Tortoure de Finanz….

11. Januar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Unter Anlegern kursiert in diesen Tagen ein Spruch, der zwar abgedroschen erscheint, in Wahrheit aber brandaktuell ist: Es war lange nicht mehr so schwer, richtige Anlageentscheidungen zu treffen. Wir haben es nämlich mit derart unterschiedlichen gravierenden Einflussfaktoren auf unser Geld zu tun, dass deren Wirkung in der Summe kaum abzuschätzen ist. Hier eine Auswahl…

Radikalisierung, gerade wieder brutal vorgeführt beim Attentat in Paris; Einschränkung der Meinungsfreiheit einschließlich Manipulation durch eine Reihe von Medien, begonnen mit der einseitigen Berichterstattung aus Anlass des Ukraine-Kriegs und zu einem zwischenzeitlichen Höhepunkt geraten in der Merkel-Kritik an der Pegida-Bewegung während der Neujahrsansprache; dazu jede Menge Einflüsse aus Wirtschaft und Finanzen, wie Ölpreissturz, Freihandelsabkommen, Deflationsängste, schwacher Euro, Nullzinsen, Griechenland-Pleite, Streit im EZB-Rat und drohende Altersarmut.

Jetzt werden Sie womöglich entrüstet fragen: Hat der Kerl denn nichts Positives zu berichten? Doch, hat er:

cover_gDer niedrige Ölpreis entlastet die Haushaltskasse; das Freihandelsabkommen könnte Vorteile mit sich bringen (wäre da nicht die ganze Geheimnistuerei drumherum); das vorübergehende Abtauchen der Euro-Inflationsrate auf minus 0,2 Prozent bedeutet nicht zwangsläufig Deflation, erhöht vielmehr in erster Linie die Kaufkraft; der schwache Euro geht einher mit starken Exporten (sofern ein Land dafür genug Kapazitäten hat, wie etwa Deutschland); und Nullzinsen, so hart sie die Sparer treffen, sind für Kreditnehmer ein Segen (sofern sie Kredite bekommen). Dagegen ist der Griechenland-Pleite, dem Streit im EZB-Rat und der Altersarmut wahrlich nichts Positives abzugewinnen.

Unter dem Strich kommt es also nicht zum Gleichstand von negativen und positiven Faktoren, schlimmer noch:

Griechenland und EZB-Rat bilden ein Problemknäuel, das uns in irgendeiner Form noch jahrelang beschäftigen wird, nur dass es dann nicht mehr um Griechenland, sondern um Italien oder um ein anderes hoch verschuldetes Euroland gehen dürfte. Einen Vorgeschmack darauf werden wir zunächst am 14. Januar erhalten, wenn der Europäische Gerichtshof (EuGH) zu entscheiden hat, ob die EZB Staatsanleihen kaufen darf. Diesem Termin schließt sich am 22. Januar die erste Sitzung des EZB-Rats an, der dann die EuGH-Entscheidung berücksichtigen muss.

Was schließlich die Altersarmut betrifft, so mag es Ihnen vorkommen, dass dieses Thema gerade weniger aktuell erscheint als die anderen. Doch in Wahrheit ergibt es sich unmittelbar aus dem Trend in Richtung Nullzinsen. Denn die Deutschen legen ihr Geld immer noch am liebsten in sogenannten Geldwerten an unter Führung von Konten und Kapitallebensversicherungen, und deren Zinsen bzw. Renditen tendieren gegen Null. Dazu nur eine Anmerkung:

Am vergangenen Dienstag wurden die neuen Daten zu den Kapitalanlagen der Erstversicherer veröffentlicht. Sie strotzen vor Geldwerten aller Art, von Pfandbriefen, sonstigen Anleihen und Schuldscheindarlehen bis zu Fonds, hinter denen sich primär wiederum Geldwerte verbergen – eine tickende Zeitbombe, denn hier ist die Altersarmut programmiert.

