Über Raketen, Abstürze, Aktien und Gold

4. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Man muss die Samwer-Brüder weder mögen noch bewundern. Aber man kann ihnen und ihren Bankern ein gutes Näschen für richtiges Timing bescheinigen. Also dafür, dass sie den Börsengang ihrer Holding Rocket Internet vorgezogen und somit vermieden haben, jetzt in den allgemeinen Abwärtsstrudel der Aktienkurse gezogen zu werden…

Und das nur einen Tag, nachdem sie ihren Internethändler Zalando an die Börse gebracht haben. Großvolumige Börsengänge wie diese sind – ebenso wie die besonders zahlreichen vor 15 Jahren am Neuen Markt – ein Warnsignal.

Richten Sie sich folglich auf einen Abwärtstrend der Aktienkurse ein. Begonnen hat er ja schon. Wobei die schwachen Kurse von Zalando und Rocket Internet nur ein Signal unter mehreren sind. Was die deutsche Börse betrifft, ist zunächst entscheidend, dass die Kurse von den fundamentalen Daten – primär Unternehmensgewinne und deren Bewertung – zu weit nach oben abgehoben haben. Darüber hinaus knicken die Kurse gerade international ein; sie stecken sich gegenseitig an.

Wann der Spuk ein Ende hat, ist nicht vorhersehbar. Doch wenn das Researchhaus Feri aus Anlass seiner traditionellen Herbsttagung, wie am vergangenen Montag geschehen, sogar das Risiko des Scheiterns der Währungsunion in Betracht zieht, dürfte das Spuk-Ende länger auf sich warten lassen.

Bleiben wir noch etwas bei Feri, denn die am Montag vertretenen Thesen sind nicht ohne: Die deutsche Wirtschaft leidet unter dem schwachen Euroraum. Von Frankreich und Italien droht die größte Gefahr. Deflationäre Tendenzen – nicht gleichzusetzen mit Deflation – machen die Sache noch schlimmer. Die Inflationsrate bleibt niedrig. Die expansive Geldpolitik der EZB wird zwar fortgesetzt, aber sie kann den Aktien bis auf Weiteres nicht mehr zu Sprüngen nach oben verhelfen. Dennoch werden Aktien wegen der Geldschwemme wieder attraktiv, sobald ihre Bewertung auf ein vernünftiges Niveau gekommen ist. Das Zinsniveau bleibt niedrig auch für den Fall, dass die Briten und Amerikaner ihre Leitzinsen erhöhen.

Nun mögen Sie einwenden, das alles sei Ihnen nicht konkret genug, und im Übrigen fehle Ihnen eine Aussage zum Gold.

Gut, dann vertiefen wir das Thema und schließen Gold in die Betrachtung ein. Es geht ja nicht darum, Aktien grundsätzlich links liegen zu lassen, sondern um das Timing beim Kauf in absehbarer Zeit, also in einigen Monaten oder noch später. Dazu hat sich bekanntlich der VDax als hilfreich erwiesen. Sie können ihn zum Beispiel auf den Internetseiten der gängigen Direktbanken verfolgen. Geht seine Kurve zunächst steil nach oben (wie zuletzt im Sommer 2011) und fällt sie danach ab, ist die Zeit für Aktienkäufe günstig.

Welche Aktien? Sicher viele, aber wie steht es um die Sicherheit? Ich stelle mir bei solchen Gelegenheiten immer die Frage, ob Dax-Konzerne wie Bayer oder Siemens pleite gehen können. Schon wenige Blicke in die Geschäftsberichte offenbaren, dass eine Pleite ausgeschlossen werden kann. Nicht dagegen ein tiefer Kurssturz, wie in der Vergangenheit ja häufig geschehen, zurückzuführen auf Verkäufe der Fonds, die dringend Liquidität benötigen. Also achte ich mithilfe des VDax auf das Timing. Der Rest, die Feinjustierung, ist dann oft Gefühlssache.

Zweifellos brauchen Sie manchmal viel Geduld, während Sie die Kurse beobachten, ohne zur Tat zu schreiten. So dauerte es geschlagene drei Jahre, von März 2000 bis März 2003, bis die in dieser Zeit tendenziell abwärts gerichteten Kurse endlich wieder zum Kaufen einluden. Doch das war eher eine Ausnahme als die Regel, weil Aktien um die Jahrtausendwende exorbitant überbewertet waren und deshalb besonders viel Zeit benötigten, um ein Kaufniveau zu erreichen. Nach dem erwähnten Sommer 2011 luden die Kurse bereits nach wenigen Monaten zum Kauf ein.

