Treppe abwärts…

25. April 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Man muss kein Experte sein, um zu sehen, dass billiges Geld die erhoffte Wirkung immer deutlicher verfehlt. Börsianer können ziemlich stur sein. Ein Blick nach Japan zeigt das…

Börsianer können ziemlich stur sein. Oder vielleicht sollte man besser von Dummheit sprechen, wenn uns einige Kollegen (immer noch) weismachen wollen, Japan sei der beste Beweis dafür, dass die Geldpolitik der Notenbanken ein voller Erfolg sei.

Tatsächlich trifft das genaue Gegenteil zu:

In Japan lässt sich anschaulich studieren, was auf die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren zukommen wird: Trotz einer bespiellosen Geldflut ist die fundamentale Entwicklung des Landes bestenfalls als Stillstand zu bezeichnen. Konkret präsentiert sich die Lage folgendermaßen:

Seit Bekanntgabe eines Programms zur „Quantitativen Lockerung“ (QE) in Höhe von 1,4 Billionen US-Dollar durch die Bank von Japan vor genau einem Jahr, nebenbei bemerkt der größten Geldflut der Menschheitsgeschichte, ist folgendes passiert:

Die Wirtschaftsleistung Japans legte zwei Quartale lang zu, bevor sie wieder in sich zusammenfiel. Die Preise kletterten neun Monate in Folge. Die japanischen Lebenshaltungskosten erreichten kürzlich ein Fünfjahreshoch.

Gleichzeitig sanken die Ausgaben der Privathaushalte im Jahresvergleich real um 2,5 Prozent.

Der Yen taumelte um atemberaubende 25 Prozent in die Tiefe. Dennoch entwickeln sich die Exporte „unerwartet schwach“. Japan hangelt sich von einem Rekord-Außenhandelsdefizit zum nächsten.

Fast 80 Prozent der Japaner haben mittlerweile den Eindruck, dass sich der Zustand der japanischen Wirtschaft verschlechtert.

Dies alles wohlgemerkt vor dem Hintergrund einer Geldorgie, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Ursprünglicher Zweck der Veranstaltung war es, Japan aus einer jahrzehntelangen Deflationsspirale zu befreien und die Wirtschaft anzukurbeln.

An der Börse hat das trübe Zahlenwerk nun dazu geführt, dass der Nikkei225 entgegen der vollmundigen Prognosen sogenannter Experten einfach nicht von der Stelle kommt. Im April 2014 notiert der Index in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Und: Wer genau hinsieht, der erkennt, dass sich hier gerade eine „Treppe abwärts“ herausbildet.

Dazu die beiden folgenden Abbildungen. Auf dem Point & Figure Chart liegt das Kursziel für den japanischen Aktienmarkt (vorerst) bei 12.600 Punkten. Das entspricht einem weiteren Abschlag zum Freitagsschlusskurs in Höhe von fast 13 Prozent.

NIKK PF - WK 24-04-2014

Die beginnende Abwärtstreppe des Nikkei225 zeigt sich sinnigerweise bei der Betrachtung in der japanischen Kerzencharttechnik:

Nikkei Treppe abwärts JPG

Erschwerend kommt hinzu, dass der gleitende 50-Tage-Durchschnitt (blau) die langfristig bedeutende 200-Tage-Linie (rot) vor wenigen Tagen von oben nach unten durchkreuzt hat. Damit ist ein langfristiges Verkaufssignal entstanden.

Noch braucht man einen scharfen Blick, um das zu erkennen, aber das wird sich ändern. Achten Sie auf die blaue Markierung in der Abbildung oben.

Um es auf den Punkt zu bringen. Die noch vor Jahresfrist mit viel Brimborium gefeierten „Abenomics“ sind gescheitert. Bei aller Bescheidenheit: Wir haben das an dieser Stelle und völlig konträr zum Mainstream vor ziemlich genau einem Jahr exakt so angekündigt.

Unsere Kommentare haben uns seinerzeit jede Menge Hohn und Spott eingebracht. Dabei hätte es genügt, wenn all die Schlaumeier einfach nur ihren gesunden Menschenverstand eingeschaltet hätten, anstatt die blumigen Prognosen diverser Banken nachzuplappern: Dass die Wirkung des billigen Geldes immer deutlicher nachlässt, das war schon damals klar zu erkennen. Und übrigens nicht nur in Japan…

Was wir daraus lernen können, wenn wir denn etwas lernen wollten?

Es ist vollkommen sinnlos, eine darbende Wirtschaft mit immer mehr Geld zu fluten. Auch eine Abwärtstreppe an den Börsen lässt sich damit nicht verhindern. Behalten Sie das im Hinterkopf, auch mit Blick auf DAX und Dow Jones.

Den Notenbanken wird diese Erkenntnis freilich nicht besonders gut gefallen. Und sie würden das natürlich auch niemals so formulieren.

Aber es kann ja nicht schaden, auf diese Zusammenhänge hinzuweisen, damit sich jeder Leser seinen eigenen Reim auf die „Rettungspolitik“ dieser Leute machen kann, die in Europa spätestens nach den Wahlen Ende Mai wieder fröhliche Urstände feiern wird…

Und noch etwas kann man daraus lernen: Nur selber denken macht schlau…

Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief


 

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