Über den Wahnsinn von QE

4. Oktober 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Wir haben hier im Tagebuch schon seit Jahren argumentiert, dass die Festsetzung des Preises für Kredite durch Zentralbanken die gleiche Konsequenz wie die Festsetzung jedes anderen Preises haben würde: es ist und bleibt eine Katastrophe!

Wenn Sie den Kreditpreis zu hoch festlegen, wird die Kreditaufnahme zu teuer … und die Regale bleiben mit unverkauftem Inventar voll. Sie strafen die Nachfrage ab. Wenn Sie den Preis zu niedrig ansetzen, sind die Käufer zuerst glücklich … bis der Hersteller irgendwann keine Lust mehr hat, nur noch Verluste zu schreiben. Schlussendlich verschwindet das Produkt.

Der einzige Preis, der funktioniert, ist der, der nicht festgelegt wird. Es ist der Preis, der von Käufern und Verkäufern entdeckt wird. Ein Preis, der sich frei bewegt; je nachdem, wie sich Angebot und Nachfrage entwickeln.

Das ist der Grund, warum wir ein Mega-Debakel erwarten; die Fed nagelte den Kreditpreis ja geradezu auf dem Boden fest.

Mit unserer Ansicht sind wir da nicht mehr allein.

Langsam aber sicher teilen auch andere unseren Standpunkt. Zum Beispiel auch William Hague, der ehemalige Führer der Konservativen Partei von Großbritannien. Im Telegraph erklärt er in zehn Punkten ausführlich, warum er QE für eine alles in allem schlechte Idee hält:

„Sparer können mit normalen Einlagen keine Rendite mehr erzielen. Das führt dazu, dass sie in risikoreichere Vermögenswerte getrieben werden. Dadurch werden die Preise von Häusern und Aktien immer höher künstlich aufgepumpt.

Höhere Vermögenspreise machen Menschen, die diese Assets besitzen, reicher. Gleichzeitig bleiben die anderen außen vor. Die sozialen und politischen Gegensätze innerhalb der Gesellschaft werden sich dadurch ernsthaft verschärfen; das ist purer Treibstoff für die Wut populistischer Kampagnen.

Pensionskassen erzielen nur extrem schlechte Renditen und leiden daher unter enormen Defiziten. Das führt dazu, dass Unternehmen mehr Geld für Betriebsrenten zur Verfügung stellen müssen. In der Folge fehlt dieses Geld für Expansion oder neue Investitionen in der Realwirtschaft.

Für Banken wird es immer schwieriger, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu haben. Das trägt natürlich zur Ausbreitung der Bankenkrise bei, welche derzeit besonders in Deutschland und Italien schon weit verbreitet ist.

Jene Leute, die in der Lage sind, mehr zu sparen, tun genau das. Hintergrund ist ja schlicht der, dass sie nun mehr sparen müssen, um eine halbwegs vernünftige Rendite zu erzielen. Anders formuliert bedeutet dies gleichzeitig auch, dass die Leute unter dem Strich weniger ausgeben. Und keinesfalls mehr.

Unternehmen haben einen Anreiz, geliehenes Geld dafür zu verwenden, eigene Aktien zurückzukaufen. Und zwar in großem Stil. Das Geld wird stattdessen nicht für neue und produktive Investitionen ausgegeben.

Zentralbanken beginnen damit, Unternehmensanleihen aufzukaufen und nicht nur Staatsanleihen, um das System weiter massiv aufzublähen. Damit erwerben sie risikoreiche Vermögenswerte und bevorzugen einige Unternehmen gegenüber anderen. (Die EZB kauft sogar Anleihen von Großkonzernen, die nicht in der Eurozone ihren Sitz haben; zum Beispiel auch von Nestle).

„Zombie-Unternehmen“, die nur im Geschäft bleiben können, weil sie so billig Geld leihen können, werden weitergeführt, obwohl sie normalerweise nicht erfolgreich sind. Das ist eine Belastung für die langfristige Entwicklung der Produktivität.

