Über Macho Silvio und eine Fake-SKS

16. November 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor

Was sind das denn für Zeiten? Regierungschefs sind heute schneller ihren Job los als Fußballtrainer, vor allem wenn sie – im Gegensatz zu den Coaches – ordentlich Punkte sammeln. Gemeint sind natütlich Basis-Punkte bei der Verzinsung ihrer Staatsanleihen…

Doch das Personalkarussell in den europäischen Metropolen löst das Problem nicht, wie die jüngste Härtefall-Entscheidung in Rom zeigt: Als Silvio Berlusconi noch nicht zurückgetreten war, kletterten die Zinsen für italienische Staatsanleihen auf immer neue Höhen. Und da blieben sie auch nach Rücktrittsankündigung und Rücktritt. Und was hat sich eigentlich an der Situation in Griechenland nach dem Papandreou-Rücktritt geändert?

Lösung in Sicht?

Die Personalwechsel sind nicht Teil einer Lösung, sondern sie machen nur deutlich, dass mittlerweile eine Lösung weiter denn je entfernt liegt. Es wird der Eindruck erweckt, – oder zumindest versucht, ihn zu erwecken – dass durch neue Köpfe an den Schaltstellen Rettung für die Länder möglich sei. Dass also zum Beispiel Italien ohne Schuldenschnitt gerettet werden könnte, wenn denn nur die Vorgaben der EU, der Troika oder von wem auch immer, umgesetzt und Sparprogramme und Steuererhöhungen nur hart genug durchgesetzt würden. Doch das ist schlicht und einfach nicht der Fall. Siehe Zinsen für Italiens Staatsanleihen.

Die gesamte Absurdität des Systems wird bei Betrachtung der Regeln für die Eigenkapital-Unterlegung der Banken bei Investitionen in Staatsanleihen deutlich. Denn nach derzeitigem Stand müssen Banken Staatsanleihen nicht mit Eigenkapital unterlegen, da sie offiziell als „risikofrei“ gelten. Gleichzeitig verlangt die Politik aber in ihrer Not, dass die Banken sich „freiwillig“ am Schuldenschnitt von Griechenland und wahrscheinlich weiteren Staaten beteiligen. Und weil gesehen wird, dass bei den geltenden Eigenkapital-Quoten und den zu in den Bondpreisen implizierten Ausfällen dann keinerlei Eigenkapital mehr für herkömmliche Kredite für Unternehmen oder Privatpersonen verfügbar ist, wird die zwangsweise Aufstockung des Banken-Eigenkapitals – zur Not mit Staatsgeldern – gefordert. Wenn sich ein sozialistischer Mastermind einen Masterplan ausgedacht hätte, das Bankensystem zu verstaatlichen, dann hätte es vermutlich so ausgesehen. Denn viel raffinierter hätte man es wirklich nicht anstellen können.

Kurzum: die Situation ist in einem Maße verfahren, dass mit jeder Wendung die Fahrt Richtung EU-Bankrott und zuvor noch Crack-up-Boom beschleunigt wird – nach wie vor ist kein Bremser zu erkennen. Und damit zu den Märkten, die langsam aus der Phase der dauererregten Nervosität Richtung Tourette-Syndrom driften.

Zu den Märkten

Wie bereits letzte Woche an dieser Stelle angedeutet, bilden einige wichtige Börseninzes wie der DAX oder der EuroStoxx oder auch die Nasdaq sogenannte Kopf-Schulter-Formationen (SKS) aus. Eine solche SKS gilt unter Charttechnikern als Indiz für eine baldige Trendwende, in unserem Falle nach unten. Der DAX-Kursverlauf in der Graphik zeigt eine solche SKS, kenntlich gemacht durch die drei roten Bögen. Was ist nun also von dieser Gefahr zu halten, noch dazu wo doch mehrere wichtige Börsen solche Formationen ausbilden? (Seite 2)


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5 Kommentare auf "Über Macho Silvio und eine Fake-SKS"

  1. conan sagt:

    Hm — der Smartinvestor und der CuB…

    Ich glaube die Jungs liegen in einem Punkt richtig und in einem zweiten Punkt vollkommen daneben.

    1. Punkt: Es wird einen CuB geben — davon gehe ich auch aus…
    2. Punkt: … allerdings ist die Frage von welchem Niveau aus

    Die Frage ob Infla (-> CuB) oder Defla (-> Aktienkurse brechen ein) ist doch eigentlich ganz einfach. Wenn die Verantwortlichen die Geldschleusen wirklich ohne Hemmungen aufreissen und das hemmungslos geschöpfte Geld wirklich beim Endverbraucher ankommt, dann gibt es auch den CuB. Aber ich denke die Verantwortlichen werden das erst tun wenn die Schmerzen groß genug sind. BIS DAHIN haben wir Deflation. Geld verschwindet aktuell durch massive Kreditausfälle schneller aus dem System als Frau Merkel „Rettungsschirm“ sagen kann. Die die noch können, zahlen Ihre Kredite zurück — und nehmen keine neuen auf…

    Das alles wirkt deflationär. Erst wenn der Kittel RICHTIG brennt, werden die Geldschleusen RICHTIG geöffnet — dann werden die ganzen exorbitanten Vermögen die bis jetzt in Staatsanleihen und Derivaten stecken in EM, und in Aktien gepumpt — DANN kann der CuB starten und dann gehen Gold und Silber RICHTIG durch die Decke.