Wie schützt man sich vor all dem?

Ich wiederhole mich hier gern: Indem man die eigenen Finanzen selbst in die Hand nimmt, sie plant, das Ersparte strukturiert und abhängig vom Lebensalter, von der familiären und beruflichen Situation streut. Diese Vorgehensweise unterscheidet sich von der immer noch weit verbreiteten Methode, wonach Sie Ihr Geld einem Anlageberater Ihrer Bank oder Sparkasse anvertrauen.

Dieser wird Ihnen, wenn er nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, zwar eine Vermögensstruktur und -streuung vorschlagen, aber mit zwei entscheidenden Abweichungen: Zum einen dürfte er in der Regel nur wenig Ahnung von all Ihren individuellen Finanzen und Präferenzen haben und sich aus Zeitgründen auch kaum dafür interessieren; zum anderen muss er Vertriebsvorgaben seines Instituts erfüllen, das heißt, Ihnen Fonds, Zertifikate, Sparpläne, Baukredite oder sonst was Provisionsträchtiges verkaufen.

Glauben Sie mir, die eigene Finanzplanung kann zur Tortur werden, aber da müssen Sie durch, je früher, desto besser. Tortur, weil dazu gehören: im Lauf des Lebens variierende Ziele; die Anpassung an sie durch mal mehr und mal weniger Cash; Versicherungen aller Art, von der allemal empfehlenswerten privaten Haftpflichtversicherung über die Risikolebensversicherung für junge Familien (nicht zu verwechseln mit einer Kapitallebensversicherung, s.o.) bis zur Hausratversicherung; Steuern einschließlich ihrer Optimierung im Zeitablauf; Haus oder Wohnung für den Eigenbedarf, falls daraus kein Klumpenrisiko zu entstehen droht; Aktien mit möglichst gutem Timing, wozu viel Erfahrung nötig ist, aber auf Dauer lohnt es sich; schließlich Gold, das in nächster Zeit die Wiederaufnahme des seit Ende 2011 unterbrochenen Aufwärtstrends verspricht.
Manfred Gburek – Homepage


 

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4 Kommentare auf "Tortoure de Finanz…."

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    Sehr geehrter Herr Gburek,
    abgesehen von Aktien, habe ich es so gemacht; ein bisschen viel Edelmetallastig, aber so kann ich gut schlafen.
    Ich habe mir allerdings vollkommen abgewöhnt, zu irgendwelchen Anlässen das Thema Sachwerte anzusprechen; von Edelmetallen ganz zu schweigen.
    Sobald ich Edelmetalle anspreche, sehen mich die Leute an, als wenn mein Geld in die japanische Walfangflotte investiert hätte; halb kriminell, unsozial, unethisch und wird sowieso bald verboten.
    Seltsamerweise wissen aber fass alle, dass Gold schon auf 1900 Dollar stand und heute nur noch auf etwa 1200.
    Doch kaum Niemand weiß, dass der Kurs seit 2000 bis heute um etwa 425% gestiegen ist; seit 2009, als ich meine Lebensversicherung in Panik gekündigt habe, über 50%.
    Ich möchte nicht in Dinge investieren die (wie Aktien) auch auf NULL gehen können,
    die ich (wie ein Häuschen) nur am Stück verkaufen kann und wenn vermietet, auf die ausreichenden Einkünfte des Mieters angewiesen bin, oder in Sachwerte in die der Staat eingreifen kann; tut er es doch, wechsle ich mit meiner Altersversorgung den Staat.
    Nun verkehre ich schon in den Ebenen, wo mal hier und dort einige Tausender oder Zehntausender übrig sind, bzw. auf eine Anlage warten.
    Ich weiß nicht wie viele von meinen Bekannten schon auf die Nase gefallen sind, aber wenn das Wort Immobilienfonds, Schiffsfonds, Hedgefonds usw. fällt, höre ich gleich: Oh, man, lass das lieber, nee, bin doch nicht blöde, da kenne ich Jemanden…, dann doch sogar lieber Aktien.
    Nur- wenn ich den Leuten dann sage, dass der DAX im Jahre 2000 bei etwa 9.000 und 2014 bei etwa 10.000 Stand und eigentlich, da die Dividenden eingerechnet sind, etwa 24% Verlust gemacht hat, dann glaubt es Niemand; hinzu kommt noch etwa 100% Inflation in den 14 Jahren.
    Gut-Irgendjemand wir die Zeche zahlen müssen und ich meine, dass es nur über Guthaben- Vernichtung möglich ist.
    Ich denke, dass mir Niemand die Unzen vernichten kann, es weiß Niemand wie viel ich habe, und wo sie gelagert sind.
    Zusammenfassen:
    Es ist ein Phänomen, dass intelligente Menschen, denen durch das Internet die Welt offen steht, sich so wenig um eine sichere Altersversorgung kümmern, sondern dem Staat glauben, bzw. seinen Repräsentanten.
    Das Plakat von Blüm (die Rente ist sicher) oder das Wahlplakat der CDU über den Euro, kennt kaum Jemand, selbst in Riesterrenten investieren meine Bekannten; kennen aber auch nicht den Bericht der Stiftung Warentest; aber seltsamerweise sind sie auch noch stolz auf das Minusgeschäft mit Riester.
    WAs für eine Welt.
    Viele Grüße
    H. J. Weber