Wenn die Preise von Aktienmärkten und Häusern ohne eine zugrunde liegende Verbesserung der realwirtschaftlichen Leistung künstlich nach oben gepeitscht werden, wird es immer schwieriger, diese Blasenpolitik zu beenden. Letztlich droht ein gigantischer Absturz, wenn es zu einem Ende der lockeren Politik kommt. Das wiederum wirft Unternehmen und Hauskäufer regelrecht um. Die hatten sich ja inzwischen an ultra-niedrige Zinsen zu lange gewöhnt.

Und last but not least: die Menschen sind nicht dumm; wenn sie sehen, dass Notmaßnahmen seit fast einem Jahrzehnt ergriffen werden, untergräbt das das Vertrauen in die Behörden. Und das führt dann dazu, dass die Leute glauben, dass die Verantwortlichen nicht mehr Herr der Lage sind und die Kontrolle verloren haben.“

Ja, diese Argumente von Mr Hague sind für Sie, die Leser des Tagebuchs, nichts wirklich Neues. Im Gegenteil.

Verarmt durch zu viel Geld
von Bill Bonner

„Es ist vorbei!“

Raúl Ilargi Meijer, der regelmäßig Beiträge für David Stockmans Contra Corner-Newsletter schreibt, erklärt, dass das gesamte Geschäftsmodell unserer Gesellschaften, an dem alles schon mindestens so lang, wie wir leben, hängt, kaputt ist.

Meijer schreibt:

„Deshalb gibt es Trump.Es gibt kein Wachstum. Seit Jahren gibt es kein wirkliches Wachstum. Alles, was übrig bleibt, sind leere, hohle und Sonnenschein vorgaukelnde S & P 500-Aktienkurse, die mit ultra-günstigen Schulden und Aktienrückkäufen inflationiert sind; und Beschäftigungszahlen, die viele Millionen von potentiellen Arbeitskräften statistisch verstecken. Und vor allem gibt es Schulden, öffentliche wie private, die dazu da waren um eine Illusion des Wachstums lebendig zu halten. Das wird jetzt zunehmend in Frage gestellt.

Diese falschen Wachstumszahlen haben nur einen Zweck: den etablierten Kräften geht es darum, die breite Öffentlichkeit in ihren Plüsch-Sitzen zu halten. Aber, langsam aber sicher ist das nicht mehr wirklich möglich.

Nicht umsonst also der Aufstieg von Trump, Brexit, Le Pen und allen anderen.

Es ist aus.

Was uns bisher unser ganzes Leben angetrieben hat, hat sowohl seine Richtung als auch seine Energie verloren.“

Rückläufige Frachtdaten

Nichts davon ist für die Stammleserschaft des Tagesbuchs hier überraschend. Wir wissen, dass zu viel Geld die Menschen ärmer macht.

Die Feds versorgten die Wirtschaft mit einer fast unbegrenzten Menge an kredit-basiertem Schein-Geld. Das Geld war betrügerisch. Aber damit wurden reale Ressourcen gekauft. Und die Ressourcen wurden schlicht verschwendet. Man musste ja nicht nachdenken und sparsam mit der Ressource umgehen.

Unternehmensinsolvenzen befinden sich auf dem höchsten Niveau seit 2009. Neun von zehn Haushalten haben Einkommen verloren. Und die Steuereinnahmen lagen im letzten Quartal unterhalb der Einnahmen aus dem Vorjahresquartal.

Bereinigt um die Inflation sinkt das reale Wachstum in der US-Wirtschaft – gemessen an den tatsächlichen Steuereinnahmen und nicht an den Regierungsstatistiken.

Auch die Weltwirtschaft verlangsamt sich. Lambert Strether vom Blog Corrente Wire erklärt:

„Ich begann mit der Analyse von Frachtdaten, weil es mir zum einen Spaß machte. Und zum anderen erschien das Tracking dieser Daten ein bei weitem attraktiverer Weg zu sein, die Prognose der Wirtschaftsentwicklung in den Griff zu bekommen als mit irgendwelchen ökonomischen Statistiken. Ganz zu schweigen vom Geschwätz der Wall Street-Leute.

