Über den Waterloo-Moment der Fed

16. August 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Normalerweise sollte ein Bärenmarkt bei den Aktien die Behörden nicht wirklich groß kümmern. Nichtsdestotrotz stellen wir uns hier im Tagebuch die Frage, seit wann sich eigentlich die US-Notenbank in der Pflicht sieht dafür zu sorgen, dass die Reichen immer reicher werden?

Ja, ungefähr seit dem Jahr 1987 schon!

Damals war es der Fed-Chef Alan Greenspan, der mit der dummen und fatalen Politik begann, die Investoren vor ihren eigenen Fehler zu beschützen.

Ja, als der Dow 1987 am schwarzen Montag um 22 Prozent kollabierte, reagierte Greenspan sofort. Er senkte die Zinsen und ließ über die Presse erklären, dass er sich verpflichtet sehe, die Aktienmärkte zu stabilisieren.

Seitdem endete jeder Versuch der Korrektur des Aktien- oder Rentenmarkts mit Eingriffen durch die Fed. In etwa so wie die kaiserliche Garde der Franzosen auf die britischen Truppen bei Waterloo traf. Es ist schlicht hoffnungs- und zwecklos. Im Gegenteil, es stiftete noch mehr Verwirrung und verschob den unvermeidlichen Zusammenbruch.

Und jetzt, fast 30 Jahre später, gibt es kein Zurück mehr. Kein neues Besinnen.

Es ist zu spät für weitere Überlegungen. Die Fed muss ihre Kanone aufstellen, ihre Säbel präsentieren und dem Klang der Kanonen folgen. Andernfalls wird die Schlacht verloren.

Fallende Aktienkurse – so sie denn endlich kommen – lösen zunächst nur moderate „Statements“ der Fed aus.

„Wir werden die Lage genau beobachten“, werden sie sagen.

„Unsere Daten zeigen, dass nichts zu befürchten ist“, und so weiter.

Aber die Anleger sorgen sich tatsächlich. Sie werden jetzt noch mehr Mittel von den Märkten abziehen. Die Preise werden weiter sinken … und die Fed wird gezwungen, ihre schwere Artillerie zum Einsatz zu bringen.

„Neue Maßnahmen,“ werden breit diskutiert.

Unglaubliche neue Waffen werden gezeigt werden.

Aber das ist immer noch in der Zukunft … vielleicht in ferner Zukunft.

Und da uns unser Enkel James, dem wir das alles erzählen, leider verlassen wird, werden wir eben allein wieder in den Garten gehen und in uns hineinmurmeln….

Warum die Aktienmärkte fallen werden…

von Bill Bonner

Jüngst war es hier in Frankreich relativ kalt in der Nacht. Die Temperatur sank auf 8 Grad. Wir mussten die Fenster schließen und eine andere Bettdecke verwenden.

Frankreich ist ein katholisches Land, trotz seiner säkularen Regierung. Wichtige Dinge – auch Veränderungen des Wetters – werden vom kirchlichen Jahreskalender markiert.

Üblicherweise beginnt das etwas kühlere Wetter erst, nachdem die Jungfrau Maria in den Himmel aufgenommen wurde. Also sprich am bzw. nach dem 15.8. jeden Jahres. So sagt man es sich hier jedenfalls.

Freunde und Familie sind mittlerweile schon wieder dabei, ihre Koffer zu packen, um nach Hause zu fahren. Zurück zur Arbeit. Zurück ins wirkliche Leben. Eine Tochter hat uns bereits verlassen. Und zwar zurück nach Los Angeles über London. Die andere Tochter verlässt uns bald in Richtung Baltimore. Und zwar mit unserem Enkel James.

Korrupt und nicht nachhaltig

James ist uns eine große Hilfe gewesen. Beim Versuch, ihn in der Nacht zum Schlafen zu bringen, konnten wir ihm fantastische und unglaubliche Gute-Nacht-Geschichten erzählen. Voller grotesker Monster … schlimmer Fanatiker … und Ereignissen, die nicht wahr sein können. Eigentlich.

Ja, wir haben ihm unser modernes Geldsystem erklärt. Und sind dabei selbst zu einem besseren Verständnis des Systems gekommen.

Der Junge, gerade 14 Monate alt, hat wahrscheinlich einige der subtilen Punkte verpasst. Aber wir sind zuversichtlich, dass er den Kern der Erklärungen verstanden hat. Er weiß, dass das System schwer beschädigt ist und alles andere als nachhaltig. Wahrscheinlich hat er sich gefragt, wie das alles enden wird. Das fragen wir uns natürlich auch.

