Über die erstaunliche Widerstandsfähigkeit der Märkte

21. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Vernichtet soll er worden sein, der russische Militärkonvoi, der sich über die Grenze in die Ukraine bewegt haben soll. So, allerdings nicht ganz so distanziert, tickerten es jene Blätter, die es in ihrer – Entschuldigung – Kriegsgeilheit gar nicht erwarten können, endlich gegen Russland „zurückzuschießen“…

…zumindest mit der Tastatur aus vollklimatisierten Redaktionsstuben heraus.

An den Börsen verfehlte die „Nachricht“, die keine war, im späten Freitagshandel dennoch ihre Wirkung nicht. Sie gingen erst einmal auf Tauchstation. Schließlich sind den Marktteilnehmern über das Wochenende die Hände gebunden – Tage, in denen die Situation weiter unkontrolliert hätte eskalieren können. Da drückt man vorsichtshalber oder aber gleich aus blanker Panik auf den Verkaufsknopf.

Wie so viele Meldungen der Kiewer Machthaber entpuppte sich auch der russische Militärkonvoi auf ukrainischem Boden als eine Geschichte, die vor allem für das kriegsunlustige Publikum im Westen erzählt wurde. Konkretes zum Vorfall konnte jedenfalls nicht ermittelt werden, weshalb sich für die angeblich eingedrungenen russischen Militärfahrzeuge der Begriff „Phantom-Konvoi“ herausgebildet hat. Die Frage, warum Putin die ohnehin säbelrasselnde NATO mit Nadelstichen provozieren sollte, blieb – wie schon bei früheren Schuldzuweisungen an den russischen Präsidenten – unbeantwortet.

Humanitäre Katastrophe

Nicht zu verwechseln ist der „Phantom-Konvoi“ mit dem höchst realen russischen Hilfskonvoi für die notleidende Bevölkerung in der Ost-Ukraine, die derzeit von den Kiewer Machthabern regelrecht massakriert wird. Am Maidan galt das Schießen auf die eigenen Leute ja noch irgendwie als unfein, obwohl man sich bis heute nicht sicher sein kann, wer da eigentlich geschossen hatte.

Russland schickte also einen Hilfskonvoi um die humanitäre Katastrophe in der Region zu lindern. Nebenbei war das auch eine schöne Marketingaktion, mit der sich Präsident Putin von seiner guten Seite zeigen konnte. Die aber will in den westlichen Führungsgremien und Leitmedien derzeit niemand sehen. Vielmehr unterstellte man, bei dem Konvoi handle es sich um eine Art trojanisches Pferd mit einer heimlichen Invasionsarmee – schlichte Gemüter.

Als sich herausstellte, dass es sich tatsächlich um Hilfsgüter handelte, verlor der Vorgang für die hiesigen Meinungsmacher sofort an Interesse. Aus der Sache ließ sich kein Anti-Putin-Kapital mehr schlagen. Im Gegenteil, der Hilfskonvoi wirft unmittelbar die beschämende Frage auf, was denn die Kiewer Führung an humanitärer Hilfe für die notleidende Zivilbevölkerung im Osten des eigenen Landes auf die Beine stellt?!

Der Artillerie- und Raketenbeschuss von Wohngebieten zählt außerhalb der „westlichen Wertegemeinschaft“ ausdrücklich nicht zur humanitären Hilfe. Und wo bleiben eigentlich die allfälligen Spendensammel-Sondersendungen des deutschen Staatsfunks für die unter dem Bürgerkrieg leidenden Menschen der Ost-Ukraine? Fehlanzeige.

Die Menschen dort wissen inzwischen sehr genau, was sie vom Westen und dessen neuen, teils stramm rechten Kiewer Freunden zu erwarten haben. Nichts, bestenfalls. Deshalb fliehen sie aus den umkämpften Gebieten zu Hunderttausenden(!) auch nicht etwa in Richtung Kiew oder EU, sondern nach Russland – ins dunkle Reich von „Wladimir, dem Schrecklichen“.

Schlechte Stimmung – gute Kurse

Für die Börse waren die Meldungen vom Freitag ein kleiner Schock. Allerdings setzten sie bereits am Montag ihren Erholungskurs fort. Damit zeigten sich sogar die Aktien aus Deutschland, das tendenziell zu den Hauptverlierern der aktuellen Entwicklung gehört, ausgesprochen widerstandsfähig.

Mit der Ukraine haben wir nicht nur einen handfesten Konflikt vor der Haustür, auch die in den letzten Jahren gewachsenen, engen wirtschaftlichen Verflechtungen mit Russland stehen auf der Kippe. Aber die Börse ist vor allem ein Antizipationsmechanismus, der sich aus der aktuellen Situation heraus der Zukunft entgegentastet. Die Falle, in die viele Anleger immer wieder tappen, besteht darin, aus bekannten negativen Nachrichten eine künftige Abwärtsentwicklung der Kurse ableiten zu wollen. Wenn eine negative Nachricht aber allgemein bekannt ist, ist sie in aller Regel auch bereits im Kursniveau berücksichtigt… (Seite 2)



 

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2 Kommentare auf "Über die erstaunliche Widerstandsfähigkeit der Märkte"

  1. Pinsel sagt:

    Ja so ein Krieg ist was feines!Da kann so manches wachtelbrüstige Männchen mit todesmutigem Getue sicher das ein oder andere Weibchen und naiven Junggetier imponieren.Und angeblich soll das ja auch im Krieg und vorallem nach dem Krieg zu Wachstum verhelfen!Logisch ,wenn ich einen Klabusterbeerenstrauch stutze(nix mit Verschnitt,da ist alles gerade!!!!!),das dieser wieder nachwächst!Nur eine FRage bleibt,ist der Besitzer von EM genauso schlimm wie der Besitzer von Aktien der Rüstungsindustrie?

  2. bluestar sagt:

    Diese Kriegsgeilheit ist täglich in den MSM zu spüren.
    Jede noch so abartige Lüge oder selbst erfundene Story der CIA-Regierung in Kiew wird gierig zur Verbreitung von Hass gegenüber Russland aufgesogen. Das mit dem Militärkonvoi, der Nachts mit voller Beleuchtung und russischem Hoheitszeichen durch ein Loch im Zaun fährt war die Krone der Beleidigung des menschlichen Verstandes. Natürlich hat es ein britischer Journalist gesehen und NATO-Rasmussen konnte das sofort bestätigen.
    Leute, wir werden von total Verrückten regiert und manipuliert !!!
    Komischerweise sind die verbalen Kriegstreiber in der Regel die feige und schwache Menschen mit einer Menge von Komplexen. Sie kennen nicht persönlich den Geruch von Napalm und die Reaktion von Lebewesen auf Granatsplitter, Soman, Sarin oder VX. Sie sind keine Kampfnaturen sondern feige Schleimer, Mitläufer und willige Untertanen. So war es bei Hitler und so ist es auch heute. Schreibtischtäter ohne Anstand, Moral und Gewissen. Solche Typen oder deren Kinder sollte man zuerst an die Front schicken, dann könnte die Menschheit friedlich leben. Bei deren Fronteinsatz müsste allerdings jede Menge Windeln mitgeliefert werden….

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