Also, was ich in letzter Zeit bemerkte, war ein einziger Rückgang. Und nicht nur temporäre Schwäche, die von Erholungen abgelöst werden. Und das schon ein ganzes langes Jahr lang. Rückgang herrscht auf auf der Schiene vor- auch abgesehen von Kohle und Getreide – und folglich gibt es auch einen Rückgang der Nachfrage nach Güterwagen. Dazu kommt der Rückgang der Lkw-Frachte und Rückgang der Nachfrage nach LKW. Luftfracht ist äußerst wackelig. An den pazifischen Häfen ist kein Weihnachtsbounce zu bemerken.

Und jetzt haben wir das Hanjin-Schifffahrts-Debakel – all das Kapital, das in gestrandeten Schiffen gebunden ist. Sind ja nur Waren im Volumen von 12 Milliarden Dollar auf den gestrandeten Schiffen. Damit einher wird nun allgemein eingeräumt, dass wir irgendwie zu viel Geld in große Schiffe und Boote investiert haben. Ich vermute, dass wir viel weniger Material als angenommen transportieren müssen; zumindest über die Ozeane.“

System zum reich werden

Wie wir hier jüngst berichteten, fielen die Exporte Chinas auf Dollar-Basis um zehn Prozent.Wenn Sie keine Sachen exportieren, brauchen Sie auch keine Schiffe, um sie in alle Welt zu verschicken.

Parallel zur Schwäche der Weltwirtschaft, steigen die Schulden. Selbstverständlich von den Zentralbanken finanziert. Bloomberg meldet:

„Die größten Zentralbanken der Welt weiten ihre Bilanzen in diesem Jahr mit dem schnellsten Tempo seit der europäischen Schuldenkrise 2011 aus, um die schwache Konjunkturerholung mit Assetkäufen, die die Aktien- und Anleihenkurse stützen, zu fördern.“

Mal sehen …

Wie funktioniert das gleich noch mal?

Die Welt hat zu viel Schulden und massive Überkapazitäten. Das Wachstum verlangsamt sich. Die Standardwerte steigen.

Was tun die Zentralbanken?

Sie erleichtern den Regierungen, ihre Schulden noch weiter zu erhöhen … und sie finanzieren noch mehr Kapazitäten.

Die Feds verwendeten falsches Geld, um der Wirtschaft Schein-Kredite zu geben …, die verwendet wurden, um reale Betriebsmittel zu kaufen. Jetzt haben wir eine Fülle von Forderungen, Schulden, denen eine rückläufige zukünftige Produktion gegenübersteht.

Wie soll das überhaupt funktionieren?

Eine Wirtschaft ist immer noch ein moralisches System. Es ist kein „Reich-Werden-System“. Sie bekommen immer das, was Sie verdienen, nicht was Sie wollen oder was Sie erwarten.

Langfristig bestraft die Wirtschaft Verschwendung, Irrtum, Dummheit, Unruhe, Faulheit, Arroganz und Disziplinlosigkeit.

Die Amerikaner werden jetzt bestraft.

Bis jetzt noch sehr milde.

Später werden die Peitschenhiebe weitaus schmerzlicher ausfallen…

Quelle: Kapitalschutz-Akte
Über den Wahnsinn von QE (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

Ein Kommentar auf "Über den Wahnsinn von QE"

  1. kneipier sagt:

    Die „rückläufigen Frachtraten“ hätten sich auch auf den Welthandel beziehen sollen.

    Der beste Indikator für eine; sich nicht verlangsamende sondern am Boden liegende Weltwirtschaft; sind die Zahlen vom Baltic- Dry- Index:

    http://www.dryships.com/pages/report.php

    Es sollte über über einen geordneten Crash zu einer Goldgedeckten, eigenen Währung in den verfassten Staaten nachgedacht werden. Selbstverständlich nur mit physischem Edelmetall, nicht mit Goldzettteln der Comex.
    Das Fehlen einer solchen Massnahme hat uns doch weltweit seit Bretton Woods in die jetzige Misere geführt.

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