Über Schuldenreiterei – Egoismus und Wahnsinn

2. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Wieder einmal war es der republikanische Kongress-Abgeordnete Ron Paul, der anlässlich des Gezerres um die sogenannte US-Schuldengrenze treffsicher kommentierte: „Falls Schulden das Problem sind, warum wollen Sie dann mehr davon?!“

vom Smart Investor

Die „sogenannte“ Schuldenbremse oder Schuldengrenze ist weder Bremse noch Begrenzung für die Schulden. Bei Erreichen wurde sie noch jedes Mal erhöht (inzwischen über 50 Mal!) und das Gleiche erwarteten wir vor einer Woche auch an dieser Stelle bzw. in der aktuellen Ausgabe des Smart Investor 8/2011 (S. 57: „Poker ist ein amerikanisches Spiel“).

Das Feilschen fiel dieses Mal nur deshalb etwas theatralischer aus, weil sich die Streithähne angesichts der nahenden Präsidentschaftswahlen im Jahre 2012 schon ein bisschen profilieren wollten – in der Verhaltensbiologie heißt das wohl Kommentkampf. Das angebliche „Aufatmen der Welt“ ob dieses Theaterdonners ist nicht recht nachvollziehbar, denn es dürfte klar sein, dass auch der geschlossene (faule) Kompromiss am Grundsätzlichen vorbeigeht, die Schuldenkrise also lediglich prolongiert. Albert Einstein wird folgendes Zitat zugeschrieben, das die Situation recht treffend charakterisiert: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“ Die Erhöhung der „Schuldengrenze“ wird wieder zu einer Erhöhung der Schulden führen und bei Erreichen der neuen „Schuldengrenze“ wiederum zu deren Erhöhung. Business as usual.

Marsch in die Willkür

Im Einstein‘schen Sinne ist natürlich auch die EU-Variante zur Behandlung der hiesigen Schuldenkrise ohne Wenn und Aber „Wahnsinn“. Eine eklatante Verletzung der goldenen Kaufmannsregel, wonach man schlechtem Geld kein Gutes, in diesem Fall Frischgedrucktes, hinterher werfen solle, ist sie obendrein. Innerhalb der EU sind die „Lösungsstrategien“ zusätzlich explosiv, weil sich der grundsätzliche Wahnsinn mit einem hohen Maß an krimineller Energie und ökonomischer Inkompetenz verbindet.

Wenn der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel heute bedauert, zu lange zu diesen Entwicklungen geschwiegen zu haben, und unumwunden feststellt, dass die Staatschefs das Recht brechen, dann ist dem wenig hinzuzufügen. Traurig, dass vorwiegend ehemalige Funktionsträger ihre klare Sprache wiederfinden und vor dem Marsch in die Willkür à la EU warnen.

Kehren vor fremden Türen

Bemerkenswert ist auch, was wir von einem der großen EU-Strippenzieher, dem ehemaligen, demokratisch gewählten Chef der italienischen Regierung und ehemaligen, nicht ganz so demokratisch gewählten Chef der nicht ganz so demokratischen EU-Kommission, Romano Prodi lesen: Deutschland sei „egoistisch“ ließ er die italienische Zeitung „Il Messagero“ wissen, weil sich die Deutsche Bank fast ihrer gesamten italienischen Staatsanleihen entledigt habe. Dies sei „ein eindrucksvolles Signal des Nicht-Vertrauens“. Da fragt man sich doch, woher das wohl kommen mag?

Und Prodi weiß die Antwort:

„Die Entscheidungen unserer Regierenden haben nicht mehr die Stärke und Glaubwürdigkeit, etwas zu bewirken.“

Natürlich hat Prodi auch eine Lösung. Er empfiehlt der italienischen Regierung, in Berlin gegen das Vorgehen der Deutschen Bank Protest einzulegen. Wenn Hilflosigkeit und Größenwahn aufeinander treffen, treibt das mitunter merkwürdige Blüten. Möglicherweise ist Herrn Prodi aber auch gar nicht aufgefallen, dass es sich nicht um die Deutsche Bundesbank, sondern um ein zumindest theoretisch privates Geldhaus handelt, das nicht unter EU-Verwaltung steht und dem das italienische Chance-/Risiko-Profil einfach nicht mehr recht schmecken wollte.

Dabei hätte der neue EU-Egoismus-Experte gar nicht bis Frankfurt schauen müssen, um seinen Solidaritätsbesen zum Einsatz zu bringen. Viel naheliegender ist doch die Frage, warum seine eigenen Landsleute massenhaft Geld von italienischen Banken abziehen und in die Schweiz verbringen. Gewiss, selbstlose italienische Wirtschaftshilfe für die darbende Schweiz… (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , ,

2 Kommentare auf "Über Schuldenreiterei – Egoismus und Wahnsinn"

  1. Oddo Wolf sagt:

    Man kann vielleicht noch das eine odere andere Schaf vor dem „haircut“ retten aber eine Herde nicht zum saufen zwingen.
    Gratuliere: In „Schwindelerregenden Höhen“ sind heute auch eure Seitenzugriffe. Geht alles zu langsam. Der Markt wirds regulieren. Ich schau dann später noch mal vorbei.

  2. konnt_ja_keiner_ahnen sagt:

    BILD hin oder her, aber auch der SPIEGEL hat heute einen ganz vortrefflichen Artikel auf der Seite, der sämtliche Register der Propaganda gegen Gold zieht. Verwirrung und Desinformation par excellence (ich hoffe, man schreibt das so…)

    Es ist traurig mit anzusehen, dass es immer noch die überwältigende Mehrheit der Leute ist, die sich genau von dieser Taktik Gold zuerst als uninteressant und dann vollkommen übergangslos als überteuert darzustellen manipulieren lassen. Man wird nicht nur „aufgeklärt“ über diesen „Fakt“, wenn man über das Thema sprechen will – nein – man wird als armer Irrer belächelt… Mir scheint, bis die Angst der Dotcom-Erfahrung aus den Gliedern gewichen ist, muss noch ein bissle was passieren. Dann allerdings (Italien ante portas…) wird eine kleine Panikwelle ausbrechen…

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.