Trumpflation & Kollektiver Hirntod?

6. Dezember 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Mack & Weise

Nach dem überraschenden Wahlsieg von D. Trump katapultierte die Hoffnung auf ein nahendes Konjunkturwunder nicht nur die Inflationserwartungen binnen weniger Tage steil in die Höhe, auch sind sich die „Märkte“ nun zu 100% sicher, dass die US-Notenbank am 14. Dezember eine Leitzinsanhebung verkünden wird.

inflationserwartungen

Exakt ein Jahr nach dem Einläuten der versprochenen „Zinswende“ kann die Fed den (längst überfälligen) nächsten Minizinsschritt nun nicht mehr – ohne einen kompletten Gesichtsverlust zu riskieren – hinausschieben, was angesichts der heutigen rekordhohen Verschuldungsstände jedoch nur mit hohen (unkalkulierbaren) Risiken für Wirtschaft und Finanzmärkte verbunden sein kann.

Wunder geschehen …

Vor der US-Wahl galt ein Wahlsieg Trumps als Horrorszenario für die Finanzmärkte, und kaum zeichnete sich die Niederlage der Börsenfavoritin H. Clinton ab, wurde das blanke Entsetzen darüber auch im S&P 500-Future sichtbar: „limit down“ (-5%)! Während aber die Aktienmärkte in Asien noch in Befürchtung eines kräftigen Börsenbebens mit deutlichen Verlusten schlossen (z. B. Nikkei -5,4%), sorgte ein … Wunder in höchster Not – urplötzlich anziehende US-Aktien-Futures – dafür, dass sich Gleiches in Europa und den USA nicht mehr abspielte.

Dass dieses 180-Grad-Wendewunder dann aber auch noch als Initialzündung für eine atemberaubende Kursrallye diente, welche die US-Aktienindices auf immer neue Rekordstände katapultierte, zeigt deutlich, dass die Börsen das Endstadium einer Hausse, wo nur noch „irrational exuberance“ und Euphorie die Kurse befeuern, erreicht haben könnten.

comex_papiergoldhandel

Gold, welches auf das Wahlereignis unmittelbar mit einem 5%-Kurssprung reagierte, verlor im Tagesverlauf sogar noch mehr als nur die zwischenzeitlichen Kursgewinne, setzten doch kurz vor dem Erreichen der 1.340 USD-Marke plötzlich massive, unlimitierte Comex-Papiergoldverkäufe zum „besten“ Tiefstpreis ein!? Je stärker die Inflationserwartungen im November anstiegen, desto intensiver wurden die „dumping“-Interventionen, was letztlich dazu führte, dass der Goldpreis vom Trump-Top gerechnet bis Ende November rund 12% verlor.

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Dass die „Finanzmärkte“ nun schon seit Jahren längst ad absurdum geführt worden sind, wurde selbst nach diesen selten gesehenen Kurskapriolen kaum thematisiert, doch ist dieser Fakt allein in den völlig irrwitzigen, prozentual zweistelligen Preisanstiegen von Kupfer (18-Monats-Hoch), Nickel (16-Monats-Hoch) oder Zink (6-Jahres-Hoch) in der Wahlwoche bestens sichtbar.

Selbst die nach der Wahl in der Hoffnung (!?) auf deutlich anziehende Inflationsraten weltweit nach oben schießenden Zinsen wurden (noch) achselzuckend zur Kenntnis genommen, obwohl die daraus resultierenden Anleihe-Kursverluste in Höhe von rund 1,7 Billionen USD nur als „Blutbad“ bezeichnet werden können.

Kollektiver Hirntod

Angesichts der im Zuge der Subprime-„Krisenbewältigung“ völlig aus dem Ruder gelaufenen US-Staatsverschuldung (12.2007: 9,23 Billionen USD – 11.2017: 19,95 Billionen USD!) zeugen die für die Kursfeuerwerke gelieferten Begründungen, Trump werde einerseits die Steuern drastisch senken und gleichzeitig mal eben ein die Staatsverschuldung weiter explodieren lassendes Ausgabenprogramm in Billionenhöhe initiieren, nur vom kollektiven Hirntod der Börsen-Kommentatoren. Realistisch betrachtet steht doch völlig außer Frage, dass auch ein Präsident Trump nur vor gigantischen, ja geradezu unlösbaren Finanzierungsproblemen stehen kann.

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Fondsmanager-Kommentar

Auch wenn die stete Manipulation der Edelmetallpreise (noch) relativ erfolgreich gelingt, so liefert das sich (weiter) verfestigende Inflationsszenario nun den letzten Grund dafür, verstärkt im Edelmetallsektor engagiert zu sein. Die Argumentation der „Experten“, dass steigende Zinsen grundsätzlich eine Gefahr für die (zinslosen) Geldmetalle Gold und Silber sein sollen, ist nicht nur – historisch belegbar – falsch, sie blendet auch die heute existenzielle Bedrohung steigender Zinsen für unser hoffnungslos überschuldetes Kreditgeldsystem komplett aus.
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