Totengedenken an den Zins

22. November 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Am Totensonntag zünde ich immer ein paar Kerzen an und gedenke denen, die mir lieb und teuer waren. Jetzt brennt auch eine Kerze für die Zinsen. Sie starben einen langen Tod ohne Chancen auf Wiederauferstehung…

Das waren Zeiten, als es noch Zinsen für Erspartes gab… Heute bringen 1.000 Euro, wenn man es clever angeht, noch drei Euro Zinsen im Jahr. Im nächsten Jahr zahlt man für Erspartes vielleicht schon drauf, wenn Strafzinsen die Runde machen. Dann gibt es Geld dafür, wenn man sich welches leiht. Verrückt? Eher der Blick in die Zukunft. Das ist dann so, als klaut man in der Backstube ein Brot und die Bäckersfrau wirft einem einen Korb Brötchen hinterher.

Die Zentralbank treibt die Sparer mehr und mehr ins Risiko, ohne dass sie es mitbekommen. Aber was soll man tun? Vielleicht nichts? Dann schmilzt das Geld wie Schnee in der Sonne, warnen Experten, Pardon, Verkaufstalente für finanzielles Dingsda. Im Vorfeld steht dabei fest, wer dabei wirklich gewinnt und wer vielleicht gewinnen kann.

Vielleicht schläft man aber ruhiger, wenn man gar nichts tut, sich auf dem Konto nichts bewegt und man sich mit dem einen Prozent Kaufkraftschwund arrangiert statt an der Börse bei den Schwankungen hyperventiliert. Ein Prozent weniger Kaufkraft nach offizieller Lesart macht ja nicht viel aus. Oder? Und nominal fällt es erst recht nicht auf. Jedenfalls den meisten nicht.

Sollte ich heute noch ein Kerzchen anzünden für den „Markt“? Der kam zwar vor langer Zeit schon ums Leben. Einer Wiederauferstehung irgendwann später stünde eigentlich nichts im Wege. Nur die Zeit des Versagens bis dahin…

Früher war der Zins der Preis für Geld. Heute hat Geld keinen Preis mehr. Dann ist es wohl auch nichts mehr wert. Die Zentral-Planer aus der EZB verführen natürlich dazu, sein Gespartes auf den Kopf zu hauen oder mehr Kredite aufzunehmen, die einem später wie ein Mühlstein am Hals hängen. Die EZB tut das, was sie tun muss, hieß es in einem Statement und erklärt auch, warum der US-Dollar so stark und der Euro so schwach ist. Kaum reckt der Euro sein Köpfchen, walzt ihn die EZB platt.

Sollten Sie an dieser Stelle an Sozialismus und Planwirtschaft denken, liegen Sie richtig. Zins-Sozialismus haben wir schon, welchen weder Ochs noch Esel aufhalten, vor allem wenn diese den Karren ziehen. Mit dem Unterschied, dass es im Sozialismus später viel Geld aber wenig Waren gibt. Noch ist es umgekehrt, hat aber mit Märkten kaum etwas zu tun. Die Geschichte lehrt, dass diese Geldpolitik böse enden wird. Mehr möchte ich an einem Totensonntag dazu nicht sagen, denn ich will Sie ja nicht verunsichern.
©Frank Meyer – Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

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2 Kommentare auf "Totengedenken an den Zins"

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    „Die Geschichte lehrt, dass diese Geldpolitik böse enden wird“
    Ja- ich denke, das ist allgemein bekannt.
    Interessant wäre es doch einmal Gründe dafür zu suchen, warum Geldpolitik nicht schief gehen wird/könnte; in der Vergangenheit habe ich nicht einen einzigen Grund dafür gefunden.
    Auch habe ich Niemanden gefunden, der für die Zukunft auch nur ein theoretisches Entkommen von dem Weg in die Katastrophe errechnen/prognostizieren kann, selbst wenn alle zu erwartenden Parameter auf extrem positiv gestellt werden.
    Wer also mit Sicherheit sein Vermögen verlieren will, sollte sein Vermögen in Dinge investieren, die ein Versprechen sind und auf denen, um ihren Wert zu berechnen, eine Zahl in irgendeiner Währung geschrieben steht.
    Nur wann geht es den Bach ab?
    Wer glaubt, dass er auch heute noch etwa 30 Jahre für seine private Altersversorgung in einen Kapitalstock mit bedrucktem Papier investieren kann, bzw. den Versprechen darauf, dieser Kapitalstock dann auch noch etwa 20 Jahre seinen Wert zumindest behält, wenn er im Alter verbraucht wird, hat ein sonniges Gemüt.
    Aber nur so wird irgendwann einmal eine allgemeine Entschuldung möglich sein, nämlich indem die Versprechen nicht eingehalten werden.
    Versprechen, von denen auch schon heute jeder weiß, dass sie nicht eingehalten werden können.
    Ich kenne nur eine Kapitalanlage die Jahrtausende auf der ganzen Welt ihren Wert behalten hat, vielleicht wird auch das in der Zukunft nicht so sein.
    Aber ich denke, dass meine Unzen doch noch dafür sorgen werden, dass ich meine Minirente noch ein paar Jahre aufbessern kann; der Rest ist für meine Kinder.

    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

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