Über die Bitcoin-Idee als Spekulation

27. November 2013 | Kategorie: Gäste

von Bill Bonner

Die Aktienkurse sollen weiter steigen – von jetzt und in alle Ewigkeit. Ja, Tränen kamen in meine Augen, als ich über die majestätische Illusion nachdachte, welche die Aktienkurse Tag für Tag höher steigen lässt, auf atemberaubende Höhen…

Vor 13 Jahren lag der summierte Kurswert der größten Aktien Amerikas – gemessen am Dow Jones – bei weniger als 12.000. Jetzt ist es ein Drittel mehr.

Moment. Vor 13 Jahren standen wir an der Spitze der Dot.com-Blase. Seitdem gab es eine Immobilien-Blase. Und eine Staatsschulden-Blase. Und jetzt, eine weitere Aktien-Blase?

Was ist sonst passiert? In den USA ist das BIP um 6 Billionen Dollar gestiegen. Aber die Schulden sind insgesamt um 30 Billionen Dollar gestiegen. Die Schulden steigen 5 Mal so schnell wie der Output! Wie könnten da die Aktien dieser Volkswirtschaft 33% mehr wert sein?

Verkaufen? Kaufen? Der alte Hase Richard Russell denkt, dass wir erst beim Beginn der aufregenden dritten Phase eines Bullenmarktes sind…der Feuerwerk-Phase…in welcher die Kurse in die Höhe schießen, bevor sie zusammenbrechen.

Wer weiß? Deshalb wechsle ich das Thema, zu Bitcoin. Niemand weiß etwas über Bitcoin, aber jeder scheint eine Meinung dazu zu haben.

Zunächst schreibt mir ein Leser aus der Schweiz dazu:

„Sie werden ein Spekulant…ich bin extrem überrascht und enttäuscht. Vom Thema Gold zu einer virtuellen Währung…Sie verlieren den Verstand.“

„Ich bin in Montreux bei einer Konferenz für die reichsten Familien-Anlagebüros in Europa. Niemand gibt dieser virtuellen Währung eine Chance. Wir hatten gerade einen Vortrag dazu, wie Familien langfristig Geld verlieren – ich denke, Bitcoin könnte dieser Liste hinzugefügt werden.“

Nur zur Klarstellung. Ich bin nicht verrückt genug, um zu empfehlen, dass Familienvermögen in Bitcoin investiert wird. In Bezug auf Spekulieren spekuliere ich nur mit Ideen…nicht mit Investments. Und die Idee Bitcoin ist Spekulationen wert.

Und ein anderer Leser schickte mir diese Ansicht von Matthew O’Brien bei „The Atlantic“:

„Bitcoin ist ein Ponzi-Schema, welches Libertarians nutzen, um von sich gegenseitig Geld zu verdienen – denn Gold war für einen von denen nicht genug.“

Ein Ponzi-Schema („Schneeballsystem“) benötigt einen Ponzi…also jemanden, der in betrügerischer Absicht Investoren anlockt und deren Geld nutzt, um frühere Investoren ausbezahlen zu können. Aber so funktioniert „Bitcoin“ nicht.

Mr. O`Brien sieht eine Parallele zwischen Segway und Bitcoin. Es stimmt, dass die Menschen in beiden Fällen große Erwartungen wecken. Es stimmt auch, dass Segway das Transportwesen nicht revolutioniert hat. Und es könnte stimmen, dass Bitcoin das Geldwesen nicht revolutionieren wird.

Ich weiß es nicht. Aber auch Mr. O`Brien weiß es nicht. Aber er glaubt, dass er es weiß:

„Was revolutionär ist, ist die Tatsache, dass es ein Zahlungssystem ist ohne dritte Partei, wie eine Kreditkartengesellschaft, welche zwischen Käufern und Verkäufern steht. Jedes Mal, wenn man etwas kauft, ist es ein kleinerer Akt des Glaubens. Man glaubt, das der Verkäufer wie versprochen liefern wird – und wenn das nicht der Fall ist, dann will man sein Geld zurück. Hier kommen Zwischenstationen wie Kreditkartengesellschaften und Paypal ins Spiel. Die stellen sicher, dass Käufer und Verkäufer beide vertrauenswürdig sind, und Probleme werden von denen Zwischenstationen gehandhabt.“