So unbemerkt wie ein Kleinkind die Leiter hoch steigt sind die US-Aktien auch nach oben geklettert. Und zwar auf neue Rekordstände. Aber bald werden die Eltern des Kleinkindes es bemerken und versuchen, es ohne Verletzung von der Leiter wieder runter zu bekommen.

In den letzten fünf Quartalen sind die US-Unternehmensgewinne gefallen. Gleichzeitig sind die Aktienkurse aber gestiegen. Diese Divergenz wird wahrscheinlich nicht mehr allzu lange anhalten.

Firmen haben nur einen Wert, weil sie einen Gewinn erzielen; nehmen sie den Gewinn weg, gibt es keinen triftigen Grund, Anteilseigner des Unternehmens zu sein.

Und die Kurs-Gewinn-Verhältnisse -, die ja messen, was die Investoren bereit sind, für jeden Dollar Gewinn eines Unternehmens zu zahlen – sind bereits weit über ihrem langfristigen Durchschnitt.

Entweder werden Unternehmen Wege finden, um Gewinne zu steigern … oder die Aktienkurse werden fallen.

Was wird der Fall sein?

Sie wissen, was wir denken. Wir wollen ja wirklich nicht zu „negativ“ sein, aber ich gehe davon aus, dass US-Unternehmen nicht eine wichtige neue Quelle der Gewinne in absehbarer Zeit finden werden.

Was werden Sie tun?

Werden Sie weiter an der Kostenschraube drehen… und zwar nach acht Jahren des Kürzens, um die Gewinnmargen zu schützen?

Werden Sie ihre Darlehen zu niedrigeren Zinssätzen refinanzieren …und zwar nach acht Jahren, in denen sich das Volumen an Unternehmensanleihen bereits verdoppelt hat?

Werden Sie Ihren Umsatz steigern … und an wen werden Sie Ihre Produkte verkaufen?

Es ist folglich sehr wahrscheinlich, dass die Aktienpreise fallen werden.
Quelle: Kapitalschutz Akte
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

Ein Kommentar auf "Über den Waterloo-Moment der Fed"

  1. Argonautiker sagt:

    „…aber ich gehe davon aus, daß US-Unternehmen nicht eine wichtige neue Quelle der Gewinne in absehbarer Zeit finden werden.“

    Doch, die neue Quelle haben sie längst gefunden. Um mehr zu kriegen als eigentlich aus sich möglich, hat man den Krieg erfunden, da kriegt man dann eben doch noch mehr als eigentlich geht.

    Es ist zwar im Sinne einer Entwicklung absolut Hirnrissig, daß man in kurzer Zeit gegenseitig all das zerstört, was man aufgebaut hat, aber für große Unternehmen, besonders für reine Investitions- Unternehmen nicht. Das einzige was man tun muß, ist das Investitionsvolumen, welches im Aufbau nicht mehr genügend Abwirft, Zerstörerische zu investieren. Schon rollt der Rubel wieder, wobei dieses Prinzip derzeit ja weniger von den Rubelbetreibern, denn von den Dollar und Euro Betreibern ausgeht.

    Im Sinne einer Vermehrung des Kapitals und der Macht, ist es also alles Andere als Hirnrissig, wenn keine ausreichenden Erträge mehr durchs Wachstum erzeugt werden können, ins Zerstören und Sterben zu investieren, denn für das auf Erträge ausgerichtete Kapital, ist es vollkommen egal, ob es die Erträge am Zerstören, oder Aufbauen verdient, da es sich ja weder am Einen, noch am Anderen inhaltlich beteiligt, denn das Investment tut ja nichts selbst, es läßt ja aufbauen, und es läßt kriegen und Zerstören. Das einzige, auf was sie als Kapitalist aufpassen müssen ist, daß ihr Kapital eben ständig wächst.

    Für das Kapital wäre es also ein entscheidender Fehler nun nicht in den Krieg zu investieren, weil ihr Prinzip nur dann funktioniert, wenn der Gewinnzuwachs, die Erhaltungskosten des Kapitals übersteigen, und das geht eben nur mit kontinuierlichem Wachstum, sonst würde die Erhaltungskosten des Besitzes das Kapital anfangen langsam immer mehr aufzufressen.

    Es hat also schon seinen Grund, warum die USA immer in Kriege investiert, und sich dabei erfolgreich immer weiter ausbreitet, so man es denn als erfolgreich bezeichnen will, wenn man ständig gewachsene Kulturen und Leben opfert, um das Kapital zu vermehren. Aber das hat natürlich nur für die Kapitalhaber einen Sinn, für die Erschaffenden nicht, denn die sind dadurch in einem ständigen Kreislauf gefangen, daß sie das gegenseitig zerstören müssen, was sie aufgebaut haben.

