Über das Kliff der Ansprüche

28. Dezember 2012 | Kategorie: Gäste, Kommentare, RottMeyer

(von Bill Bonner) Die Wohlfahrtsstaaten der entwickelten Welt sind von Wachstum abhängig. Ohne Wachstum sind ihre Finanzen zum Scheitern verurteilt. Zunächst ein bisschen Hintergrund…

 Normalerweise zahlen Investoren mehr für einen Dollar Ertrag bei einer Aktie als bei einer Anleihe. Aktien sind riskanter als Anleihen, in dem Sinne, dass die Aktienkurse dazu tendieren, mehr zu steigen und zu fallen, je nachdem, wie die Unternehmensergebnisse ausfallen. Aber die Investoren glauben, dass diese „Risikoprämie“ es wert sei, denn es gibt mehr „Aufwärtspotenzial“ bei Aktien – die werden zusammen mit der Wirtschaft wachsen.

Langfristig sollte deshalb die mit Aktien erzielbare Rendite mehr oder weniger der Summe der erhaltenen Dividendenzahlungen entsprechen, plus der Höhe des allgemeinen Wirtschaftswachstums. Wenn die Wirtschaft allerdings nicht wächst, dann wird die Risikoprämie zu einem teuren Relikt eines früheren Zeitalters.

Auch Pensionsfonds und Versicherungen setzen auf Wachstum. Sie sammeln Geld ein. Sie investieren es und machen Prognosen, basierend auf dem, was sie für eine wahrscheinlich erzielbare Rendite halten. Die Differenz zwischen dem, was sie an Prämien kassieren….und dem, was sie ausgaben müssen, um ihre Kosten und Zahlungen zu finanzieren…ist deren Gewinn.

Im Jahr 2012 setzte der typische Pensionsfonds in den USA – solche, welche von Kommunen und Bundesstaaten geführt werden – auf eine erzielbare Rendite, welche vier Mal so hoch war wie das Wirtschaftswachstum. Wenn sich dieses Wachstum nicht beschleunigt, dann werden diese Fonds ihre Verpflichtungen nicht erfüllen können.

Private Haushalte, Pensionsfonds und Versicherungen stehen alle auf einer Seite des Trades: Sie setzen darauf, dass die Wachstumsraten sich auf das Niveau der 1980er oder 1990er erhöhen werden. Wenn das so ist, dann könnte das Desaster abgewendet werden. Höhere Wachstumsraten werden es den Regierungen erlauben, das Schuldenwachstum im Einklang zu halten mit dem Wachstum der Einnahmen.

Aber wenn sich das Wirtschaftswachstum nicht beschleunigt, dann sind die öffentlichen Finanzen überall auf dem Planeten zum Scheitern verurteilt.

In den letzten 4 Jahren ist die Zahl der Menschen mit einer Erwerbsunfähigkeit 7 Mal so schnell gestiegen wie die Zahl der Leute mit Arbeitsplätzen. Und die Zahl der Menschen, welche Lebensmittelmarken in den USA beziehen, ist während der Amtszeit Obamas um 17 Millionen gestiegen.

Seit Beginn der ersten Amtszeit Obamas bis zum Ende derselben sind geschätzte 4,6 Millionen Jobs verschwunden. Aber die Zahl derjenigen, welche zusätzlich Lebensmittelmarken benötigen und wegen Erwerbsunfähigkeit aus dem Arbeitsmarkt ausgestiegen sind, ist um 21,2 Millionen gestiegen.

Warum sind so viele Menschen plötzlich erwerbsunfähig? Gab es da eine Plage, welche die Nation traf? Wurden Millionen verletzt, in Massen-Unfällen? Natürlich nicht. Stattdessen sah es auf einmal in einer kaum wachsenden Volkswirtschaft gut aus, 1.000 Dollar pro Monat fürs nichtstun zu bekommen.

„Man erhält das, für das man zahlt“, sagte Milton Friedman. Man zahlt die Leute dafür, dass sie nicht arbeiten. Und dann bekommt man viele von denen.  Jeder macht sich Sorgen über das „fiscal cliff“. Aber es gibt ein noch größeres Kliff, das uns bevorsteht, und das ist das Kliff der Ansprüche.

Quelle: Kapitalschutz Akte
Über das Kliff der Ansprüche (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

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3 Kommentare auf "Über das Kliff der Ansprüche"

  1. samy sagt:

    Auch wenn Bonner’s Gedankengänge oft erfrischend sind, warum springt er hier so kurz? Die Statistiken zu den Erwerbsunfähigen und Arbeitslosen sind Müll. Viele der Jobs reichen einfach nicht mehr für den Lebensunterhalt, daher u.a. auch der relativ hohe Anstieg der Bezieher von Lebensmittelkarten.

    Man darf fragen, die Student-Loans Problematik, woher kommt die? Liegen auch die Absolventen mit fetten Schulden im Rucksack auf der sozialen Hängematte, zum Spaß, bis der Master wertlos ist?

    Die größte marktfeindliche, sozialistische und planwirtschaftliche Glanzleistung ist doch die vollendete Aushebelung der Kapitalmarktmechanismen seit 2008 zum Schutze der „Wohlfahrt“ der Mittelständler und Wohlhabenden gewesen. Das geschah doch nicht nur für die Unterschicht.

    Aber vielleicht verstehe ich Bonner heute einfach nicht.

  2. Frank Meyer sagt:

    Jeder macht sich Sorgen über das “fiscal cliff”. Aber es gibt ein noch größeres Kliff, das uns bevorsteht, und das ist das Kliff der Ansprüche.

    Das ist der Hauptsatz. Das Kliff der Ansprüche.

    • samy sagt:

      Hi,

      mir geht es darum das ich Angst habe, dass diese Krise irgendwann in den Geschichtsbüchern als eine Krise der Wohlfahrt eingeht. Dann hätten wir nichts gelernt, es sei denn, wir begreifen die Bankenrettungen usw. ebenfalls als Auswüchse des Wohlfahrtsstaates.
      Dann wäre ich wieder dabei. Gut, dann könnten wir auch über die Ansprüche der Wähler reden, der Tea Party usw..

      „Man zahlt die Leute dafür, dass sie nicht arbeiten. Und dann bekommt man viele von denen …“

      Was würde Bonner milde in Sachen Arbeitlosigkeit stimmen? Wie weit könnten die Arbeitslosen ihre Ansprüche in Sachen Lohn runter schrauben, um in Arbeit zu kommen, damit Produkte global abgesetzt werden können? Es gibt zuviele Billiglohnländer auf der Welt. Was geschieht denn, wenn ein Ami nur noch 1 Dollar pro Stunde verdienen würden? Das in einer Gesellschaft, die zu 2/3 von Konsum lebt? Kaum einer könnte sich die Mieten leisten. Der Häusermarkt bricht wieder zusammen. Ein Auto?

      Niedrige Löhne sind kein Geschäftsmodell! Sonst wäre Zimbabwe Exportweltmeister 🙂 Faire und relativ niedrige Löhne sind nur der Boden, nicht die Saat.

      Es gibt wahrscheinlich keine Lösung mehr. Der Anspruch auf eine schmerzfreie Lösung für seine eigene soziale Klasse, ja, der ist sicherlich futsch. Wenn die US-Politiker das wirklich nicht begreifen sollten, dann springen die Lemminge schneller als gedacht.

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