Jetzt zum Gold. Es kann nie pleite gehen. Diese Binsenweisheit ist schon mal eine gute Nachricht. Nur was kann man mit ihr anfangen? So etwas wie den VDax als Timinghilfe gibt es beim Gold nicht. Von gewissem Nutzen mögen zwar die üblichen Statistiken sein, etwa zu Fondskäufen und -verkäufen oder zu Verlagerungen der Käufe und Verkäufe zwischen den großen Gruppen unter den Marktteilnehmern. Aber das Timing ist schwierig, für Aktien übliche Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder die Dividendenrendite lassen sich nicht auf Gold übertragen, und Charts oder das Verhältnis zwischen dem Goldpreis und dem Dow Jones-Index sind von begrenztem Wert.

Was also ist zu tun? Die Antwort setzt zweckmäßigerweise beim Währungssystem an. Lassen wir mal die Zeit bis 1944 beiseite. Entscheidend für die aktuelle Betrachtung ist die Zeit seitdem, denn 1944 wurde unter dem maßgebenden Einfluss der USA das heute nur noch rudimentär vorhandene, auf Dollar und Gold basierende Währungssystem aus der Taufe gehoben. Danach wurde eine im Vergleich zur Goldproduktion vielfache Dollarmenge aus dem Nichts geschöpft.

Der Goldpreis trug diesem Umstand schon zwei Mal über längere Zeit Rechnung, von 1970 bis 1980 und von 2001 bis 2011, indem er kräftig stieg. Das dritte Mal ist nur noch eine Frage der Zeit, denn die Dollarmenge aus dem Nichts wächst und wächst weiter. Wie viel Zeit? Sicher nicht so viel wie zwischen 1980 und 2001, als der Goldpreis sich über Jahre leichter manipulieren ließ als heute. Mit dieser Erkenntnis ist das Timingproblem zwar immer noch nicht gelöst, aber es lässt sich anhand der Dollar-Mengenlehre eingrenzen: Indem man Geld sukzessive in Gold investiert. Schlechter als Geld auf dem Konto kann diese Geldanlage nicht abschneiden, und obendrein besteht die Chance auf einen starken Preisanstieg. Übrigens gehen die Feri-Rechercheure davon aus, dass das Zinsniveau noch lange niedrig bleibt. Auch das spricht für Gold.

Manfred Gburek – Homepage




 

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Ein Kommentar auf "Über Raketen, Abstürze, Aktien und Gold"

  1. Lickneeson sagt:

    „Wann der Spuk ein Ende hat, ist nicht vorhersehbar.“

    Na ja, vom ATH hat der SPX ja gerade mal 2,5% abgegeben. Wenn die FED, das PPT und andere
    graue Eminenzen des „Fake-Market“ dieses mal nicht wieder an charttechn ischen Unterstützungen verbal oder durch Kaufprogramme einschreiten dürfte sich endlich mal eine echte Korrektur an den Märkten abspielen. Da wäre dann noch viel Platz und Zeit nach unten.

    Ein gut ausgwähltes Aktiendepot, in eine Korrektur oder in einen Crash hinein angelegt ist sicher langfristig nie verkehrt. Auch unterstützt durch die Geldflut an den Märkten. Bei Gold dürfte man unter 1180 wohl ruhig noch ca. 20 % Kursverfall abwarten, bevor man erste Positionen aufbaut.

    Ich denke, das aufgrund der Geldpolitik der letzten (u. nächsten) Jahre nebst Minizins ein Umschwenken auf Absolute Return Strategien und Hedgefonds nicht das Schlechteste wäre. Wenn man dann noch Geld und Nerven mitbringt im „Blut & Kugelhagel“ an den Märkten Aktienfonds oder gute Einzeltitel einzusammeln liegt man für die nächsten 10 Jahre sicher nicht falsch.

    Dumm war und ist es z. Zt. Schrottbuden a la Rocket,Zalando oder Twitter zu kaufen.

    MfG

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