    Bis dorthin glaube ich persönlich, wird sich der Smartinvestor die Finger verbrennen. Stur long zu bleiben bringt nix — genauso wenig wie stur short zu gehen.

    Gruß

    Conan

  2. Marcus sagt:

    Ich teile die Meinung des Smart Investors, obwohl ein nochmaliger Aktien Crash natürlich möglich ist. Der Startschuss wird gegeben wenn Schäuble und die BuBa ihren – vorgetäuschten – Widerstand gegen die EZB Anleihenkäufe aufgeben. Dann wir die (Liquiditäts-) Flut alle Boote (Assets) heben. So denke ich – interessante Zeiten.

  3. Johannes sagt:

    Ich fand es schon vor der Finanzkrise immer wieder erstaunlich, wie Staatsschulden „interpretiert“ wurden.

    Von „ein Staat kann nicht pleite gehen“ bis hin zu „risikolosen und sicheren Staatsanleihen“ war und ist alles dabei gewesen.

    Warum man für etwas Risikoloses wie Staatsanleihen Ausfallsversicherungen (CDS) benötigt, verstehen wohl nur Ökonomen. 🙂

    Mir hat mein Hausverstand schon immer irgendwie mitgeteilt, dass es nicht gut gehen kann, wenn immer mehr Schulden aufgebaut werden. In Österreich wurde seit den 70iger Jahren kein einziges mal auch nur 1 cent (Groschen) der Schulden beglichen. War ja angeblich egal, weil es natürlich alles im Verhältnis zum BIP gesehen werden muss. Blöd nur, dass auch dieses Verhältnis immer schlechter wurde.

    Bezüglich des CuB bin ich irgendwie gespalten.

    Einerseits sehe ich im meinem Freundes- Familienkreis durchaus Investitionen und durchaus auch die Bereitschaft zur Verschuldung. Einerseits wird Geld ausgegeben, um sich vor der kommenden Infla zu schützen, andererseits einfach deshalb, um etwas zu schaffen.

    Andererseits ergaben die Gespräche mit meinen Kunden ein derzeit eher negatives Feedback, vor allem in der mittelständischen Industrie. Die Aufträge gehen zurück oder werden aufgrund von schlechten Erwartungen hintangestellt.

    Besser geht es den kleineren Unternehmen, wie Elektriker, Installateure und ähnliche.

    Wie gesagt, etwas durchwachsen derzeit und ich kann mir noch kein genaues Bild machen.

    Bleibe daher auf der Seitenlinie. 😉

  4. MARKT sagt:

    Zur Verschuldung ist in Deutschland fast ausnahmslos der bereit , der eh nichts bzw. nicht viel hat. Auch diese Kreditaufnahme wirkt sich mit kurzer Verzögerung deflationär aus.

    Für einen CUB ist die Situation so wie Sie derzeit von Otto Normalbürger gesehen wird (es ist alles furchtbar, aber irgendwie wird alles schon wieder besser werden) viel zu positiv. Medial wird dies unterstützt un ein positiv Bild vermittelt.

    „Die Leute konsumieren anscheinend wie noch nie“, und die paar Nazis kriegen wir schon auch noch irgendwie in den Griff. Probleme sehen doch wahrlich anders aus.

    Die EZB kauft nur soviel wie nötig um die Renditen für Spanien + Italien in einer Spanne zwischen 6-7,5% zu halten. Das Problem dabei ist das dies mit einer weiteren Verschuldung dieser Länder einhergeht. Ein Einschwenken in die FED/BOJ/BOE-Politik würde vielleicht ein weiter so von 3-4 Jahren bedeuten, würde uns aber von der Problemlösung immer weiter entfernen.

    Also sollte jedem klar sein, es gibt nur eine Lösung mit sehr viel Schmerzen für einen Großteil der Bevölkerung oder mit etwas Verzögerung und einer weiteren „Fütterung der Zombies“ den Supergau.

    • Avantgarde sagt:

      Nach der idiotisch erzwungenen Euro-Einführung müsste die EZB selbiges wie USA, Japan oder GB tun um ihr Währungsgebiet vor dem Zahlungsausfall zu bewahren – alles aufsaugen was sich bewegt.
      Das ist nun mal die Logik eines Binnenmarktes mit einer einheitlichen Währung.

      Das bezweifle ich erstens weil insbesondere D dann in eine tatsächliche Schicksalsgemeinschaft rutschen würde und sämtliche Entscheidungsbefugnisse an Brüssel abgeben müsste.

      Und selbst wenn es so käme: Weder GB, USA und auch Japan mit seiner Verschuldung von jenseits 200% des BIP haben es „geschafft“ zu hyperinflationieren.

      Wir erhöhen im Gegenteil sogar die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls auf längere Sicht – oder wie wollen die GIPS-Staaten die Renditen von erwirtschaften? Noch nicht mal 5% schaffen sie…

      Auch mir ist es schleierhaft wie man in dieser Situation auf Hyperinflation setzen kann.

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