Überraschende Überraschung

19. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Das Geld hetzt weiter durch die Welt. Rein in die Aktien, raus aus Aktien, parkt es seit ein paar Wochen wieder lieber im vermeintlich sicheren Hafen der Anleihen und schaut auf vier Prozent Rendite. Wo gibt es das heute schon noch? „Na mal abwarten…“ wird es sich sagen. Viele Anleger hätten gerne die gewohnten 30 Prozent im Jahr, doch da muss man schon im Reich der geistigen Getränke suchen….

Die Erzeugerpreise sind in Amerika durch die Decke gestoßen. Sekunden darauf fiel der Goldpreis, so wie es ihm oft in den letzten Tagen widerfährt, wenn er zum Sprung ansetzen will, weil ihm fundatemtal eingeheizt wird. Es scheint inzwischen zur olympischen Disziplin geworden zu sein, ihn daran zu hindern. Zur Gruppe der Akteure, die pünktlich um 14 oder 17 Uhr auf das Gold einschlagen, klingelt nachts der Bär in in Asien. Globex machts möglich. Am Morgen werden dann wieder die Edelmetallhändler überrannt, die von Rekordumsätzen und Lieferschwierigkeiten berichten. Die US-Mint stellt den Verkauf von Gold-Eagles ein. Es erinnert an einen Verteilungskampf. Pro Nase auf der Welt gibt es 25 Gramm Gold und 5 Gramm Silber. Wer zuerst kommt, malt zuerst.

Inzwischen teilt sich der Markt in echtes Gold (da weiß man, was man hat) und börsengehandeltes Papiergold (da hofft man, dass man was bekommt). Der Goldmarkt scheint ver-rückt zu sein – oder ver-rückt gemacht. Wer kann das schon unterscheiden.

Gleichzeitig fragt sich der Betrachter, wie die Industrie die gestiegenen Preise auf die ohnehin schon gebeutelten Verbraucher umwälzen will. Bleiben die Unternehmen vielleicht sogar auf ihren höheren Kosten sitzen? Und was passiert, wenn der Verbraucher auch noch anfängt zu sparen? Dann wird sie wohl Gleiches machen müssen. Sparen an Ausgaben, sparen an Personal, sparen an guten Worten und Optimismus. Das riecht nach Schwierigkeiten.

Nein, das geparkte Geld in Anleihen schaut irritiert auf diese vier Prozent Rendite. Das ist immerhin besser als die 20 Prozent Minus beim DAX in diesem Jahr. Dieses Geld wirkt etwas gehetzt und auch bereit zu sein zum Sprung in eine ganz anderen Richtung. Doch wohin? Am Aktienmarkt wird scharf geschossen, der Goldmarkt wird mit Granaten übersät und der Rohstoffmarkt säuft ab. Zumindest ist die Kreditkrise noch nicht im Bereich der Staatsanleihen angekommen. Noch nicht.

Sind Sie in den letzten Wochen auch so oft überrascht wie die Experten? Es fällt auf, dass sie das Wort „überraschend“ immer häufiger benutzen. Sei es bei den Wirtschaftsdaten, den Unternehmensbilanzen oder den Kursbewegungen, kaum ein Satz kommt noch ohne dieses überraschend und einem knackigen „unerwartet“ aus. „Unerwartet überrascht“ scheint gute Chancen für das „Wortpaar des Jahres 2008“ zu haben.

Fannie Mae ist pleite? Überrascht? Lehman Brothers haben Probleme? Hä? Der Wirtschaft geht es schlechter. Unerwartet? Der Euro fällt? Auch das noch! Und der DAX schließt heute unter 6300 Punkten? Huch! Vielleicht überrascht uns morgen eine Überraschung – unerwartet natürlich. Denn nichts ist unmöglich und auf nichts ist mehr Verlass. Nicht mal aufs Wetter.

Eine Gewissheit gibt es allerdings. Die Dinge bleiben nicht so wie sind, denn sie blieben nie so, wie sie waren. Und auch wenn einige mit ihren Prognosen Geld verdienen, selbst wenn diese nie eintreffen, ändern das nichts an der Tatsachen, dass jeder das bekommt, was er verdient, nicht das, was er sich wünscht und erhofft.

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