  2. bluestar sagt:

    @Helmut Josef Weber
    Ich glaube der sogenannte gute Mix der Assets ist zwar grundsätzlich die richtige Strategie und Risikostreuung, praktisch aber für „Laien“kaum durchführbar. Man wird wohl immer dem einen oder anderen Engagement mehr zugeneigt sein, passend zur Mentalität, Sachkenntnis und möglichem Zeitaufwand. Sie sind mit Ihren EM-Engagements erfolgreich und zufrieden, das ist sehr schön. Trotzdem konnte man sicherlich auch mit Aktien bei richtiger Auswahl und vor allem richtigem Timing und Stopp-Loss-Pflege eine ganze Menge Kurspotenziale nutzen. Ich gehöre leider nicht dazu, habe mit Aktien viel Geld verloren-oder besser gesagt umverteilt. Totalausfälle wie z.B.MCI Worldcom, Baan, Delphi, aber vor allem fehlende Gewinnmitnahmen und Stopp-Loss bei Rückschlägen ( z.B. EON) haben halt ihren Preis. Mein ehemaliger Bankberater allerdings auch, denn die temporäre Vermögensverwaltung Dritter war ebenfalls Lehrgeld.
    Mit selbst betreuten Immobiliengeschäften hingegen läuft die Sache ausgezeichnet. Natürlich leidet man unter der im Vergleich zur Zinsabschlagsteuer höheren Abgabe an den Staat, aber bei guten Einstiegspreisen und Lagen wird das kompensiert. Der drohende Zugriff des Pleitestaates ist natürlich ein Argument, aber wer weiß schon was kommt und bis dahin hat man einen sehr guten cash-flow, Lastenfreistellung ist extrem wichtig. Zur Sicherheit muss man seine schönen Unzen halten. Apropos Unzen: Auch hier kann ich Ihren Beiträgen entnehmen, dass Sie einen sehr guten Einstiegszeitpunkt ausgewählt haben. Das richtige Timing (antizyklisch), die Sachkenntnis, der verfügbare Zeitaufwand und die Eignung zum Typ Anleger/Investor sind wohl die entscheidenden Punkte.
    „Es ist ein Phänomen, dass intelligente Menschen, denen durch das Internet die Welt offen steht, sich so wenig um eine sichere Altersversorgung kümmern, sondern dem Staat glauben, bzw. seinen Repräsentanten.“
    Ja, das verwundert mich auch immer wieder. Selbst Akademiker in meinem Umfeld sind eigentlich ungebildet, unwissend, desinteressiert und zu faul ihren Kopf zum kausalen Denken zu gebrauchen. Deshalb trifft das Wort intelligent nicht zu, sondern Affen mit Smartphones- wie es Ronald Gehrt einmal formulierte.

