Über weißen und schwarzen Rauch – Japan, Libyen, Brüssel

24. März 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Während über Fukushima wieder weißer Rauch aufsteigt, hängt über Tripolis der schwere, schwarze Qualm brennender Ölterminals. In Brüssel hingegen qualmt es nicht, obwohl dank des vergrößerten Rettungsschirms fröhlich 600 Mrd. EUR verbrannt werden dürfen…

(aus dem Smart-Investor)

Im Zeichen der Katastrophe

Was sich in Japan abspielt, ist traurig und erschreckend. Welches Ausmaß die Katastrophe am Ende erreichen wird, lässt sich gegenwärtig kaum sagen. Nicht zuletzt, weil die Öffentlichkeit immer nur häppchenweise mit Informationen versorgt wird. Diese erhält sie scheinbar auch nur dann, wenn es sich ohnehin nicht mehr verheimlichen lässt. Ob eine Kernschmelze nicht vielleicht doch eingesetzt hat, werden die betroffenen Menschen erst viel später, wenn überhaupt, erfahren.

Das Erdbeben und der darauffolgende Tsunami waren sicherlich nicht von Menschenhand gemacht, aber hätte nicht mit ihnen gerechnet werden müssen? Ist das Verhalten von Tepco, dem Kraftwerksbetreiber, nicht ähnlich dem der US-Banken, die glaubten, dass Menschen ohne Arbeitsplatz, ohne Einkommen und ohne Vermögen gute Schuldner seien? Schließlich baute Tepco einen Kernkraftwerkskomplex von sechs Reaktoren an einer Tsunami-gefährdeten Stelle. Und gab es nicht immer wieder Berichte über mangelnde Sicherheitsstandards? Erst nach dem Unglück verwies die japanische Atombehörde darauf, dass Tepco wohl in 33 Fällen die Sicherheitsuntersuchungen gefälscht habe.

Wie im Falle der „Subprimekrise“ wird auch in Japan am Ende die Allgemeinheit für die Fehler einiger weniger bezahlen müssen. Aus unserer Sicht jedoch wird durch die Katastrophen in Japan der Crack-up-Boom (CuB) nicht aufgehalten werden. Wenn überhaupt, dann wird er verzögert, um dann allerdings umso heftiger zurückzukommen. Die Bank von Japan wird schließlich alles tun, um die ökonomischen so wie finanziellen Folgen aufzufangen. Und dies bedeutet mehr und noch mehr Liquidität bereitstellen. Treibstoff also für den CuB.

Wüste Gewalt

In Nordafrika zeigt sich hingegen als Begleiterscheinung die Fratze der willkürlichen Gewalt. Wir wollen hier nicht missverstanden werden: Gaddafi ist sicherlich ein grausamer Diktator, der sein Volk (so man bei den nordarabischen Stämmen überhaupt von einem Volk sprechen kann) auf übelste Art und Weise ausplündert, unterdrückt und missbraucht.

Nur: Das tun all die anderen Diktatoren im dortigen Raum ebenfalls. Warum wird die leidende Bevölkerung im Jemen nicht unterstützt? Warum greift niemand in Syrien ein? Warum wird die völkerrechtswidrige Besetzung Bahrains durch die grausamsten aller nordafrikanischen/arabischen Despoten, der wahhabitischen Saud-Familie, nicht ebenfalls mittels Waffengewalt zurückgeschlagen? Und befreit irgendwer die armen Saudis selbst, die dank dieser kriminellen, korrupten und intoleranten Herrscherclique nach wie vor im Mittelalter leben müssen? (—-> Seite 2 <—–)

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7 Kommentare auf "Über weißen und schwarzen Rauch – Japan, Libyen, Brüssel"

  1. CrisisMaven sagt:

    Ich habe mal versucht, das gesamte Ausmass der Japan-Atomkatastrophe und was sie fuer Europa bedeutet hier uebersichtlich zusammenzufassen:
    http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=208864
    Dort auch Hinweise zum Umgang mit radioaktiv verseuchtem Wasser.

    • Stuelpner sagt:

      @ CrisisMaven
      Mensch das ist ja ein riesen Ding, muss eine enorme Arbeit gewesen sein, danke dafür. Übersichtlich ist es ja, aber ob wir dann noch die Zeit haben das zu lesen 😉

      „Dort auch Hinweise zum Umgang mit radioaktiv verseuchtem Wasser.“ Wollte mich gleich mal informieren, aber:
      „Radioaktivitaet in Trink- und Brauchwasser, Bedeutung, Beseitigung, Gefahren … das meiste funktioniert so nicht!“
      dann doch noch gefunden, einzige Möglichkeit Destille.
      Mir ist nicht klar, ob sich wirklich lohnt dann noch Energie in „lebensverlängernde“ Maßnahmen zu investieren, gewinnen kann man auf Dauer doch ohnehin nicht.
      Vorsorge wäre hier wieder angebrachter, wie Du auch schreibst. Weg mit dem ganzen AKW-Müll und die Befürworter und Unterstützer gleich mit, das ist der einzige Schluss den ich aus Deinen Ausführungen ziehen kann.

