Trump wird US-Präsident: Was jetzt?

9. November 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Na, wen haben wir da? Nicht Frau Clinton als neue US-Präsidentin? Oh Wunder! Das ist ja fast wie Brexit! Der schmutzigste Wahlkampf aller Zeiten ist zu Ende. Amerika bleibt gespalten zurück… 

Eigentlich ist es noch zu früh, um seinen Senf zur US-Wahl abzugeben. Nein, wir wissen nicht, was jetzt kommt. Oder doch? Zumindest ist wieder mal das Undenkbare passiert: Trump wird neuer US-Präsident. Wir wissen nicht, was er von seinen Versprechen hält. Das hätten wir bei Clinton auch nicht gewusst. Vor einer Wahl und nach einer Jagd wird bekanntlich am meisten gelogen.

Ich habe dann doch mal den Fernseher eingeschaltet, nur um die Gesichter der Leute zu sehen. Schließlich war es doch klar, dass Clinton gewinnen wird. Wie konnten die Umfragen so irren? Okay, in der Politik passiert nichts zufällig. Und ich bin gespannt, wie jetzt die führenden Meinungsmacher in den Medien eine 180-Grad-Wende hinbekommen, also eine Wendehalspolitik einleiten, in der am Ende steht, sie hätten es immer schon gesagt. Haben wir nicht neulich noch gelesen, dass die Russen die Wahlkabinen hacken und manipulieren können.

Es hieß auch, die Anleger an den Börsen hofften auf Clinton. Die Welt weniger. Clinton stünde nämlich für Beständigkeit, dass es so weitergeht wie bislang. Wir wissen wirklich nicht, wer besser für die Welt ist. Wir wissen aber ansatzweise, welche Dinge Frau Hillary Clinton in ihrer Zeit als Außenministerin beschlossen und durchgesetzt hat. Wir wissen auch nicht, wie viel Blut damit indirekt an ihren Händen klebt, ahnen aber eine Menge davon. Eigentlich wissen wir nichts, nur dass Clintons Email-Verkehr vom FBI als nicht kriminell eingeschätzt wurde. Diese Entlastung kam kurz vor der Wahl. Und dabei wissen wir, dass in der Politik nichts passiert zufällig.

Nein, die Börse mag Clinton mögen. Doch wer ist die Börse? Hierzulande haben 90 Prozent der Leute nichts damit zu tun. Was interessiert sie diese Frau? Indirekt werden sie es zu merken bekommen, aber was?

Warum interessiert sich die Börse für diese Wahl? Es war eine solche zwischen Pest und Cholera, sagen nicht nur die Leute auf dem Parkett. Beide sind tödlich. Die Börse interessiert nur, ob es mehr Geld gibt oder weniger. Das weiß auch Trump. Wenn nicht, gibt es Probleme. Aber wen interessiert schon die Börse?

Der DAX fällt, der Dollar auch. Gold verteuert sich. Nun nehmen wir mal an, weil Trump so schlecht für die Börse sein soll, er kommt wirklich mit einem Zehn-Billionen-Programm heraus, zehn Billionen neue Schulden für Infrastruktur, Steuersenkungen, für sich und seine Kumpels. Meinen Sie nicht, dass darauf die Börse reagieren wird? Vielleicht steigt sie sogar schneller als mit Clinton? Fragen über Fragen.

Spannend wird es vor allem auf der politischen Ebene. Wäre das alles mit Clinton einfacher? Oder wird es das mit Trump schwieriger? Oder gar besser? Wir wissen das so wenig,  wie die Experten den Ausgang dieser Wahl prophezeiten, obwohl sie nichts wussten, aber so taten als ob. Schade um die verplemperte Zeit. 

Trump sei Pragmatiker, sagt man. Naja, nicht alle. Er versteht zumindest die Wirtschaft und deren Zusammenhänge. Er versteht auch, dass es ein Mehr vom Alten geben muss – mehr Schulden. Das wird den US-Dollar ruinieren. Außer die anderen Währungen fallen schneller als der US-Dollar. Die Papierwährungen sind alles Todgeweihte. Zwischendurch gibt es Interventionen. Die eine Währung trifft es früher, die andere später. Deshalb mein Rat, den Sie schon kennen: Schauen Sie auf den Preis von Gold in der jeweiligen Währung. Für Finanzmediziner zeigt dieses Kardiogramm den Gesundheitszustand des Patienten an.  

Oh, die arme Frau Yellen! Wird die FED-Chefin aus dem Amt gejagt? Kann sie im Dezember planmäßig die Zinsen anheben? Oder wer wird das dann lassen? Keine Ahnung! Dabei stecken Notenbank und Regierung immer unter einer Decke.

