Über die wahren Risiken der Bankenbranche

7. April 2016 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Ach, wie schön ist Panama! Manchmal ist das Land der Träume gar nicht so weit weg, lehrt das Kinderbuch von Janosch. Denn der Bär und der Tiger landen am Ende ihrer Suche nach Panama doch wieder zuhause. Sie haben sich auf ihrer Suche lediglich im Kreis bewegt.

Ohne das mittelamerikanische Land jemals gesehen zu haben landeten auch viele Inhaber von Briefkastenfirmen in Panama. So deuten es zumindest die seit Montag veröffentlichten „Panama-Papers“ an. Denn organisiert wurde alles von der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, die eben auch mit deutschen Banken zusammenarbeitete. So sollen die hiesigen Geldhäuser explizit auf deren Dienste zurückgegriffen haben, um für ihre Kunden Steuersparmodelle zu konzipieren.

Wie bei Janosch kommt das viele Geld der reichen Kunden also am Ende quasi wieder „zu Hause“ an. Denn während Panama lediglich den Mantel der Anonymität lieferte, lag das Geld in den meisten Fällen wohl auf den Konten etablierter Banken. So soll allein die Deutsche Bank bis 2007 mehr als 400 „Offshore“-Firmen aufgesetzt haben, daneben aber auch 28 andere deutsche Geldhäuser. Für die Deutsche Bank ist damit lediglich eines klar: Sie ist um einen weiteren juristischen Skandal reicher. Der jedoch kaum ins Gewicht fällt, wenn man an die sonstigen anhängigen Rechtsstreitigkeiten und die jüngste Debatte um die Bonität des deutschen Branchenprimus denkt.

Panamaische-Bilanzverhältnisse

Denn was sich im gerade erst (März) veröffentlichten Geschäftsbericht der Deutschen Bank offenbart, sind wahrlich „panamaische Bilanzverhältnisse“: Ein Geschäftsbericht von diesmal knapp 500 Seiten, der mehr Fragen offen lässt als Antworten gibt, eine Eigenkapitalquote von lediglich 3,8% und eine Derivatposition von brutto rund 42 Bio. EUR (!) – sprich 42.000 Mrd. EUR. Letztere wurde im vergangenen Jahr im Übrigen um einen Bruttobetrag von rund 10 Bio. EUR reduziert.

Die Deutschbanker waren also in der Tat alles andere als untätig. Zugegebenermaßen, deutlich wichtiger ist die Nettoposition, die sich mit 515 Mrd. EUR allerdings immer noch in unvorstellbaren Dimensionen bewegt. Denn typischerweise hebt sich ein Großteil der gehaltenen Derivate gegenseitig auf.

Allerdings kann aus einer Bruttoposition schnell eine Nettoposition werden, wenn die Gegenpartei plötzlich ausfällt. Die Entschärfung einer „bilanziellen Bombe“ scheint im vollen Gange zu sein. Bereits im Juli 2015 haben wir auf dieses Thema hingewiesen. Sie können den Artikel hier noch einmal nachlesen. Auch den Grad der Dramatik haben wir mit unserer Überschrift „Lehman Brothers 2.0“ damals wohl nicht so falsch eingeschätzt.

Zu den Märkten

Doch bereits vor den „Panama-Papers“ zeigte sich am Markt eine bemerkenswerte Schwäche von Bankaktien – wobei es auch hier die Deutsche Bank war, die unangenehm auffiel. Nach dem Zwischenhoch am 14. März (vgl. Abb., grüne Senkrechte) schlich sich die Aktie kontinuierlich bergab – Richtung historisches Februar-Tief (vgl. Abb., oberer Teil). Auch relativ zum DAX ging es nach unten (vgl. Abb., mittlerer Teil).

2016_04_06-Deutsche-Bank

Nach unserer Einschätzung (s. o.) ist es aber nicht so, dass die Börse hier schon die „Panama Papers“ erahnt hätte. Zumal dieser „Skandal“ so überraschend nicht ist. Panama war schließlich neben seinem Kanal vor allem als Offshore- und Briefkasten-Standort bekannt: „(Tax-)Refugees welcome!“

Will davon also ernsthaft jemand überrascht sein? Stattdessen dient der Vorgang als Stichwortgeber für eine politische Klasse, die sich um ihr Auskommen sorgt: Einmal mehr wird gefordert, dass das Steuervolk noch viel transparenter werden müsse, damit auch künftig die Steuereinnahmen sprudeln – eine geradezu lächerlich plumpe Inszenierung. Dass Steueroasen vor allem in einer Welt immer trockenerer Hochsteuerwüsten gedeihen, davon natürlich kein Wort.

Die anhaltende Kursschwäche der Deutschbanker nimmt sich im absoluten Chart noch vergleichsweise harmlos aus. Hier wurde das Februar-Tief noch nicht einmal erreicht. Im mittleren Teil der Abb. sieht man dann aber, dass die Aktie des Geldriesen im Vergleich zum DAX das Februar-Tief nicht nur bereits erreicht, sondern schon leicht unterboten hat.

Die ganze Dramatik der Kursschwäche wird aber erst in Relation zum „Peer“ Commerzbank offenkundig (vgl. Abb., unterer Teil). Schon das Hoch vom 14.3. war gegenüber der Commerzbank kein neues Bewegungshoch – eine klassische negative Divergenz, die bereits hier auf die relative Schwäche der Deutschen Bank hindeutete. In der Folge bot dann das Februar-Tief gegenüber der Commerzbank keinerlei Unterstützung. Im Gegenteil: Der Spread-Chart zwischen Deutscher Bank und Commerzbank ging durch diese „Unterstützung“ wie das sprichwörtliche heiße Messer durch Butter (Abb., unterer Chart, türkise Markierung). Die Finanzwerte im Allgemeinen und die Deutsche Bank im Besonderen deuten charttechnisch also auf weiteres Ungemach.

Fazit

Der Finanzsektor ist unter Druck, doch weniger durch die „Panama-Papers“, als durch die eklatanten Risiken in den eigenen Bilanzen.

Christoph Karl, Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

 

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