Über die wahre Ursache der inter-nationalen Finanz- und Wirtschaftskrise

28. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Thorsten Polleit) Die Ursachen für die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise sind nicht, wie oft diagnostiziert wird, ungezügelte Kapitalmärkte, überzogene Risikospekulation oder Gier. Die Ursache des Debakels ist vielmehr in der (Un)Ordnung des Geldwesens zu finden: einem „Papiergeldstandard“, oder auch „Fiat“-Geldstandard…

(Auszug aus dem 1. Degussa Goldhandel Newsletter) Das Fiat-Geld zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus: (1) Staatliche Zentralbanken produzieren das Fiat-Geld, das mit dem Privileg des „gesetzlichen Zahlungsmittels“ aus-gestattet ist. (2) Fiat-Geld ist innerlich wertloses Geld, meist in Form von beliebig vermehrbaren Papierzetteln und Einträgen auf Computerfestplatten („Bits and Bytes“). (3) Fiat-Geld entsteht durch „Kreditgeldschöpfung aus dem Nichts“: Vergibt eine Bank einen Kredit, wird nicht etwa vorhandenes Geld vom Sparer zum Investor transferiert, sondern es wird neues Geld in Umlauf gebracht. (fiat steht hier lateinisch für: „es geschehe“).

Das Fiat-Geld ist nicht durch die freien Marktkräfte entstanden. Vielmehr standen handfeste interventionistische Motive Pate bei seiner Entstehung und Verbreitung.

Es war am 15. August 1971, als US-Präsident Richard Nixon verkündete, der US-Dollar sei von nun an nicht mehr eintauschbar in physisches Gold. Wie kam es dazu? Die Amerikaner hatten ihre Kriegsführung in Korea und Vietnam vor allem mit dem Ausweiten der heimischen Papier-Dollar-Geldmenge finanziert. Die Furcht vor Inflation bewog nun immer mehr ausländische Zentralbanken, ihre Dollarguthaben in Gold einzutauschen und das Gold außer Landes zu schaffen. Weil daraufhin der US-Goldvorrat wie Schnee in der Sonne dahin schmolz, entschloss sich die amerikanische Administration, die Goldeinlösepflicht des US-Dollar aufzuheben, um die eigene Zahlungsunfähigkeit in Gold abzuwenden.

Diese Maßnahme – es war der wohl größte monetäre Enteignungsakt der modernen Geldgeschichte – hatte weitreichende Folgen. Denn da damals im (1944 vereinbarten) „System von Bretton Woods“ alle anderen Währungen – wie D-Mark, Franc oder Pfund – mit einem festen Wechselkurs an den Greenback gebunden und in US-Dollar eintauschbar waren, wurde auch ihnen die Golddeckung entzogen. Alle wichtigen Währungen wurden so zu Fiat-Geld. In vielen Ländern stieß das Ende der Goldbindung des Geldes durchaus auf politische Zustimmung. Es war gewissermaßen eine Hochzeit des sozialdemokratischen Sozialismus: Konjunktursteuerung, Wohlfahrts- und Umverteilungsstaat standen hoch im Kurs, und ihrer Verwirklichung stand eine Goldbindung des Geldes, durch die sich die Geldmenge nicht beliebig manipulieren ließ, entgegen. Es waren ideologisch-politische, nicht aber ökonomisch-ethische Argumente, die die Goldbindung der Währung diskreditierten und mit denen der Übergang zum Fiat-Geld legitimiert wurde.

Das Fiat-Geld ist nicht zuletzt eine Folge des anwachsenden, chronisch per Kredit finanzierten Umverteilungsstaates. Bekanntlich gelangen ja in demokratisch verfassten Systemen diejenigen an die Macht, die die Stimmenmehrheit erlangen. Letzteres erfordert, Wählern Wohltaten zukommen zu lassen (die diese selbst nicht erarbeiten wollen oder können). Finanzieren lässt sich das am besten auf Pump, was besonders attraktiv ist, wenn die Regierenden Zugriff auf die Geldproduktion haben, und wenn das Geld per Kredit in Umlauf gebracht werden kann. Und so ist es nicht verwunderlich, dass in allen demokratisch-parlamentarisch verfassten Regimen mittlerweile das Sach- oder Waren-Geld (in Form von Gold und Silber) durch Fiat-Geld ersetzt wurde.

II.

Wohl kein anderer Zweig der Volkswirtschaftslehre hat sich so intensiv mit dem Fiat-Geld, seiner Rolle für den Konjunkturzyklus, Inflation und politische Entwicklungen befasst wie die Österreichische Schule der Nationalökonomie, die verbunden ist mit Namen wie Carl Menger (1840–1921), Eugen von Böhm-Bawerk (1851–1914), Ludwig von Mises (1881–1973) und Friedrich August von Hayek (1899–1992). Insbesondere Mises zeigte, dass das Ausweiten der Fiat-Geldmenge durch Bankkreditgewährung im wahrsten Sinne des Wortes Geldproduzieren „aus dem Nichts“ ist. Es ist ein inflationärer Vorgang, der zunächst einen wirtschaftlichen (Schein-)Aufschwung („Boom“) auslöst.

„Wenn ein Gut Geld bleiben soll, darf die öffentliche Meinung nicht glauben, dass mit einer schnellen und unaufhaltsamen Vermehrung seiner Menge zu rechnen ist.“ Ludwig von Mises, Nationalökonomie, 1940, S. 389.

Doch wenn die „Reichtums-Illusion“ des neuen Geldes verpufft, wenn also Unternehmer merken, dass sie durch das neue Geld und die niedrigen Zinsen zu falschen Entscheidungen verlockt wurden, kippt die Konjunktur. Droht nun der mit Fiat-Geld angestoßene Boom in einen „Bust“ umzuschlagen, werden Rufe laut, die Zentralbank solle die drohende Rezession (die ja eigentlich eine Bereinigung ist) mit noch tieferen Zinsen „bekämpfen“. Unter dem öffentlichen Meinungs- und Politikdruck senkt die Zentralbank die Zinsen, und das Kredit- und Geldangebot steigt noch weiter an… (Seite 2)

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