Was nach dieser schmutzigsten Wahlschlacht der Welt übrig bleibt, ist ein gespaltenes Amerika, ein Abbild dessen, wie es wirklich dort schon lange aussieht. Nur sichtbar jetzt. Die einen wollen, dass es so weitergeht. Die anderen hofften auf das Gegenteil. Nach der Wahl werden die Amerikaner nicht das bekommen, was sie wollten, sondern irgendwann auch das, was sie verdienen. Nur das weiß auch niemand. Gehen Sie davon aus, dass alles, was bis heute gesagt und geschrieben wurde, eine Lüge war. Es wird nicht besser oder schlechter. Es wird jetzt anders.

 

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10 Kommentare auf "Trump wird US-Präsident: Was jetzt?"

  1. Gerr Hott sagt:

    Eigentlich schade, dass der Wahlkampf vorbei ist. Es war so schön anzusehen, wie unsere Qualitätspresse selbst hier versucht hat, die Heilige Mutter Gottes bzw. zumindest Mutter Theresa auf den Thron zu heben. Jeden Tag dachte ich, das Niveau ist so tief im Keller, dass es nicht mehr sinken kann. Und dann jeden Tag die Erkenntnis: Es geht noch tiefer. Gestern im Kölner Express die Titelzeile: Bitte wählt nicht den Horrorclown. Diese Art Herabsetzung habe ich dieses Jahr nur beim russischen Präsidenten gesehen. Der hat vermutlich dafür gesorgt, dass Donald Präsident wird. Man munkelt ja, dass die Konstellation zu einer Entspannung der Beziehungen führen kann. Von daher mal abwarten, ob aus Mutter Theresas Ecke die Wahl mit Verweis auf ein Eingreifen Russlands angefochten wird. Unsere Kanzlerin befürchtet ja schon Ähnliches für die Wahl 2017. Sie baut sicherlich vor, um die Finanzmärkte nicht zu erschüttern. Wenn Ihr wissen wollt, wie es mit uns weitergeht, dann schaut doch mal nach Idiocracy auf einem beliebten Medienportal. Ich denke nicht, dass das noch 500 Jahre hin ist, ich tippe auf ca. 100 Jenner…

  2. cubus53 sagt:

    Ob Trump ein „guter“ oder „schlechter“ Präsdient wird, wird sich in der Zukunft zeigen. Auf jeden Fall ist dessen Wahl ein Schlag ins Gesicht der politischen „Elite“, sowohl in den USA als auch in der EU. Und das finde ich gut so. Die nächste Ohrfeige kann sich die Elite mit der Wahl in Frankreich abholen. Und Herr Kretschmann kann mit Frau Merkel vorher noch mal gemeinsam Weihnachtslieder singen, mehr aber auch nicht.

  3. bluestar sagt:

    Klasse Artikel, vielen Dank !!!
    Das Schmierentheater ist nun erst einmal unterbrochen und dumme Gesichter bei den EU- Eliten sowie in den Abschreibstuben der deutschen Mainstreammedien sind garantiert.
    Das die reale Macht nicht beim Präsidenten liegt wissen wir alle, trotzdem scheint es die US-Gesellschaft durchzurütteln, die Leute haben sich klar gegen das Establishment entschieden.
    Mal sehen was von den ganzen Wahlkampfversprechungen übrigbleibt, ich vermute mehr Schulden, Rüstungsausgaben und Protektionismus.
    Trump ist Unternehmer, Patriarch, hat eine große Familie und mag schöne Dinge, das lässt zumindest auf den Erhalt des Weltfriedens hoffen…

  4. Argonautiker sagt:

    Es ist ähnlich wie bei den daily soaps, da werden auch gerne extreme gecasted, damit genügend Konfliktpotential vorhanden ist. Der Sinn dahinter ist, daß es möglichst viele Ausrutscher und Flätigkeiten gibt, denn wie es Zeitungen und Medien wissen, bringt das Zuschauer und Leser.

    Es ist erstaunlich, daß die Menschen sich immer wieder fangen lassen und an was für Typen sie ihre Stimme abgeben. Hätten sich die meisten Amerikaner geweigert einen der Multiply Choice Kandidaten anzunehmen, dann hätte ich Mut geschöpft, und es für möglich gehalten, daß sich wirklich etwas ändert.

    Da sich das Volk jedoch Medial hat fangen lassen, und sich entweder mir einer weißwestigen notorischen Lügnerin und Mörderin, oder einem kumpelhaft narzißtischen Multimilliardär identifiziert, der nicht durch Mitmenschlichkeit zu seinem Reichtum gekommen ist, macht es wieder deutlich, das Volk wählt und wählt und wählt seine Peiniger immer wieder selbst.

    Der Einen hätten sie ihre weiße Weste geglaubt, und dem Anderen glauben sie, daß er die Werte besser an die Vergessenen verteilen wird.

    Trotz alledem ist es natürlich für ein Europa, welches sich durch Merkel so einseitig zur USA gewand hat und sich durch diese zur Speerspitze gegen den Osten hat machen lassen, eine Katastrophe. Was wenn der Starke Freund nun wie angekündigt wirklich seine militärisch schützende Hand zurückzieht und Europa als großmäuligen aber gebisslosen Handlanger entlarvt? Und was wenn genau das schon immer der Plan gewesen ist?

