Über Totgesagte … und ihr langes Leben

10. Oktober 2013 | Kategorie: Gäste

vom Smart Investor

Wenn die Sonne wieder scheint… Seit einigen Wochen geben deutsche Solar-Aktien Kaufsignale. Solar? War das nicht jene Zombie-Branche, die seit Jahren schlagzeilenträchtig um ihr Überleben kämpft?

Die Geschichte der Branche ist wechselhaft und obwohl man sich mit Nachhaltigem beschäftigt, war das ursprüngliche Geschäftsmodell genau das nicht – nachhaltig. Die seinerzeit erzeugte Scheinblüte beruhte im Wesentlichen auf staatlichen Subventionen und ließ ausgerechnet im sonnenarmen Deutschland die Solardächer wie die Pilze aus dem Boden sprießen. Auch andere witterten das Geschäft und insbesondere in China wurden gewaltige (Über-)Kapazitäten für die Produktion von Solarmodulen aufgebaut.

Als sich die Solarlobby zunehmend einer Diskussion über Sinn und Unsinn der exorbitanten Förderungen ausgesetzt sah, kippten erst die Aktien, dann die Stimmung und letztlich die ganze Branche. Dem Riesenrausch folgte der Riesenkater und einstige High-Flyer verloren weit über 90% ihres Wertes, wenn sie denn überhaupt überlebten. Die Musterbranche „grünen Wirtschaftens“ war hart auf dem Boden der ökonomischen Realität aufgeschlagen. Soweit die Geschichte.

Der DAXSubsector Renewable Energies umfasst alle Titel des deutschen Prime-All-Share-Index, die mit Erneuerbaren Energien zu tun haben – das Thema Solarenergie bildete hier traditionell den Löwenanteil.

2013-10-09_Dax_Sub_RenEnergy

Obwohl die Branche derzeit medial nicht gerade auf der Sonnenseite steht, entwickelt der Subsector frisches Leben (vgl. Abb.):

Zum einen wurde der seit 2007 intakte Abwärtstrend (blaue Linie) jüngst nach oben durchbrochen, zum anderen – und das erscheint uns an dieser Stelle sogar noch wesentlicher – bildete sich im Relativchart zum Prime-All-Share-Index (jeweils Performanceindex) im Jahr 2013 ein offensichtlich tragfähiger Boden heraus.

Was ist der Hintergrund dieser Entwicklung? Michael Kollenda, Vorstand der Münchner SALUTARIS Capital Management AG spricht in diesem Zusammenhang von „Solar 2.0“ und verweist darauf, dass die Branche inzwischen erwachsen geworden sei. Nach der Bereinigung der Exzesse der vorangegangenen Jahre steht nun nicht mehr die Subvention im Vordergrund, sondern das wirtschaftlich tragfähige Konzept.

Zum Standortfaktor Nr. 1 für Solarinstallationen wird – wer hätte es gedacht? – nicht mehr das üppig fließende Staatsgeld, sondern die Sonneneinstrahlung. Deutschland hat hier vergleichsweise wenig zu bieten. Phoenix Solar*, einer der Überlebenden des Solarcrashs, hat nun – unter der neuen Leitung von Dr. Bernd Köhler – die Zeichen der Zeit richtig gedeutet. Nach einem „radikalen Sanierungskurs“, der, so Kollenda, „praktisch zur Schließung des gesamten angestammten Deutschlandgeschäfts“ führte, wurde die Tätigkeit auf drei vielversprechende Regionen ausgerichtet: USA, Mittlerer Osten, Singapur.

Die ersten Abschlüsse von Großprojekten scheinen der Mannschaft um Köhler ebenso Recht zu geben, wie der bereits deutlich angestiegene Aktienkurs. Skeptischer zeigt sich Kollenda dagegen beim ehemaligen Branchenführer Solarworld, der nur durch Zugeständnisse seiner Anleihegläubiger überhaupt überleben konnte. Zwar hat sich der Kurs in nur acht Handelstagen mehr als verdoppelt, darin sieht Kollenda aber einen klassischen „Short Squeeze“, denn „es gab nur wenige, die darauf gesetzt hatten, dass Unternehmensgründer Frank Asbeck die Kurve bekommt.“ Auch Kollenda glaubt nicht daran, dass angesichts der drückenden chinesischen Konkurrenz die Produktion von Solarmodulen in Deutschland noch zu einer wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte werden kann.

Jagd auf Griechen-Banken

Noch so ein Thema, das kaum mehr ein Anleger auf dem Radar hatte, sind griechische Bankaktien. Vielleicht wird sich manch einer sogar verwundert die Augen reiben, dass es nach der Malaise der vergangenen Jahre überhaupt noch griechische Banken gibt. Es gibt sie… (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.