Über Narren und Notenbanken

11. März 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Die Narren sind los. Vor allem im mittleren Westen Deutschlands ist Ausnahmezustand angesagt. Aber auch was das Finanzsystem anbelangt, scheint uns jemand seit vergangener Woche zum Narren halten zu wollen.

vom Smart-Investor

Die Rede ist von der Rede des EZB-Chefs Jean-Claude Trichet, in welcher er letzte Woche zur zukünftigen EZB-Zinspolitik etwas verlauten ließ. Demnach könnte es in der EZB-Sitzung im April zum ersten Mal seit über 2,5 Jahren wieder zu einer Zinsanhebung kommen. Wohlgemerkt: Trichet deutete nur die Möglichkeit einer Anhebung an. Auf die Frage eines Journalisten, ob sie denn schon sicher oder nur möglich sei, antwortete er: „Möglich ja, aber natürlich nicht sicher.“ Aha, etwas anderes konnte man natürlich auch nicht erwarten. Oder sollte Trichet tatsächlich heute schon sagen, was er in einem Monat tun wird? Vermutlich weiß er das selbst noch nicht. Aber sei’s d’rum!

Inflationsgefahr!

Nun also sind dem obersten „Währungshüter“ und seinen Kollegen die Inflationsgefahren in der EU doch irgendwie zu groß geworden. Rund 2,5% beträgt die durchschnittliche Preissteigerungsrate derzeit in Europa – und da möchte man wohl nicht tatenlos zuschauen. Klar, genau das soll doch die offizielle Aufgabe einer Zentralbank sein: Preissteigerungen im Zaume zu halten. Dazu eine allfällige Klarstellung:

Bock und Gärtner

Niemand anders als die EZB (zusammen mit den Regierungen in der EU) ist ursächlich für die jetzigen und die kommenden Preissteigerungen im Euro-Raum. Also Herr Trichet selbst hat das verursacht, was er nun bekämpfen will. Wie bitte? Dazu eine kurze Erklärung: Zu viel Geld in den Jahren nach dem Platzen der Tech-Bubble bzw. seit der Euro-Einführung hat neue Blasen geschaffen, vor allem im Immobilien- und Bankenbereich – hier vor allem in den USA, aber natürlich auch in Spanien, Portugal, aber auch Irland, Griechenland usw. Also in all den Ländern, die jetzt einen Rettungsschirm benötigen bzw. bald benötigen werden. Als die Immobilien- und Banken-Blase platzte wurden abermals gigantische Mengen Geld in die Märkte gepumpt, um einen Zusammenbruch der Wirtschaft zu verhindern. Und dieses Zuviel an Geld jagt nun nach zu wenigen Waren und Dienstleistungen. Die Folge sind Preissteigerungen allerorten.

Paradigmenwechsel
Schlaumeier und Anhänger der Deflations-These werden einwenden, dass die Geldmengen in den letzten beiden Jahren doch gefallen oder zumindest nicht sehr stark am Steigen waren. SI-Antwort: Diese Beobachtung ist zwar richtig, spielt aber vor dem Hintergrund des geldpolitischen Paradigmenwechsels keine Rolle mehr. Denn seit dem Beinahe-Finanzkollaps nach Lehman wird nicht mehr direkt Geld in die Märkte gepumpt, sondern indirekt via Staatsgarantien bzw. -bürgschaften. Und Bürgschaften sind – soweit der Bürge solvent ist – wie echtes Geld zu betrachten…

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Ein Kommentar auf "Über Narren und Notenbanken"

  1. JayJay sagt:

    Es wird wenn es zu Zinserhöhungen kommt, wirklich nur 1 oder 2 Minischritte geben. Denn sonst gehen doch die PIIGS, gleich über den Jordan, so wird noch etwas Zeit gewonnen.
    Wenn man bedenkt das Griechenland im Moment knapp 13 % für 10jährige zahlen muss, da sind ja meine Zinszahlungen, auf die Kreditkarte günstiger, Wahnsinn.
    Gut das die sich jetzt noch günstiger, über die halbwegs solventen EU-Länder, finanzieren können. Die Zisnen wurden ja gesenkt & erstmnal eine Rückzahlung in 7 Jahren vereinbart. Diese wird sicherlich auch noch mal verlängert. Bis zu 30 Jahren, waren ja schonmal im Gespräch.
    Gold & Silber Ahoi

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