Tote Pferde

8. September 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer 

Ein altes Indianer-Sprichwort besagt: Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab! Ist der Euro so ein totes Pferd? Noch nicht. Heute habe ich eine Bratwurst damit bezahlt. Aber irgendwann wird auch er zu Tode geritten sein. Laut einer Studie haben 53 Prozent der Deutschen Angst um den Euro. Oder wegen ihm?

Allerdings wurden sie auf dieses Pferd festgebunden und sind jetzt im Galopp irgendwo hin unterwegs. Bis zur Ankunft genießen Sie bitte die Aussicht und den Wind im Gesicht, selbst wenn er eisig sein sollte. Absteigen mitten im Galopp könnte tödlich enden, sagen Experten.

Sollte das Pferd plötzlich fliegen, sind vermutlich Faulgase verantwortlich, weil der fast tote Gaul weiter zwangsernährt wird. Für Griechenland wird gerade ein drittes Futterpaket geschnürt und Zypern bekommt auch weitere Gelder nachgeschoben. Alles verpufft gemütlich bei den Gläubigern. Übrigens liegen die griechischen Schulden inzwischen überwiegend nicht mehr bei den Banken, sondern in öffentlicher Hand. So ein kleiner Schuldenschnitt nach der Wahl macht dann richtig Spaß. Die Schuldenschnitte werden von der Mehrheit heute gerne auch mit der Kinderschnitte verwechselt.

Auch für Portugal steht Nachschub bereit wie für den vermeintlichen Musterschüler Irland. Ist das nicht irre?

Noch größer als die Sorge vor dem Euro und ist laut Umfrage die Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten und Naturkatastrophen. Oh ja! Aufgrund der vielen Erdbeben im Anblick der vielen Vulkankegel ist das verständlich wie auch die Angst vor Hochwasser im Gebirge.

Erfreuen Sie sich besser erst einmal an den letzten beiden Wahlkampfwochen. Danach gibt es mehr Klarheit geben, mehr Rettungspakete, Schuldenschnitte und noch lautere Durchhalteparolen. Ich aber mache mir größere Sorgen um das ausgerechnet im Wahlkampf wieder wachsende Vertrauen in die Politik. Natürliches Misstrauen wäre wesentlich angebrachter, denn halbe Wahrheiten sind auch nur halbe Lügen.

© Frank Meyer, Kolumne in den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


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2 Kommentare auf "Tote Pferde"

  1. Michael sagt:

    Bald zu finden im Duden.
    Olymp – Schuldenberg in Griechenland, Sitz der Göttin Europa und Halbgöttern aus Brüssel und Frankfurt.

  2. Michael sagt:

    War ja eine interessante Diskussion diese Woche im Fernsehen. Besagte die sie im Blog referenzieren. Was haben wir daraus gelernt – höchst amüsant.

    a) Das Konzept des Euroraums kann nicht die Spekulation auf die Währung verhindern – stimmt – der Herr Söder, hat das im Gleichen Atemzug als großen Erfolg verkauft, respektive, dass kaum einer gedenkt daran etwas zu ändern. Die Alternative wäre die Schuldenunion. Die Erfolge des Outsourcings in München sprächen Bände. Solle er sich auskennen. Christliche Schulden Union, ist ihm ja ein Begriff.

    Genauso wie die Credit Default Union – ein Licht – der nahende Zug am Ende des Eupalions Tunnels – das ist kein Fass ohne Boden, das ist Teil einer Wasserleitung. Die Historie ist durchaus präzise in dem Punkt. Vermutlich führt er zur Tränke der Pferde.

    b) Die Dame aus Brüssel die den Lucke hat belehrt hat ja den Vogel abgeschossen. Es seien Themen für die Hörsäle. Stimmt. Wäre für sie möglw. gar nicht so schlecht mal einen von innen gesehen zu haben zu besagten Thema. Sie ist das beste Beispiel dafür, dass man Politiker kein gedeckte Währung in die Hände geben darf. Ich denke der Herr Draghi hat gar kein Zeichen gesetzt, der hat vermutlich als er sagte, ‚Die EZB kauft alle Schulden auf‘ eher knapp umschrieben, ‚Bevor ich mir das Gsudert noch länger anhöre, kauf ich eben alle Schulden von der Kindern‘. Onkel Draghi aus Amerika der wirds schon richten. Richten, das stimmt. Ein ewiges hin- oder her. Er tut mir fast leid. Es ist eh so einfach.

    Hinter dem Dollar und dem EURO steht die volkswirtschaftliche Leistung. Was ist der Knackpunkt – die von morgen und nicht die Früchte der Vergangenheit sonst könnte man im weitesten Sinne von einer gedeckten ‚Geld’/Währung sprechen. Das Dilemma in dem sich Banker und Bürger befinden. Druckt man Politiker Geld in die Hand, wird entweder erbrachte Leistung der Bevölkerung verpulvert oder selbige muss in der Zukunft die Leistung erbringen. Beide Alternativen sind nicht befriedigend. Alternativlos ist allein die Bevölkerung. In dem Sinne hat die Frau Merkel vollkommen recht. Die Alternativlosigkeit der Bevölkerung liegt ihr am Herzen (das stammt nicht aus meiner Feder – Grüße nach Kanada). Hat die Dame aus Brüssel auch bestätigt.

    c) Rechts von ihr der Banker, der feststellt – Wirtschaft geht ja nicht ohne Banken. Die Frage ist ja nicht – ohne Banken – die Frage ist, ‚Glauben sie wirklich ohne ihre‘. Denke die Wirtschaft läuft trotzdem. Ich sehe keinen Grund warum nicht. Die Erbauer des Eupalions Tunnels haben vor langer langer Zeit mit einfachen Mitteln etwas Zustande gebracht, das nicht von Ansteckungsgefahr bedroht wäre – möglw. wäre einfachere Bauweise zu bevorzugen. Stärkt das Vertrauen in Geldsysteme ungemein.

    Die Deutschen Gerichte haben etwas positives beigetragen. Ganz exakt weiß ich es nicht, aber bei uns sprach man davon, dass die Gemeinden welche mit Swapgeschäften ‚über den Tisch gezogen wurden‘ zumindest in .de etwas den Rücken gestärkt bekommen haben.

    Davon das GS seine Leute in die Regierungen hat berufen damit die CDS nicht müssen ausbezahlt, was auch vermutlich nicht ginge, davon sprach keiner. Das ist auch mit ein interessanter Aspekt, die Übernahme von Regierungen zur Absicherung der eigenen maßlosen Hebel. Das hat der nette Banker wieder vergessen. Da kann man Europäische Bankenaufsicht machen soviel man will. GS spart Politiker ein. Das ist eigentlich fortschrittlich. Ein Banker würde das eigene Geld vermutlich nicht verjubeln, staat der Partei wählt man die Bank. Der Bausparfuchs als Unterrichtsminister, der Sparefroh als Finanzminister,… das hört sich irgendwie besser an.

    Es stimmt ja gar nicht, dass .de an sich die ganze Rechnung berappt. Es zahlt an sich der gesamte Mittelstand in Europa die Zeche, flüssig sind aber eher die Deutschen. Wenn es zu zahlen wir bin ich mir sicher, hat sich die Flüssigkeit – die Liquidität – verflüchtigt und regnet hernach wieder aufs Tote Pferd anstatt es zuvor zu tränken. Im Süden ist es halt heißer als im Norden, da verdunstet schnell etwas. Je nachdem wo es runterregnet reitet möglw. die Frau Merkel ein totes Pferd.

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