    Ich wünsche Ihnen beste Gesundheit , Zufriedenheit und weiterhin viel Freude mit Ihrem Goldschatz.

    Viele Grüße aus Sachsen nach Andalusien.

    • Dors Venabili sagt:

      Na,Na: „Affen mit Smartphones“ trifft wohl eher auf Anlageberater zu 🙂
      Man kann auch einfach keine Lust haben sich mit Stop/Loss Strategie, Hedgefonds und Wellenanalyse zu beschäftigen weil Philosophie, Kunst,Handwerk oder Berufung eine mehr als ausreichende Auslastung bedeuten.
      Leider hat es dann aber auch Konsequenzen: Life sucks!(Sometimes…)

  3. Lickneeson sagt:

    Altes Thema – in Deutschland wohl auch in 100 Jahren noch immer aktuell.

    Für den Kauf eines Autos, einer Waschmaschine oder für den nächsten Braturlaub in der Türkei wendet der Michel gerne Unmengen an Zeit fürs „Lesevergnügen“ von Testberichten auf. Die eigene finanzielle Situation sowohl der Gegenwart als auch der Zukunft wird nach „Vogel-Strauss-Manier“ bewältigt, bzw. ignoriert. Dann lieber Strafzinsen, aber „sichere“. Wir fühlen uns halt gerne abgesichtert -mit Netz und doppeltem Boden. Nicht umsonst war bis 2008 die Nachfrage nach Zertifikaten mit „Gewinnsicherung“, bzw. „Garantiezertifikate“ der Renner am Markt. Aber so einfach ists halt net.

    Wie die vergangenen Jahre(ab 2000) gezeigt haben war aber die Alternative, mit Börsenerfahrung am Markt Geld zu verdienen, nicht eben einfach. Dazu reicht ein Blick auf den Langfristchart z.B. des DAX, oder SPX. Seit 2000 springen die Märkte in starker Vola scheinbar sinnlos auf und ab. Buy and Hold war da eher gesundheits – u. Renditeschädigend.

    Viele Fondmanager weisen seit geraumer Zeit darauf hin, das „die Zinsfalle“ die Erwartungen an die Marktrenditen nachhaltig für lange Zeit verändern wird. Der „Meister“ Bill Gross hat neulich in die gleiche Kerbe geschlagen. Was bedeutet das für das eigene Depot, so man eines hat. Risk off! Denn wie schon oft genug auf dieser Seite vom „Hausherrn“ veröffentlicht ist es ein fataler Fehler mehr Risiko mit mehr Rendite gleichzusetzen.

    Geldpolitische Experimente, gesellschaftspolitische Spannungen vor allem in der Eurozone, zunehmender Fundamentalismus etc. bieten in Zukunft gute Kaufgelegenheiten. Auch wenn es schwer fällt – kaufen im Schmerz geprügelter Kurse alle paar Jahre wird auch in den nächsten 10 Jahren die beste Variante zu sein, wenn man nicht als Daytrader arbeiten will.

    Wenn die Kurse scheinbar nur den Weg nach oben kennen hat man Zeit genug sich die „richtigen“ ETFs/Fonds/Aktien/Rohstoffe auszusuchen. Das war bei Gold „damals“ übrigens genauso, oder bei den Biotechs.

    Schlimmer aber als sich nicht um seine Geldangelegenheiten zu kümmern ist es aber zweifellos, gar keines übrig zu haben. Denn die Altersarmut, ich wiederhole mich, kommt massiv und wird nicht aufzuhalten sein. Nicht mit der Kurzsichtigkeit der Regierenden, bzw. ihrem verquasten Lobbyistengehirnen.

    Allen ein glückliches Händchen…

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