Trump s Triumph – Niederlage des US-Establishments und der Neocons

9. November 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Folker Hellmeyer

Selbstüberschätzung kommt vor dem Fall. Anders kann man die US-Wahl für das US-Establishment, für die US-Mainstreammedien und den Club der dominanten Neokonservativen nicht interpretieren.

Die über Jahrzehnte andauernde Erosion des US-Mittelstands und die daraus resultierende Verschuldung des Mittelstands zu Gunsten der obwaltenden US-Eliten ist ein entscheidender Faktor für diese Wahlentscheidung, die fraglos keine Liebesbeziehung zwischen Wähler und Trump darstellt.

Daraus zu schlussfolgern, dass es sich lediglich um eine Protestwahl handelt, griffe jedoch zu kurz. Das Wort „Change“, das vor acht Jahren beflügelte, war schlussendlich zu inhaltsleer.

Gute statistische US-Wirtschaftsindikatoren, die zu großen Teilen Papiertiger waren, die an dieser Stelle immer wieder thematisiert wurden, um medial laut ignoriert zu werden, konnten die Menschen nicht überzeugen, da Papiertiger weder ernähren können (43,4 Mio. Food-Stamps!) oder Kredite bezahlen helfen.

Die Fortsetzung einer Regime-Change Politik der Bush-Ära durch Obama hat der Welt definitiv nicht mehr Frieden geliefert und vielen amerikanischen Familien Leid zugefügt. Die Menschen in den USA sind ob dieser Politikansätze in den USA erschöpft.

Das Versprechen von Trump, Dinge anders zu machen, hat verfangen. Dabei steht implizit die Frage im Raum, welche Rolle die USA mit nur noch 16% Anteil an der Weltwirtschaft bei weiter abnehmender Tendenz spielen können.

Trump steht für eine Selbstbesinnung auf die USA.

Das ist eine Kampfansage an so genannte Freihandelsabkommen, so steht damit TPP vor dem Aus. Das NAFTA-Abkommen soll neu verhandelt werden. TTIP dürfte nicht auf der Agenda eines Präsidenten Trump stehen.

Damit wird die Globalisierung bezüglich der Rolle der USA temporär gebremst. Das mag gut sein, damit die davon betroffenen Menschen Atem schöpfen können.

Geht es um die Interessen der Eliten (Ansatz Oligarchie) oder Menschen (Ansatz Humanismus)? Ging es bei den so genannten Freihandelsabkommen eigentlich wirklich um Freihandel oder eine Form der Geopolitik der Neokonservativen? Wir sind auf Ihre Antworten gespannt?

Für die neokonservativen Kreise, die das politische Geschäft der USA seit Jahren dominierten, stellt diese neue politische Konstellation eine markante Herausforderung dar. Eine Fortsetzung der Regime-Change-Politik könnte mit Trump unterbunden werden. Mehr Augenhöhe gegenüber anderen Ländern und faire Interessenausgleiche könnten den Weltfrieden stärken und Flüchtlingsströme verhindern helfen.

Auch über Banken muss man reden. Nachdem dem Frank-Dodd Act alle Zähne gezogen wurden, steht Trump für eine scharfe Regulierung der Großbanken. Glass Steagall steht wieder im Raum. Nachdem es in Washington zuletzt hieß, dass die Großbanken nicht nur „too big to fail“, sondern auch „too big to jail“ sind, ist hier Augenhöhe zwischen der haftenden US-Gesellschaft und dem Finanzsektor für eine gedeihliche Zukunft der US-Ökonomie zwingend erforderlich, nicht nur dort übrigens!

Fazit:

Die Mainstreammedien und die westlichen Politikeliten haben Trump verurteilt, sie haben auch begründete Vorwürfe erhoben, keine Frage.

Sie sind aber nie kritisch mit der Situation in den USA, dem Establishment oder den Neocons umgegangen, die die Phänomene Trump und Sanders gebaren.

