Explosive Gemengelage. Über das Ende der deutschen Sonderkonjunktur

14. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

Im Visier der Krise

Wesentlichster Auslöser der massiv eingetrübten deutschen Konjunkturerwartungen sind die wachsenden Spannungen auf der Welt – allen voran Ukraine/Russland, aber auch Irak, Israel/Gaza, etc. Für ein Land, dessen Wirtschaft „in der Welt zuhause“ ist, ist das eine mittlere Katastrophe. Russland ist nicht nur Gaslieferant, sondern schon aufgrund der räumlichen Nähe und des komplementären Produktspektrums einer der wichtigsten deutschen Handels- und Investitionspartner. Das Hantieren mit der Sanktionswaffe kann aus deutscher Sicht sehr schnell zum berühmten Schuss in das eigene Knie führen.

Was ein Ausfall der deutschen Wirtschaftslokomotive für das Euro-Projekt und die EU bedeuten würde, scheint auch in Brüssel nicht allen Beteiligten bewusst zu sein. Treibende Kraft im Konflikt mit Russland sind aber ohnehin die USA. Dort hat sich in den letzten Monaten ein scharfmacherisches Maulheldentum entwickelt, das von Präsident Obama noch mehr Härte fordert. Der Mut steigt mit dem Abstand zum Geschehen. Wir werden insbesondere diesen geopolitischen Aspekten in der nächsten Printausgabe des Smart Investor 9/2014 intensiv nachspüren.

Zu den Märkten

Im Tagesverlauf des vergangenen Freitags fiel der DAX unter die runde, aber wenig bedeutungsvolle Marke von 9.000 Punkten. Die Abwärtsbewegung stoppte erst bei knapp über 8.900 Punkten – ein Wert, bei dem der Markt auch schon einmal Mitte März nach oben drehte (vgl. Abb., blaue horizontale Unterstützungslinie). Man sollte solche statischen Marken in einer dynamischen Abwärtsbewegung allerdings auch nicht überbewerten.

dax8900

Oft genug entpuppen sie sich als reine Zwischenstationen, denen dann ein weiterer dynamischer Abverkauf folgt. Die am Freitag beobachtbare Kurserholung hatte durchaus Short-Squeeze-Charakter. Über ein Wochenende kann viel passieren und da dürfte auch manch eingefleischter „Shortie“ vorsichtshalber erst einmal seine Gewinne mitgenommen haben und die Positionen glattstellen. Nach dem Trendbruch dürften sich erneut Short-Chancen auftun, wenn die Aufwärtsreaktion an Dynamik verliert. Die Aufwärtsreaktion ist allerdings vor dem Hintergrund des überverkauften Zustands zu erwarten. Daher ist für den Aufbau von Short-Positionen nach dem kurzfristigen Drehpunkt bei 8.900 Punkten erst einmal keine Eile geboten.

Im unteren Teil der Abbildung ist übrigens die relative Kursentwicklung des DAX Performance-Index zum STOXX Europe 600 Performance-Index (blaue Linie) eingezeichnet. Hier ist in den letzten Wochen eine deutliche Schwächeneigung deutscher Aktien zu verzeichnen, die dann auch zum Bruch des relativen Aufwärtstrends (rote Trendlinie) geführt hatte. Schon seit Jahresanfang ist trotz des zwischenzeitlich erreichten absoluten Allzeithochs eine relative Schwächeneigung des DAX zu verzeichnen – sichtbar an den Divergenzen zwischen absoluter und relativer Kursentwicklung (grüne Linien). Deutschland ist gerade dabei, sich zu einem der Hauptverlierer des aktuellen geopolitischen Szenarios zu entwickeln.

Fazit

Nach dem Panik-Modus der vergangenen Woche haben sich die Märkte wieder etwas stabilisiert. Im besonders betroffenen deutschen Markt spielt sich das Kursgeschehen jetzt allerdings unterhalb des bisherigen Aufwärtstrends ab, was weiter zu höchster Vorsicht mahnt. Bei einer jederzeit möglichen weiteren Eskalation der geopolitischen Lage – besonders in der Ukraine – ist mit erneuten Kursverlusten zu rechnen.

Ralf Flierl, Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor



Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , ,

Schreibe einen Kommentar