    Der Kapitalismus kann also nur so lange funktionieren, bis es einen Weltkapitalisten gibt, spätestens dann kann er bei einem Ertragsmangel, die Kriege nicht mehr ins Bekriegen Anderer auslagern, sondern nur noch sich selbst bekriegen.

    Um den Kapitalismus mal von seinem Wortstamm her abzuleiten.

    Kapital bedeutet eigentlich Groß, Vorstehend,… . Man erinnere sich an die Kapitälchen, also die Großen verzierten Buchstaben am Anfang eines Kapitels, wobei das Kapitel dann wieder einen großen Abschnitt bezeichnet. Folglich ist eine auf Kapitalismus aufgebaute Gesellschaftsform, die Herrschaft der Großen, der Vorsteher.

    Ich würde also mal sagen, daß dies mit dem was man im Allgemeinen so unter Demokratie versteht, absolut unvereinbar ist. Denn wie sollte das Volk herrschen, was ja Demokratie bedeutet, und damit jeder Einzelne Anteil an der Regelsetzung haben, wenn ein Land nach kapitalistischen Regeln aufgebaut ist? Natürlich kann man das nun wieder schön lügen, aber wenn man es objektiv betrachtet, gehen Kapitalismus und Demokratie nicht zusammen, weil der Einzelne eben nur dann zählt wenn er groß ist, oder er sich zu Parteien zusammenrottet.

    Das soll aber nun nicht heißen, daß der Kommunismus die richtige Form sein muß. Nein, er ist lediglich die andere Seite der gleichen, aber falschen Medaille. Kommune bedeutet Gemein, also eine Vergemeinschaftung, demnach ist die Idee des Kommunismus runter gebrochen die, daß alles Allen gehört, was mit dem Mensch als Individuum jedoch auch nicht vereinbar ist. Der Mensch ist kein Herdenwesen, auch wenn man ihm das immer andichtet. Warum?

    Wenn Zeit der Parameter ist, der Leben hervorruft, und das ist unzweifelhaft so, denn Leben, lebt in Zeit, und ist die Zeit abgelaufen, dann lebt man nicht mehr, dann bedürfte es um ein Herdenwesen zu sein auch Kommunale, also gemeinsame Geburtszeiten, wie es Herdenwesen ja auch haben. Menschen haben jedoch sowohl individuelle Geburtszeiten, wie auch individuelle Paarungszeiten. Der Mensch ist eindeutig kein Kommunistisches Wesen.

    Wenn man also eine wirkliche Demokratie anstreben möchte, die den Menschen weder Artungerecht zu einem Kommunen Dasein zwingt in dem alle gleich sind, noch möchte, daß nur die Kapitalen, die Großen herrschen, dann müßte man so etwas wie eine Philanthropie anstreben. Den gibt’s aber noch nicht. Macht aber nichts, wir dürfen ja schöpferisch sein, und Neues erfinden. Ein Misanthrop ist ein Menschenfeind, und ein Philanthrop ein Menschenfreund. Sollte man es also mal in Erwägung ziehen, eine Menschenfreundliche Gesellschaft aufzubauen, dann könnte auch eine wirkliche Demokratie für ein artgerechtes Menschendasein als Individuum gelingen.

    In einer Philanthropie stünde dann aber auch das Recht des Menschen über dem Recht des Kapitals, also der Großen, und auch über dem Recht einer Mehrheitlichen Partei. Ob wir das hin-„kriegen“ wird sich voraussichtlich aber nicht mehr vor dem kommenden Krieg entscheiden, sondern erst danach. Daß wir ihn kriegen, den Krieg, dafür wird das Kapital schon sorgen.

    Der Kapitalismus wird jedoch sterben, so wie es der Kommunismus bis auf seine Reste auch schon ist. Der Kommunismus ist jedoch im Verhältnis recht leise und Würdevoll gestorben, weil Alle gleich klein waren. Der Kapitalismus stirbt halt eher wie ein Großer stirbt, er kann es gar nicht glauben, daß auch er sterben muß. Er schreit laut rum, doch niemand kann ihm helfen, und so stirbt er mit viel Gezeter und reißt möglichst alles mit sich, was dann den Krieg darstellen wird. Ein Großer war schon immer zu feige nur ebenbürtig zu sein.

    Schöne Grüße aus Bremen

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