Trichets Gespür für Inflation

16. Januar 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Nein, das Hochwasser hat die Frankfurter EZB-Zentrale nicht weggespült. Dafür sorgte sie anderweitig für Erregung. Hausherr Jean-Claude Trichet hat urplötzlich Inflation gesehen und will diese genau beobachten. Der Autor dieser Zeilen hat deshalb nur kurz Zeit für einen kurzen Kommentar.

In Kürze steigen nämlich die Preise, was kürzlich niemand erwartet hatte. Ich bin mal kurz weg zum Einkaufen, bevor es in Kürze teurer wird. Trichet wird durch umfangreiche Zahlenwerke auf die Sache gestoßen sein. Vielleicht muss er wegen seines Arbeitspensums nie selbst einkaufen, im Gegensatz zu den Leuten im realen Leben. Für sie ist Teuerung kein Fremdwort.

Im Großhandel sind die Preise schon deutlich angestiegen. Werden die großen Händler auf diesen Zusatzkosten sitzen bleiben? Wohl kaum. Sie geben diese an die Verbraucher weiter, die gerade kaufwütig sein sollen. Übrigens sind die Verbraucherpreise im letzten Jahr um 1,1 Prozent gestiegen. Wie? Gefühlt ist das anders.

Mit dem Zinssatz bestimmt die EZB den Preis für Geld, das sich Banken bei ihr ausleihen. Haben sie es, geben sie ein Vielfaches davon als Kredite heraus. So geht Bank heute. Meist klappt es dann auch mit Aufschwung und Wachstum – sollte es jedenfalls. Und notfalls hilft der Staat etwas nach. An der Börse sagt man, dass in einem See voller Geld jedes Boot steigt. Und später steigen dann auch die Preise für Alltägliches. Das ist Aufschwung. Es sieht dann so aus, als käme alles wieder in Ordnung. Kommt es aber nicht. Trotzdem, vielen Dank für den Tipp, Herr Trichet. Ich muss Schluss machen. Die Flut kommt.

©Frank Meyer, 16.01.2011 (Kolumne aus den Lübecker Nachrichten)

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5 Kommentare auf "Trichets Gespür für Inflation"

  1. JayJay sagt:

    Oh, ja ist schon beängstigend, das mit einmal auch die Herren der EZB die Inflation sehen (Ironie aus) man fragt sich wirklich immer wieder, wie die Herren ihre Inflationsrate berechnen, mit jeder Menge Zahlentricks sicherlich. Aber das sollte ja bekannt sein. Der normalsterbliche Verbraucher sieht es jeden Tag beim Einkauf im Supermarkt oder an der Tanke, wo der Hase läuft. Naja, warten wir mal ab, ob die Herren wirklich so konsequent sind und die Inflation auch bekämpfen. Ich denke er nicht, man wird sie zu lassen.
    Gold & Silber Ahoi

  2. wolfswurt sagt:

    Es muß am Geisteszustand jener Damen und Herren gezweifelt werden, die per Klick die Geldmenge ohne jede Leistung vermehren und dann sich über das Resultat, Preissteigerungen, vorgeben Sorgen machen zu müssen.

    Ich warte auf den Tag an dem eine Antilope einem Löwen vom Himmel vors Maul fällt und er, nachdem er sie gefressen hat das rennen anfängt.

    Verrückt kommt von ver-rückt.

  3. EuroTanic sagt:

    Trichet hat heute gemerkt, dass es Inflation gibt seit es die Gelddrucker gibt. Der Mann ist qualifiziert. 😀

  4. bigpuster sagt:

    Inflation gibt es seit Jahren. Es ist die Teuerung worüber wir uns unterhalten. Angesichts dessen, dass selbst die EZB die Begriffe vermengt, mag es haarspalterisch sein. Es ist jedoch nicht unwichtig zu klären worüber wir uns unterhalten. Die Inflation als solches sollte ürigens deutlich höher sein.

    • holger sagt:

      Genau richtig.

      Über eine Inflation/Deflation kann man sich erst unterhalten, wenn kein Wechselkursverhältnis zB EUR/USD mehr besteht. Und es nur eine Weltwährung geben würde. Das Problem bei der Definition besteht darin, dass ca. 90% der Güter in USD verrechnet werden. Und nun kommt es auf den Wechselkurs darauf an, ob wir in DE nun den Import teurer oder billiger einkaufen. Vollkommen unbhängig von der Geldmenge. Wenn der Euro im Verhältnis zum USD wieder auf zB 1,6 steigen sollte, und das Crudeoil auf 60 USD/Barrel fallen sollte, dann haben wir noch lange keine Deflation, selbst wenn man das Heizöl oder den Sprit wieder günstiger bekommt. Selbst wenn die Steuern um 50% wegfallen würden, und die Produkte dafür günstiger zu haben sind, haben wir keine Deflation und auch keine Inflation im umgekehrten Fall. Die Geldmenge ist so exorbitant gestiegen, seit 1986, da weiss ich nicht, ob die Begriffe Inflation/Deflation, ihrer Sache nach, noch gerecht werden. Ich bleibe dabei, auch der schönste modellierte Begriff kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um den realen Kaufkraftverlust im Volke handelt. Der momentan, bei gleichen Verhältnissen, ausgeglichen werden kann, entweder a) das persönliche Defizit durch Verschuldung auszugleichen, oder b) den Arbeitsplatz wechseln zu können, wo man mehr verdient, oder c) sich einen dritt und viert Job auf 400 Euro Basis zu besorgen, oder d) seinen „Anlageberater“ wechseln und auf mehr Rendite hoffen.

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