„Bitcoin (…) ist gut für reales und gefaktes Spielen. Da es keine Fundamentaldaten bei Bitcoin gibt, kann es alles mögliche wert sein: Bitcoin zu 36.000 oder zu 36, beides ist gleichermaßen plausibel. Das ist gut, wenn man Geld machen will auf Kosten von Leuten, welche später beim Spiel hinzugekommen sind, aber für wenig mehr.“

Dem armen Mr. OBrien fehlt die Vorstellungskraft. Wenn er gelebt hätte, als das Telefon eingeführt wurde, hätte er sicher gesagt: „Wer will schon eins? Es funktioniert nur, wenn man jemanden hat, den man anrufen kann. Und heute gibt es nur 109 dieser Apparate in ganz Nordamerika.“

Zunächst einmal ist der Wert jeder neuen Innovation unklar. Deren Preis sollte volatil sein. Auch der unmittelbare Nutzen wird begrenzt sein.

Die meisten Innovationen scheitern. Aber einige eben nicht. Ich sage nicht, dass Bitcoin einer der Erfolge sein wird. Die könnten zusammenbrechen und morgen scheitern. Aber das Versprechen einer virtuellen Währung…ist, wie das Telefon, revolutionär. Bitcoin ist das Geld des freien Marktes, kein Fiat-Geld… (Seite 2)

 

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2 Kommentare auf "Über die Bitcoin-Idee als Spekulation"

  1. stephan sagt:

    „Aber manchmal ist es wichtiger, WEN man kennt, als WAS man weiß.“

    Eine interessante Erkenntnis, die man nach Lebensbereichen relativieren sollte: Im politischen Geschäft ist es nicht nur manchmal, sondern immer wichtiger, wen man kennt, als was man weiß. Es geht hier nämlich allein darum, mit anderer Leute (zwangsabgeführtem) Geld die eigene politische Ideologie – also eigene Interessen – durch- und umzusetzen (unter der fälschlichen Vorgabe, es diene dem Gemeinwohl). Diese Leute – Politiker – nennen das politische Gestaltung. Grundvoraussetzung für den Erfolg dieses parasitären Spiels ist das persönliche Netzwerk von Gleichgesinnten (also wer kennt wen).

    In der freien Wirtschaft trifft die oben genannte Regel überweigend die Führungsetagen. Darunter gilt eher: „es ist meistens wichtiger, was man weiß, als wen man kennt“.

    Zu Bitcoins:

    “Niemand. Es ist einfach die Art und Weise, wie das System aufgestellt ist. Aber denke, das Angebot an Bitcoins ist begrenzt, anders als das Angebot an Dollar oder Euro oder Yen.”

    Ich habe keine Ahnung, wo dieses Urvertrauen in die Begrenzheit der Bitcoins herrührt. Zumal mit Blick auf eine Technologie, die nur von Computern abhängig ist. Und es gab noch nie so viel und so leicht zu bewerkstelligende Manipulation, wie im Computer-Zeitalter. Das ist eine gesicherte Erkenntnis! Wie oft war es allein die Hoffung auf etwas Besseres, die das Vertrauen in eine Innovation schuf? Und wie oft wurde das nur darauf beruhende Vertrauen enttäuscht? Fragen über Fragen. Aber natürlich: Spekulieren ist erlaubt. Man sollte den Begriff Vertrauen insoweit aber nicht überbewerten.

  2. Sago sagt:

    Bitcoin kenne ich schon seit 2009. Ich war auch kurz davor bei 0,05 € zu spekulieren, damals war Bitcoin definitiv eine Spekulation wert. Leider habe ich mich dann dagegen entschieden. Aber der ein oder andere der sich bereits damals mit dem Geldsystem kritisch auseinandergesetzt hat, wird sicher spekuliert haben. Bei 1000 € wären das 20.000 Bitcoins gewesen, heute 14 Millionen Euro wert. Hätte ich spekuliert würde ich so schnell wie möglich versuchen einige Millionen in Sachwerte und Liquidität umzuschichten. Das ist nur möglich wenn immer neue Käufer hinzukommen und die Nachfrage steigt.
    Ich sage jetzt nicht, daß Bitcoin ein Schneballsystem ist, aber ich muß ja versuchen Investoren anzulocken und deren Geld nutzten um meinen Gewinn zu realisieren. Zudem gibt es keine Regeln und Anonymität – ja was will man mehr? Wer hier einige 1.000 Bitcoins im Besitz hat, der hat wahrlich eine tolle Spielwiese.

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