Transparenz ja, aber nur bei Euch!

30. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Geht es Abgeordnetenwatch wegen „allumfassenden Fragen“ an die Abgeordneten bald an den Kragen? Erste Forderungen werden laut. Von wem? Von Marianne Schieder, einer Politikerin…

von Bankhaus Rott

Die Plattform Abgeordnetenwatch ist eine feine Sache. Bürger können sich direkt an Parlamentarier wenden und können auch durch das Lesen der Antworten im Zeitverlauf feststellen, wo eher heiße Luft und wo eher Verantwortungsbewusstsein zu finden sind. Nun ist Transparenz zahrleichen Repräsentanten ein Dorn im Auge, denn das Antworten kostet Zeit, die dann z.B. für Nebentätigkeiten fehlt. Um so erstaunlicher waren daher die Aussagen einer Politikerin aus der siebten Reihe,die Plattform sollte „dringend überprüft werden“. Andere Abgeordnete seien ebenfalls dieser Meinung.Will man der Plattform ans Leder?

Als Grund nannte die Abgeordnete Marianne Schieder laut Telepolis (heise.de), dass dort häufig „allumfassende Fragen“ gestellt würden, die aufwändig zu beantworten seien. Nun ist Frau Schieder nicht eben für ihre zahlreichen Aufsichtsratsmandate bekannt, sie sitzt scheinbar nicht in diesen Gremien. Regieren und Entscheidungen treffen wäre aber vermutlich etwas leichter, wenn nicht ständig so schwierige „allumfassende Fragen“ gestellt würden. In Zeiten in denen die „Duchsetzung einer Flugverkehrszone“ mehr oder weniger gleichgesetzt wird mit einer dauerhaften Bombardierung eines ganzen Landes, sollte man aber unsere Meinung nach über „allumfassende“ Fragen nicht sonderlich überrascht sein. Zudem wird ja niemand dazu gezwungen, den anstrengenden Abgeordnetenjob wahrzunehmen, diese Tätigkeit ist ebenso freiwillig, wie die Vergabe von Krediten durch eine Bank an Griechenland. Tu was Du für richtig hältst aber trage auch die Folgen.

Viele Parlamentarier verweisen auf ihr Büro als Anlaufstelle, dabei hat die öffentlich einsehbare Beantwortung relevanter Fragen durchaus den Vorteil, nicht jede Frage einzeln beantworten zu müssen. Vielleicht liegt die Scheu ja eher in der Nachvollziehbarkeit der Antworten im Zeitverlauf begründet. Das Internet vergisst bekanntermaßen wenig, und ein lapidares „habe ich nie gesagt“ hilft da wenig. Angesichts der zahlreichen Fälle von Gedächtnisverlust, die viele Manager plagen, kann so eine kleine Gedächtnisstütze ein nützliches Helferlein sein!

Wir halten die Plattform für ein sehr erhaltenswertes Medium, lassen sich so doch auch Meinungen im Zeitverlauf beobachten. Ein Verteter einer Partei, die fälschlicherweise noch das Wort „liberal“ im Namen trägt,schrieb dort unlängst:

(Abgeordnetenwatch.de) Generell jedoch sehe ich keine realistische Alternative zu den derzeitigen Unterstützungsmaßnahmen für Griechenland. Hätte Europa nicht gehandelt, stünde die gemeinsame Währung zur Disposition, ganz zu schweigen davon, dass ein unkontrollierbarer Dominoeffekt gedroht hätte, der auch große Länder wie Spanien oder Italien hätte erfassen können. Der Präsident der EZB, Herr Trichet, hat darauf hingewiesen. Die Folgen wären verheerend gewesen – auch für Deutschland, das zu den Hauptprofiteuren des Euro zählt.

Immer wieder schön sind Formulierungen wie der oben zu findende Hinweis auf Herrn Trichet. Wie ein kleines Kind wird hier Bestätigung gesucht und Verantwortung auf den EZB Chef übertragen.Was ist nun die treffendere Bezeichnung: Junge Wilde oder Junge Feiglinge? Sei es, wie es ist, sich auf einen Zentralbankchef zu berufen, der mit der Umsetzung der Anleihekäufe durch die Zentralbank einen Bruch des europäischen Rechts zu verantworten hat, bringt Lesern und Leserinnen einen freien Blick auf das neue Demokratieverständnis.

Besuchen Sie Abgeordnetenwatch.de solange es noch nicht abgeschafft wird, und suchen Sie Abgeordnete aus Ihrer Region! Aber obacht: Sie müssen Hartnäckigkeit an den Tag legen! Falls Sie direkte Fragen an die Dame haben, die eine „dringende Überprüfung“ der Seite will, dann geht es hier weiter!

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3 Kommentare auf "Transparenz ja, aber nur bei Euch!"

  1. wolfswurt sagt:

    In einer Demokratie wählt Masse Massendurchschnitt nach oben.
    Insofern ist die Beantwortung von Fragen einiger über dem Massendurchschnitt liegender unmöglich.

  2. Waldfee sagt:

    Danke für den Hinweis auf Frau Schieder,

    ich habe da gleich mal nachgehakt.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo Waldfee!

      Da wir nicht davon ausgehen, dass sie auf der Plattform Abgeordnetenwatch von der genannten Politikerin eine Antwort bekommen, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie uns über den Fortgang auf dem laufenden halten.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

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