Tsunamiwarnung!

30. September 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Hannes Zipfel

Diejenigen, die sich beim Warten auf steigende Edelmetallpreise an das sprichwörtliche Warten auf Godot erinnert fühlen, sollten diese Zeilen aufmerksam lesen. Unverkennbar braut sich seit einigen Wochen ein perfekter Sturm für diese Welt zusammen. Ja, es benötigt offensichtlich eines wahren Schocks und ernster Panik, damit Gold und Silber ihre bleiernen Manipulatoren endlich abschütteln können und die Masse der Gutgläubigen wachgerüttelt wird.

Trotz permanenter Turbulenzen seit den Sommermonaten haben die Preise des edlen Alternativgeldes noch nicht nachhaltig reagiert. Noch wird jeder Ausbruchsversuch der Metallpreise vereitelt und retourniert. Noch kehrt immer wieder das Vertrauen der breiten Masse in eine rosige Zukunft zurück. Doch ein wahrer Tsunami, der das Vertrauen in die herrschende Klasse bis ins Mark erschüttern wird, rollt auf uns zu.

Ein Potpourri der jüngsten Schlagzeilen lässt einem schier das Blut in den Adern gefrieren:

+++ Immobilienpreise in Peking stürzen zum Vormonat um 30 Prozent ab

+++ die chinesische Regierung begrenzt Geldabhebungen an ausländischen Automaten wegen ausufernder Kapitalflucht

+++ der Wert des Rohstoffgiganten Glencore kollabiert an nur einem Tag um ein Drittel

+++ Russland gibt weltweit die Marschrichtung im Nahostkonflikt vor

+++ der größte Goldhasser der Welt (John Boehner, Sprecher des US-Repräsentantenhauses) tritt von seinem Amt zurück

+++ die erste Mieterin wird von der westfälischen Statd Nieheim am Rande des Teutoburger Waldes wegen Flüchtlingen aus ihrer Wohnung geworfen…

Was für ein Towabohu – und doch nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was uns im heißen Herbst dieses Jahres erwartet.

Vor einigen Jahren bereits sagte der geschätzte Kollege Thorsten Schulte (alias Der Silberjunge) einen Satz, der mir in diesen turbulenten Tagen wieder ins Bewusstsein fährt: „Die Notenbanken wollen zum Jagen getragen werden“. Halten Sie mich für verrückt, aber ich bin davon überzeugt, dass genau das gerade passiert.

Sieben Jahre sind vergangen, seit dem die Fiskal- und Geldpolitiker dieser Welt den letzten beinahe Bankrott des globalen Finanzsystems knapp abwenden konnten, mit hohen Kosten für die Allgemeinheit und einem extremen Imageschaden für die Bankenbranche.

Nun sind wir wieder dort angelangt, wo wir bereits im Herbst 2008 standen – am Vorabend einer Weltwirtschaftskrise. Überraschung! Wieder ist die Überschuldung der Grund für das Ende der Party. Dieses Mal hat sich die chinesische Privatverschuldung rasant aufgeblasen, um den Faktor drei schneller als die Amerikanische zu Zeiten Allen Greenspans. Das war das große Geheimnis hinter der „Konjunkturlokomotive“ China. Doch damit ist es nun vorbei. Es sei denn, man bedient sich erneut, wie schon 2008 ff., exzessiv der Notenpresse.

Aber wie soll man das dem Volk erklären? Wie kann man zugeben, dass die Geldpolitik gescheitert ist, dass die Banker noch krimineller agieren als zu Zeiten der Lehman-Krise und das Wachstum nur noch mit in Lichtgeschwindigkeit wachsenden Kreditbergen möglich ist? Richtig: gar nicht.

Stattdessen lässt man die Situation mehr oder weniger kontrolliert entgleisen und tritt dann als leuchtender Retter in der Not auf. Dieser Retter wird niemand geringeres sein als Ms. „ich erhöhe demnächst ganz bestimmt die Zinsen“ Yellen. Die Rettung wird in Form eines rekordgroßen Gelddruckprogrammes (QE4ever) daherkommen. Das glauben Sie nicht? Dann sei Ihnen gesagt, dass das Gerede von der Zinsnormalisierung seit zwei Jahren einfach zum Spiel dazu gehört.