  2. Stuelpner sagt:

    „Wir wollen hier nicht missverstanden werden: Gaddafi ist…“ Ja so ist die uns offiziell zugängliche und einzig wahre Wahrheit.
    Bei Infos aus dem pösen I-Net, vor dem wir alle beschützt werden müssen, stellen sich für mich verschiedene Fragen. Wieso baut ein schrecklicher Diktator mit den Einnahmen aus dem Öl, eine vernünftige Infrastruktur, ein Gesundheitswesen und dieses riesige Wasserprojekt auf, statt alles für sich zubehalten, riesige Palästen zu bauen und eine schlagkräftige Armee zu seinem Schutz? Mal ehrlich was bis jetzt auf Bildern an militärischer Ausrüstung Libyens zu sehen war ist der letzte Schrei der Russen aus den 60iger Jahren, von ein paar MIG-23, T-72 und T-90 mal abgesehen. Wenn ich so ein Schlimmer wäre würde ich meine Macht aber besser „versichern“.
    Der Vergleich mit den anderen Ländern ist da wesentlich stichhaltiger, gleiche Bedingungen entgegengesetzte Reaktion.
    Gaddafi wird nun so wieso bald aufgeben, da die allseitsgeschätzte 9xDr. Merkel kein Öl mehr von ihm kaufen will, bei solchen Drohungen geht auch der schlimmste Diktator in die Knie, auch wenn es vor Lachen ist, aber er wurde bezwungen.

    PS: Den Palast wollte er bauen, aber den haben im ja gewisse Neider hinter Teich gleich platt gemacht.

  3. Hagen sagt:

    Meine Prognose:

    Was jetzt angezettelt wurde ist ein heilloses Gemetzel von Lybiern gegen Lybier, einhergehend mit einer großflächigen Zerstörung der bisher vollkommen intakten Infrastruktur, (die sich übrigens jeder bei Google-Earth wie im Museum noch betrachten kann).

    In einem übeschaubaren Zeitfenster jedoch, sagen wir mal 4-8 Wochen wird jeder Lybier der noch übrig ist, egal ob er vorher für oder gegen Gaddafi war, froh sein, wenn jemand von außen kommt, der ihm Benzin, Srom, Wasser und etwas zu Essen liefert… sprich die Infrastrucktur wieder zum funktionieren bringt.

    Die hochveschuldeten Eurolander brauchen neue Kredite, haben aber keine Sicherheiten mehr… auf der Suche nach den Sicherheiten kommt da ein Land wie Lybien gerade recht.

    Deutschland muß dabei nicht mitmachen, im Gegenteil: Deutschland hat jetzt die Chance als Hightec-Standort die ausfallenden Kapazitäten Japan’s zu übernehmen. Diese Kapazitäten werden vor allem in Russland und China benötigt… und Deutschland kann sofort liefern und bekommt als Gegenleistung anstatt wertloser Papiereuro wertvolle Rohstoffe (Öl, Gas, seltene Erden u.v.a.m.)

    Fazit: Auch wenn Merkel was anderes nach aussen erzählt, es ist nicht die Frage den Euro und die EU zu retten, sondern es stellt sich für Deutschland die Frage, wann der richtige Zeitpunkt ist, ohne Riesenschaden bzw. Riesenchaos dort auszusteigen… und ich bin überzeugt davon das man das in Berlin auch weiß!

    schöne Grüße aus Dresden

    • Stuelpner sagt:

      Hallo Hagen,

      erster Absatz volle Zustimmung

      zweiter Absatz Zustimmung, sie haben dann zwar nicht mehr, aber wahrscheinlich wir ihnen „Demokratie“ zu teil – Wir sind das Volk – Fensterkitt schmeckt besser als Kubakugeln.

      es ist gar nicht gewollt, dass die BRD GmbH was anderes als wertloses Papier jeglicher Form bekommt. Wie will man sich sonst erklären, dass die großen Braunkohlevorkommen im Osten an ausländischer „Investoren“ verprivatisiert wurden, denn Kupfervorkommen wird es nicht anders ergehen. Was bekommen sie dafür, wertloses Papier. Man hat den Eindruck, das ist kein Zufall, alles was sich umsetzen läßt verkloppen und dann…

      Deutschland als Hitec-Standort, na ja die Autos haben auf keinen Fall bessere Qualität als Reisschüsseln, die Qualität der einstige Nobelmarke ist irgendwelche Berechnungen fähiger und immer noch unterbezahlter Manager zum Opfer gefallen. Welchen großen Technologievorsprung haben wir denn noch, selbst die Solarplatten aus China sind schon besser. Wenn man nur die Gier im Sinn hat und neoliberales Gedankengut umsetzt, kann es nur bergab gehen.
      BASF investiert 860Mio in China, was haben wir davon, wahrscheinlich nur die Steuern zu bezahlen, von denen BASF dann auch noch Fördermittel für sein „Outsourcing“ bekommt.

      In Berlin weis man vieles, sogar wie man es richtig machen sollte und könnte, siehe – sich aus Libyen raushalten, möglicher Atomausstieg, nur leider hat man das nach den Wahlen schlagartig anders gemeint und geht wieder den „alternativlosen“ Weg, Protokollfehler kommen vor, bloß weil es 80Mio. im Fernsehen gehört haben muss es nicht stimmen es war anders gemeint.

      Viele Grüße ins TdAl 😉

  4. hottel sagt:

    …..und der älteste aller konflikte wird mal wieder nicht erwähnt. die bombadierung der palestinänser durch israel. hier heißt es schlicht aus washington2israels recht auf selbststverteidigung ist unantastbar,http://www.faz.net/s/Rub0A1169E18C724B0980CCD7215BCFAE4F/Doc~E11D27AEEAE324041AE01F9EC23FB5F8E~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  5. Über weißen und schwarzen Rauch – Japan, Libyen, Brüssel » Rott … sagt:

    […] hier den Originalbeitrag weiterlesen: 15 – Über weißen und schwarzen Rauch – Japan, Libyen, Brüssel » Rott … […]

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