Über „Krise“ und „Krisenbereinigung“

17. Februar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

 von Prof. Thorsten Polleit

In der Öffentlichkeit herrscht die Sichtweise vor, dass eine Wirtschaftsrezession mit all ihren Begleiterscheinungen (wie zum Beispiel Unternehmenskonkurs, Produktionsrückgang und Arbeitslosigkeit) eine „Krise“ darstellt, die „bekämpft“ werden muss…

So wird es allgemein gutgeheißen, wenn bei einer Rezession zum Beispiel die Zentralbank die Zinsen senkt, um die Wirtschaft „anzukurbeln“ und der Staat konjunkturstützende Ausgabenprogramme auflegt.

Der „Aufschwung“ wird in der Regel als „Normalfall“ angesehen, der „Abschwung“ hingegen als unerwünschte Heimsuchung. Dabei wird üblicherweise jedoch nicht weiter hinterfragt, was den Aufschwung geschweige denn Abschwung ausgelöst hat. Stellt man aber diese Fragen, so werden die Antworten vermutlich viele überraschen.

Der aktuelle Abschwung („Bust“), der in der Öffentlichkeit als „Krise“ bezeichnet wird, ist eine Folge eines vorangegangenen künstlichen Aufschwungs. Dieser Aufschwung („Boom“) wurde mit immer mehr Geld und Kredit angetrieben, bereitgestellt von den Zentralbanken zu immer tieferen Zinsen.

Der Boom ist ein „Schein“-Aufschwung. Er sorgt zwar augenscheinlich für steigende Einkommen, wachsende Unternehmensgewinne und zunehmende Beschäftigung. Doch der Boom bringt gleichzeitig auch weitreichende Fehlentwicklungen mit sich.

Um was für Fehlentwicklungen handelt es sich? Es handelt sich zum Beispiel um Unternehmensinvestitionen, die nicht durchgeführt worden wären, wenn die Zinsen nicht künstlich gesenkt worden wären. Die knappen Ressourcen (wie zum Beispiel Arbeitskraft und andere Produktionsmittel) wären dann für andere Projekte verwendet worden.

Kehrt der künstlich gedrückte Marktzins auf sein „natürliches Niveau“ zurück, dann merken Unternehmer, dass sie fehlinvestiert haben: Ihre Kalkulation geht nicht auf, sie erkennen, dass sie an den Marktbedürfnissen vorbei investiert haben, dass die Kunden nicht bereit sind, die Produkte zuden erhofften Absatzpreisen zu kaufen.

Die Folge ist, dass Investitionen liquidiert werden müssen. Die Unternehmen erleiden Verluste. Letztere zeigen, dass die gesamtwirtschaftliche Güterversorgung nicht der Bedarfsdeckung entspricht, die hätte erreicht werden können, wenn es nicht zu Fehlinvestitionen gekommen wäre.

Mit anderen Worten: Ein künstlicher Boom – angetrieben durch künstliches Ausweiten der Geld- und Kreditmengen bei gedrückten Zinsen – macht eine Volkswirtschaft nicht reicher, sondern im Gegenteil, er macht sie ärmer!

„Es ist ein grandioser Irrtum, wenn ein Volk oder Staat glaubt, eine inflationistische Politik einleiten und betreiben, sich aber gleichzeitig gegen deren Folgen absichern zu können.“ Ludwig Erhard (2009 (1957)), Wohlstand für Alle, S. 287-288.

Seite 2

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , ,

Kommentare sind geschlossen