Natürlich ist eine Zinswende in den USA absoluter Nonsens. Natürlich ist genau das Gegenteil geplant. Aber für die Kulisse muss das Märchen von der „Recovery“ nach der Krise aufrechterhalten werden – bis zur nächsten Krise. Das System selbst darf nicht in Frage gestellt werden. Außerdem war die FED gut beraten, ihre Karten verdeckt zu halten, damit die Spekulanten dieser Welt nicht mit einem Freifahrtschein und der Gewissheit der Notenpresse im Rücken darauf losspekulieren und das System durch exzessive Spekulationsblasen ins Wanken bringen. Die Gefahr bestand, die Aktienkurse sind seit 2009 stark gestiegen.

Jetzt aber wird die Zeit langsam knapp. Erzählt Janet Yellen das Märchen von der nahenden Zinswende zu oft und ohne Taten folgen zu lassen, verliert sie ihre Glaubwürdigkeit und einen Teil ihres Einflusses auf die Märkte. Aber seien Sie versichert, es wird keine Zinswende in den USA geben, weil:

1. Im neuralgischen Börsenmonat Oktober bei einer FOMC-Sitzung ohne anberaumte Pressekonferenz nicht nach neun Jahren das erste Mal die Zinsen in der wichtigsten Volkswirtschaft der Welt angehoben werden.

2. Im Dezember die Märkte relativ illiquide sind, da viele Marktteilnehmer ihre Chips kurz vor Jahresschluss bereits vom Tisch genommen haben.

3. Im Jahr 2016 in den USA der Präsident gewählt wird und die FED zur politischen Neutralität verpflichtet ist, was den Start einer Zinswende verbietet.

4. Die Zusammensetzung der in 2015 stimmberechtigten Mitglieder des beschlussfassenden Offenmarktausschusses gegen eine straffere Geldpolitik spricht (siehe Grafik)

Tsunamiwarnung

Natürlich bleiben die Überschuldung, die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie bei aktuellen Dollarständen und der Kollaps der Öl- und Gaspreise weiterhin die schlagendsten Gründe gegen eine Zinswende.

Momentan lässt die US-Notenbank das Überschuldungsdesasters in China mit nachfolgender Asien-Krise, den Exporteinbruch von US-Waren und Gütern sowie die heraufziehende Lateinamerikakrise einfach geschehen. Sie wartet auf das entscheidende Ereignis, das ihr die Legitimation für den erneuten und alternativlosen Einsatz der Notenpresse liefert: Einen Aktiencrash in den USA, den Sie aber mit Blick auf das Vertrauen nicht aktiv selbst herbeiführen darf. Sie lässt den Tsunami der platzenden Schuldenblase einfach gewähren und den Job für sie machen.

Dann passiert genau das, worauf die US-Notenbank immer wieder im Nebensatz ihres FOMC-Statements hingewiesen haben: „Wenn es die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Konditionen an den Finanzmärkten erfordern, können die Mitglieder des FOMC auch das Gegenteil einer geldpolitischen Straffung beschließen“.

Deshalb mein Rat an alle Ungeduldigen: den Spätsommer genießen und die Schnäppchenpreise bei Gold und Silber gelassen lächelnd zum Einkaufen nutzen.

P.S. Wenn Sie Hannes Zipfel live erleben und mitdiskutieren möchten, dann kommen Sie zu einer unserer kostenfreien Vortragsabende in Wiesbaden, München, Hamburg oder Hannover. Und am Freitag senden wir auf der Metallwoche den ersten von zwei Podcasts über das, was im Oktober passieren könnte, weil es der Frau Yellen und ihren Kollegen sehr in den Kram passen würde…

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8 Kommentare auf "Tsunamiwarnung!"

