Über den Mann, der es hätte wissen müssen

17. Januar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Jüngst scheiterte der Dow Jones des öfteren an der – zumindest – psychologisch wichtigen Hürde von 20.000. Derweil studieren wir das Leben und die Zeiten des ehemaligen Fed-Chefs Alan Greenspan. Wir erwarten gewiss nicht, etwas Neues zu entdecken. Wir waren während seiner ganzen öffentlichen Karriere mehr oder weniger wach und aufmerksam; es gibt wenig, was nicht über den Mann und seine Zeit schon bekannt ist.

„Der bekannteste Beamte seit Pontius Pilatus“ – so haben wir ihn in einem unserer Bücher beschrieben.

Aber es ist hilfreich, wieder Rückschau zu halten, zum Fluss der Geschichte … und zur großen Rolle, die er gespielt hat. Vielleicht können wir etwas lernen.

Der Mann, der es wusste

Herr Greenspan war – zumindest auf der Oberfläche – einer der einflussreichsten Menschen des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Von 1987 bis 2006 war er der Spitzenmann der Fed.

Die Dämonen-Tür öffnete sich während seiner Zeit bei der Fed. Von da an war die amerikanische Zentralbank nicht mehr nur dafür verantwortlich, Preisstabilität zu bewahren und Vollbeschäftigung zu gewährleisten. Die Fed wurde auch zum Garant für eine steigende Börse.

Die berechtigte Frage in dem Kontext lautet:

Hätte sich diese Tür auch ohne ihn geöffnet?

Demnächst schreiben wir über die neue Biografie von Sebastian Mallaby von Greenspan, „The Man Who Knew“ in unserer monatlichen Publikation „The Bill Bonner Letter“.

Der Mann, der es wusste? Greenspan schien nicht zu wissen, dass die größte Blase der Geschichte direkt unter seiner Nase entstand. Ebensowenig schien er zu bemerken, daß das Fake-Money-System nach 1971 die Verzerrungen und Perversitäten geschaffen hatte, vor denen er schon 1966 gewarnt hatte.

Auf dem Buchumschlag versucht Mallaby, den Titel zu erklären. Er nimmt an, dass die Finanzkrise von 2008 nicht Greenspans Schuld war. Offenbar wusste er, Greenspan, dass das Finanzsystem durch eine scharfe und schmerzhafte Korrektur bedroht war.

Wenn ja, warum hat er nicht etwas gesagt?

Sogar wir wussten, dass sich eine Blase gebildet hatte. Und wir sagten es. Wir haben die Leser so oft gewarnt, dass sie es nicht mehr hören konnten.

Nur am Rande erwähnt, auch jetzt sprechen wir immer wieder lästige Warnungen aus. Der Schuldenstand ist jetzt höher als je zuvor. Die Gesamtverschuldung der Welt liegt nun bei 217 Billionen Dollar oder 325% des globalen BIP.

Die US-Staatsverschuldung – die offiziell zugegebene – liegt nahe der Marke von 20 Billionen Dollar. Und letztes Jahr allein fügte die Fed neuen Schulden in Höhe von mehr als $ 12.000 pro US-Haushalt hinzu.

Das tat sie übrigens in einer Zeit, in der die Haushaltseinkommen kaum stiegen. Wäre die Staatsverschuldung des letzten Jahres gleichmäßig auf die amerikanischen Haushalte verteilt worden, hätte die typische Familie einen Betrag, der in etwa zweieinhalb Monatsgehältern entspricht, verloren.

Blind vor Ehrgeiz

Natürlich können wir die Zukunft heute nicht besser vorhersagen als vor zehn Jahren. Außerdem ist dies ein kostenloser Service; was kann man da Großartiges erwarten?

Aber selbst ein Fremder sollte höflichkeitshalber Ihnen sagen, dass Ihre Haare Feuer gefangen haben und brennen.

Also, passen Sie auf: die Aktien stehen immer noch in der Nähe ihrer Allzeithochs!

Die Wall Street-Preise spiegeln nicht mehr eine solide und nüchterne Einschätzung des Ertragspotenzials wider. Stattdessen basieren sie auf Insider-Manipulationen (Unternehmen haben sich schwer verschuldet, um ihre eigenen Aktien zurückzukaufen) … oder Spielereien (Investoren wetten, dass Trump’s Steuer- und regulatorische Kürzungen höhere Gewinne bedeuten werden).

Warten Sie nicht auf eine Warnung von Madame Yellen; sie werden sie nicht bekommen. Sie sieht keine Blase. Im Jahr 1996 hatte Mr. Greenspan keine Schwierigkeiten, „irrationalen Überschwang“ zu spüren. Aber bis 2006 trug er dunkle Brillen und einen weißen Stock.

„Blase? Ich sehe keine Blase „, behauptete er.

Wir werden in den nächsten Tagen mit Mr. Greenspan zusammentreffen; er kommt nach Baltimore, um uns zusammen mit einer Gruppe unserer Analysten aus der ganzen Welt zu treffen. Wir werden ihn fragen, was mit seinem Sehvermögen passiert ist.

„Er war blind vor Ehrgeiz,“ könnte man sagen.

So könnte es gewesen sein. Aber was wirklich geschah, war, dass er nie ein Mann war, der Geschichte schrieb. Stattdessen wurde er von ihr „gekrümmt“.

Quelle: Kapitalschutz-Akte
Der Mann, der es wusste… .(von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

Print Friendly, PDF & Email

 

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.