Der solitäre Blick auf die Risiken, die mit Trump einhergehen, ist unangebracht. Der Strauß an Chancen ist erheblich!
© Folker Hellmeyer – Auszug aus dem Forex-Marktreport der Bremer Landesbank

 

5 Kommentare auf "Trump s Triumph – Niederlage des US-Establishments und der Neocons"

  1. bluestar sagt:

    Deutschland mit seiner fetten Blase aus Blockparteien, Staatsmedien, DDR-Presse, Elitenfilz, Realitätsverweigerern, Kriegstreibern, Antideutschen, Ideologen und Massen an Schlafschafen wird den Anschluss an zukünftige Entwicklungen sicher und alternativlos verschlafen, da bin ich mir fast sicher.
    Kritische Analysen zu den Ereignissen Brexit und Trump ? Ich bitte um Rücksicht auf begrenzte geistige Flexibilität in Einheit mit unbeugsamen Willen zum Machterhalt um jeden Preis. Ein „weiter so, nun erst recht“ ist hier wohl eher zu erwarten, immerhin sind ja auch 60 % der Deutschen mit der Regierungsarbeit zufrieden. Oder kann man hier auch auf manipulierte Umfragen wie in den USA hoffen ? Nächstes Jahr kommt der Tag der Wahrheit.

  2. Aristide sagt:

    So, Trump hat gewonnen und entgegen allen Prognosen ist die Börse nicht zusammengebrochen, der Dollar nicht auf Null gefallen, der 3. Weltkrieg nicht ausgebrochen und die apokalyptischen Reiter sind auch nicht erschienen. Soviel zur Panikmache der sogenannten „Qualitätsmedien“.
    Was Trumps Wahlprogramm angeht: Da findet sich einiges Interessantes.

    Freihandel ist grundsätzlich eine gute Sache. Aber ich frage mich, warum die TTIP-, CETA-, etc.-Verhandlungen dann so geheim abgelaufen sind, dass nicht einmal die Volksvertreter der Länder, die es betrifft, uneingeschränkten Zugriff auf die Vertragstexte bekamen? Wozu bedarf es quasi geheimer, privater Sondergerichte, um Streitigkeiten zu regeln? Aus gutem Grund sind Gerichtsverfahren in demokratischen Ländern i.d.R. öffentlich. So drängt sich zwangsläufig der Verdacht auf, dass vor allem die Interessen von Oligarchie, Herrschenden, Großindustrie geschützt werden sollen.

    Die amerikanische Außenpolitik hat in den vergangenen 25 Jahren einen Krieg nach dem anderen vom Zaun gebrochen ohne dass irgendwas besser geworden ist. Etwas Isolationismus täte vielleicht ganz gut.

    Besonders interessant war eine Begründung warum man illegale Einwanderer dulden müsse: Weil sonst unangenehme, minderwertige Arbeiten nicht mehr so billig erledigt würden und die halbe Wirtschaft zusammenbräche. Entlarvend: Höhere Mindestlöhne kann man natürlich leicht fordern, wenn man weiß, dass man billige Illegale hat, die den unterlaufen. Höhere Löhne lassen sich sicher eher realisieren, wenn man die illegalen Lohndrücker abschiebt.

    Trump trat damit an den Sumpf (in Washington D.C.) trocken zu legen. Offenbar gibt es in Washington einen sehr tiefen Sumpf, zumindest zeigt der Stimmanteil für Clinton von fast 93% dass die Sumpflebewesen dort in Panik sind ;-).

    Nun gut, jetzt hat er vier Jahre Zeit, um zu liefern. Weniger als Obama kann es ja kaum werden.

  3. Frank Frei sagt:

    „Das Versprechen von Trump, Dinge anders zu machen, hat verfangen.“
    Der scheidende US Präsident hat genau mit diesem Motto zuletzt die Wahlen gewonnen. Er wollte einen „Change“ machen. Die Wähler haben ihm geglaubt. Was ist aus Obamas Change Versprechen geworden? Ich bin weder Pro Hillary, noch Pro Trump. Denn meiner Meinung sind beide je eine Seite derselben Medaille. Nichts wird sich für die breite Masse verbessern, sondern es wird sich weiter verschlechtern. Bis zur nächsten Wahl, wo dann ein neuer „Messias“ blockflötend voranschreited.

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