  1. Bobo sagt:

    Yellen holt wieder die Möhre raus. Erstaunlich dass das immer noch funktioniert

  2. toter_esel sagt:

    OK, aber was ist jetzt die Quintessenz? Dass die Zinsen nicht steigen und stattdessen QE4ever folgt? Mit Verlaub: was sonst?! Irgendeine Notenbank flutet immer die sog. Märkte.

    Ich glaube auch nicht, dass die Edelmetallpreise steigen werden, auch einen default und short-squeeze an der Comex wird man wieder zu verhindern wissen (MF Global). Das „frische“ Geld wird die Aktienmärkte erneut beflügeln und zu einem Kursfeuerwerk führen, die in Wahrheit Hyperinflation im „Familienkreis“ ist. Nur die, die wissen, wann die Musik aufhört zu spielen, kriegen einen Sitzplatz. Der Rest riskiert, alles zu verlieren. Bei einem echten sell-off werden Verkaufsorder gar nicht mehr ausgeführt, weil es keine Käufer gibt.

    „Deshalb mein Rat an alle Ungeduldigen: den Spätsommer genießen und die Schnäppchenpreise bei Gold und Silber gelassen lächelnd zum Einkaufen nutzen.“

    So ist es. Und es ist weitaus mehr als der Spatz in der Hand.

  3. Michael sagt:

    ForEver Drucken sagt der Name schon.

  4. astroman sagt:

    Wow, die Mietsache hatte ich noch nicht mitbekommen…

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article146825325/Fuer-Fluechtlinge-gekuendigt-Das-war-wie-ein-Tritt.html

    Das Wort „Apparatschik“ darf damit dann wohl zukünftig auch häufiger einmal in Deutschland bewusst angewendet werden. Kopfpauschale ist dann vermutlich des Bürgermeisters neues Geschäftsmodell für seine kleine Stadt. Soll die steuerzahlende Bürgerin, die den Quatsch mitfinanziert, halt woanders hinziehen oder den nutzlosen Köter weggeben.

    Der Fall eröffnet auch ganz neue Perspektiven für Mieter, die in kommunalem Eigentum wohnen… also: Auch Du Genossin und Genosse, immer schön flexibel bleiben und es nicht persönlich nehmen.

  5. Lickneeson sagt:

    „Wenn es die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Konditionen an den Finanzmärkten erfordern, können die Mitglieder des FOMC auch das Gegenteil einer geldpolitischen Straffung beschließen“.

    Also auf deutsch: Es regnet, oder auch nicht.

    Das peinliche Dauerthema um die elende FED und ihre nicht vorhandenen geldpolitischen Möglichkeiten ist leider seit Jahren zum Würgen. Auch die Manipulation um die Edlen Metalle wird im Netz heftig diskutiert. Bin gespannt, wann der Zauberlehrling endlich in Flammen aufgeht. Ernst nehmen kann ich die Figuren des globalen Theaters eh nicht mehr.

    Den Sozialismus in seinem Lauf – halten weder………

    MfG

  6. FDominicus sagt:

    Es erweist sich „mal wieder“:
    »Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur ob die Krise früher durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll, oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems kommen soll!«

    Es ist sicher noch Luft nach oben mit den Krediten da, die Bilanzen der Zentralbanken blähen sich aber schon sehr beachtlich auf. Das ist zumindest meiner Meinung nach einer der besten Indikatoren für Blut voraus.

  7. John Galt sagt:

    „Deshalb mein Rat an alle Ungeduldigen: den Spätsommer genießen und die Schnäppchenpreise bei Gold und Silber gelassen lächelnd zum Einkaufen nutzen.“

    Das ist der erste Schritt, der zweite ist die Nutzung der selbigen für einen möglichst immer grösser werdenden Teil des täglichen Zahlungsverkehrs (da ist extrem viel Luft nach oben). Denn es gibt schliesslich keinen Zwang zur Benutzung der Betrugssystemwährungen, auch keinen Annahmezwang! Wer’s nicht glaubt, kann mich ja anklicken.

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