    Ich habe mich im vorpubertären Alter, einmal im Leben von einer Starken Gruppe gegen Andere, mir eigentlich Überlegene Gegner, zur Großmäuligkeit verleiten lassen. „Mach nur, wir stehen hinter Dir“, haben sie gesagt. Um es kurz zu machen, es war keine gute Idee.

    Vielen Dank auch Frau Merkel. Es hat schon auch Vorteile, wenn man sich als Knabe zu prügeln gelernt hat. Man lernt die grundlegenden Dinge des Kampfes. Ich glaube es gibt nicht genügend Hals um ein ausreichendes Wendehals Manöver hinzulegen, um all das glatt zu bügeln, was es glatt zu bügeln gäbe, um da ohne Blessuren raus zu kommen.

    Erdogan und Putin dürften gerade Purzelbäume vor Freude schlagen. Mal sehen, was man uns in nächster Zeit für Kröten zum Schlucken anbieten wird.

  5. FDominicus sagt:

    Vor der Wahl hielt ich noch fest:
    Ich habe herausbekommen, daß man bei weitem keine 50 % braucht um Präsident der USA zu werden es sieht so aus als ob 47 – 48 % schon ausreichten. Im Gegensatz zu den Zahlen in der dt. und us-amerikanischen Presse, gehe ich davon aus, daß Trump mehr Stimmen bekommen wird als Frau Clinton. Ich fand zu den Vorhersagen u.a. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/571903/umfrage/us-wahl-trump-vs-clinton-umfragewerte-in-den-usa/

    Also Frau Clinton soll > 47 % bekommen. Ich persönlich drehe die Zahlen für Herrn Trump und Frau Clinton. Herr Trump wird eher > 47 % bekommen als Frau Clinton. Wahrscheinlichkeit dafür für mich um die 55 – 57 %. Ich denke inzwischen das Ergebnis wird als „überraschend“ dargestellt werden. Ich gehe nicht mehr davon aus, daß die Befragten auf die Frage nach Ihrem Wahlverhalten die Wahrheit sagen werden. Ich denke viele werden erst mal gar nicht antworten und bei denen die Antworten geben ca 10 % falsche Daten an. Somit denke ich, sind die Zahlen für Frau Clinton auf jede nur erdenliche Art geschönt worden. In etwa einer Woche werden wir es wissen…

    Ich kann dazu nur ein Buch empfehlen. „superforcasting“ oder so. Dort wurde mir die Anregung gegeben meine Vorhersagen mit Zahlen zu untermauern. Probiere Sie es mal aus, es ist gar nicht so einfach wie es aussieht. In diesem Fall lag ich richtig beim BREXIT falsch. Ich hatte damals zu sehr die Befürchtung, daß bei mir der Wunsch der Vater des Gedanken war. Diesmal hab ich mich an dem orientiert was ich hier so festhielt. Ich bezweifele inzwischen sehr stark, daß Befragte mehrheitlich aussagen und die Wahrheit sagen. Ich denke diejenigen die Trump wählen wollten, haben mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht geantwortet. Ich kann mir vorstellen die Leute sind inzwischen doch eher über die einseitige Presse verärgert…

  6. dork sagt:

    Das beste Zeichen für die USA wäre eine WAhlbeteiligung von 10% oder 90% ungültige Stimmen gewesen …. aber das ist utopisch, zumal selbst bei nur einer abgegebenen gültigen Stimme der glückliche Gewinner vermeldet hätte, es stünden 100% des Volkes hinter ihm.
    Ein „weiter so“ mit Clinton wäre keine Verbesserung gewesen … Siechtum, Krieg, Umverteilung wären damit weitergegangen. Vielleicht geht das auch unter Trump weiter, aber es ist auf einmal eine neue Karte im Spiel …. und sorgt evtl. für keinen guten Wind, aber zumindest einen anderen Wind.

  7. Aristide sagt:

    Clinton wird nicht Präsident – und das ist gut so, denn das einzige öffentliche Gebäude in dem ich sie gerne sehen würde, ist nicht das Weiße Haus, sondern ein Bundesgefängnis. 😉

  8. Avantgarde sagt:

    Tja – das ist schon eine Frechheit, daß die Amis nicht so gewählt haben wie es unsere Flüchtlingskanzlerin für richtig gehalten hätte.
    Und dabei haben unsere Medien doch alles so gut erklärt.
    Leider nur in deutsch – und das verstehen die Amis halt nicht.
    Klar die sind ja auch dumm und rassistisch wie man jetzt herausgefunden hat – ach so, natürlich nicht alle, nur die Weißen.
    🙂

    • bluestar sagt:

      Sehr schön geschrieben.
      Aber auch Englisch können die wohl nicht verstehen, denn die Medien in Übersee hatten ja klar die Richtung vorgegeben und sehr gut umfassend aufgeklärt. Naja, weiße Unterschichten sind nicht nur rassistisch sondern mittlerweile wohl auch Analphabeten…

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