle als Anlagealternative unattraktiv erscheinen zu lassen.

Wie in meinem Marktkommentar in der vergangenen Woche erläutert, bleibt den Anlegern daher nur übrig, in alternative Werte wie Immobilien, Kunst oder Antiquitäten zu investieren oder auch auf diesem Niveau zwangsläufig weiter Aktien zu kaufen. Eine Blase entsteht daraus jedoch trotzdem. Und von denen ist noch keine nicht geplatzt.

Richtig ist allerdings auch, dass das nächste Woche oder in einem Jahr der Fall sein kann, bei einem DAX auf aktuellem Niveau oder bei 13.000 Punkten oder mehr. Darauf schon jetzt zu setzen wäre daher Unsinn. Denn kommt es zu markanten Verkaufssignalen, muss man zwar schnell reagieren. Aber solange der DAX nicht plötzlich 1.000 Punkte oder mehr binnen ein oder zwei Tagen einbricht, kommt man ja immer noch rechtzeitig raus und auf der bearishen Seite hinein. Und ein solcher Kurseinbruch ist ja eher unwahrscheinlich, oder?

Nicht unbedingt – und das ist meines Erachtens die kurzfristig weit größere Gefahr. Dabei will ich nicht darauf hinweisen, dass es auch seit Anfang 2009 immer wieder zu heftigen und schnellen Abwärtsbewegungen kam, die all denjenigen massive Verluste einbrachten, die glaubten, im Zuge der „Billiges-Geld-Hausse“ jederzeit blind einsteigen und/oder steigenden Kursen hinterherlaufen zu können.

Nein, das größte Risiko liegt momentan in einer schnellen und drastischen Veränderung des Kursverhaltens, ausgelöst durch den schnell wachsenden Anteil großer Zocker, die vor allem im Bereich der Hedgefonds zu suchen sind. Auch, wenn man diese Bezeichnung dort natürlich nicht mögen kann: Man agiert mit immer größeren Summen, immer hemmungsloser … und das vor allem über computergesteuerte Handelsprogramme, die kein Maß kennen. Und darin liegt das große Risiko, dass Tage wie der so genannte „Flash Crash“ vom Mai 2010 in Zukunft durchaus öfter auftauchen können.

Was sich momentan nicht nur an den Aktienmärkten, sondern auch am Devisenmarkt, beim Bund Future oder den Rohstoffen abspielt, sucht in dieser Dimension in der Vergangenheit seinesgleichen. Die Kurssprünge werden immer heftiger und zahlreicher. Ein S&P 500-Index, der am Freitagabend binnen einer Stunde knapp ein Prozent zulegte, um sofort danach innerhalb von zwei Stunden fast zwei Prozent zu fallen, ist einfach keine Seltenheit mehr. Und wer da dann nach solche Bewegungen auslösenden Nachrichten sucht, kann lange suchen. Das hier ist die neue „Normalität“. Man kann es mögen oder nicht. Das ändert nichts.

Dabei sind die Kursbewegungen derartig schnell – als Beispiel kann hier auch der blitzschnelle und massive Aufwärtsschub bei Rohöl am Freitagabend dienen – dass normale Trader einfach über den Haufen gerannt werden. Man kommt meistens zu spät, kann ohne Stop Loss-Absicherung nicht einmal mehr auf die Toilette gehen und kann in keiner Weise abschätzen, wo in einem Kursverlauf – selbst im kurzfristigen Zeitraster – womöglich „oben“ und „unten“ sein könnte. Nur erfahrene und nervenstarke Trader können hier noch bestehen. Und es ist heutzutage wichtige als je zuvor, sich von dem Wunsch zu verabschieden, nach Möglichkeit bei jeder Bewegung dabei sein zu wollen. Nur indem ich mich in den letzten Tagen bei meinem eigenen Börsendienst im Tradingbereich relativ zurückgehalten habe, ist es gelungen, dieser Börse trotzdem noch einen Wochengewinn abzutrotzen.

Der Grund für diese Bewegungen ist zugleich auch die Basis ihrer extremen Risiken. Eine Kaufpanik, wie wir sie am Tag der EZB-Entscheidung und am Folgetag erlebt haben, kann jederzeit auch auf der Gegenseite auftreten, nur, dass solche Verkaufswellen dann wahrscheinlich deutlich größere Dimensionen hätten. Da reden wir dann durchaus mal von 500-1.000 Punkten im DAX innerhalb kürzester Zeit. Denn… (Seite 2)



 

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7 Kommentare auf "Überrannt werden…"

  1. Sandra sagt:

    Beschwerden über Volatilität?

    Eine sichere Komfortzone gibt es schon lange nicht mehr. Das ist eine Täuschung, an die man wohl gerne glauben würde. Obliegt man dieser, wird man ‚überraschend‘ überrannt. Das Computer mit Volatilität besser umgehen können als Menschen ist ein Irrglaube. Sie sind lediglich nicht so starr im Glauben, kapieren es daher eher und vor allem: sie rechnen besser. Daher verlassen sich Menschen, die mit Volatilität nichts zu tun haben wollen auf Computer und wähnen sich dort sicher. Realität ist, das auch die überrannt werden können.

    • Sandra sagt:

      Gerne würde ich auch ein Fürwort für maschinengesteuerte Systeme einlegen.
      Wenn Menschen sich beschweren, dass sie von Maschinen abhängig sind und ‚gesteuert‘ werden, so liegt es ja darin begründet, das sie selbst diese mißbrauchen. Technik kann prinzipiell auch zum gegenseitigen Vorteil der Beziehung von Mensch und Technik eingesetzt werden und eben nicht nur zum Eigennutz durch Mißbrauch.

  2. Sandra sagt:

    Blasen können so groß sein,wie sie wollen. Viele sind kurz erzählt.

    Geld mit Geld zu verdienen ist doch die Blase schlechthin, oder nicht?
    Geld ist ein Mittel, ein Werkzeug, wie vieles andere auch. Sich den Keller voll zu laden und es nicht zu benutzen, hat noch keinen wohlhabender gemacht. Die vermeintlich Schlauen machen es daher nach guter alter Tradition und verticken ihr Werkzeug für den Gewinn ohne Arbeit zu leisten, sich je die Hände dreckig zu machen. Alles immer beim Alten im Monopoly – wie bei den Goldgräbern.

    Erkenntnis: Die mit dem Werkzeug sind immer die, die am besten verdienen.
    Das kann man aber auch so auslegen, wie man möchte. Handwerkszeug kann in jedem Fall nicht schaden. 😉

    • Sandra sagt:

      Der Taschenspielertrick
      wenn du denkst, du bräuchtest ein bestimmtes Werkzeug, um irgendetwas zu tun.

      • Sandra sagt:

        Ein bißchen Witz kann nicht schaden.
        Deppen, die etwas tun wollen, gibt es immer – wie Sand am Meer. Dämlich will nicht dumm sein und das tun. Wirklich dumm ist es nur für Deppen, die auf Dämlich hören.

        • Sandra sagt:

          Der Witz hat auch ein Ende, die Pointe .
          Dämlich heißt nur so, da er nicht sehen kann, was ein kluger Depp gebaut und was ein dummer. Damit kann es durchaus sein, daß sich natürlich erst ganz am Ende Dämlich als dümmer erweist, als der dümmste Depp.

  3. Sandra sagt:

    Im übrigen sollte dies keine Anspielung auf die herrliche Welt der Herren und die dämliche Welt der Damen sein. Das eine schließt das andere nicht aus.

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