Todesanzeige für Mister Market

20. April 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Zu Ostern gedenken Christen der Kreuzigung von Jesu Christi. Gekreuzigt wirkt auch „Mister Market“, denn er befindet sich in einem erbärmlichen Zustand…

Statt eines freien Marktes regieren nun Politiker, Weltverbesserer, Zentralbanken und deren Zahlenverdreher. Nichts bleibt mehr dem Zufall überlassen. Immer mehr wird zentral geplant und überwacht – nicht nur Glühbirnen und selbst abschaltende Kaffeemaschinen.

Früher hätte Mister Market die Zombies von der Klippe gestoßen. Heute aber sind die Märkte politisiert. Zombies werden mit Steuergeldern aufgespritzt, mit niedrigen Zinsen gefüttert und rosarot angemalt ins Schaufenster gestellt. Das schickt selbst die italienischen Anleihen wieder auf Rekordhochs trotz noch viel höherer Schulden. Und Spanien geht es offiziell noch besser als je zuvor. Märkten wird verboten, sich zu bereinigen. Wollen sie ausatmen, steckt man ihnen eine Plastiktüte in den Kopf und holt den Tubus finanzieller Repression.

Der Kampf der Politiker und Geldgötter gegen Mister Market ist blutig. EZB-Chef Draghi sagte, er werde alles tun. Und er tat alles. Er sagte, es würde reichen. Und es reichte. Ist Draghi Gott? Vielleicht sollten wir das glauben. Die Presse bereitet die geneigte Leserschaft darauf vor, dass die Pläne der Zentralbänker und Politiker noch viel weitreichender seien. Gerade wird die Öffentlichkeit darauf vorbereitet, dass die EZB künftig Kreditpapiere aufkaufen wird, um weniger die Schuldner zu stützen, vielmehr die Gläubiger.

Weltweit wurde den Finanzinstituten Billionen spendiert. Damit kauften sie die Schuldpapiere auf und schicken diese auf preisliche Himmelfahrt – unter einem eigens für sie gespannten Schutzschirm, den, nachdem ihm die Steuerzahler nicht mehr allein halten konnten, nun anderweitig Stütze erhält, die Zeche aber letztlich der Bürger zahlen soll.

Es ist der Beginn einer neuen Ära in einer Welt mit immer weniger Mister Market.

Haben politische Börsen wirklich kurze Beine? Nicht in einer politisierten Wirtschaft. Ohne den echten Markt bekommen Börsen und Preise lange Beine und laufen Marathon, bis es später zu Unfällen kommt. So steht es in den Geschichtsbüchern und auch, dass auch Mister Market immer wieder aufersteht – so sicher wie das Amen in der Kirche. Dann wird er den Dauerläufern Beine stellen. Amen.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten


 

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4 Kommentare auf "Todesanzeige für Mister Market"

  1. Michael sagt:

    Wenn der eine Markt reguliert ist entsteht ein neuer. Ehrlich. Wenn sie die Wahl haben. Stellen sie sich mit der Alternative gut die Geld kann drucken oder mit dem der Geld muss aufnehmen… Ich persönlich ziehe den Illuminaten im Wandschrank der Politiker im Parlament vor. Bei einer Bank ist man zumindest Kunde … die anderen verkünden immer nur.

    Ähnlich der Kirche. Donauland ist auch eine Gemeinschaft – eine Buchgemeinschaft – und hat ein breiteres Angebot. Die Kirche ist ein Bibliothek die keine Bücher herleiht und eines vermarktet… Kein Wunder, dass dafür nur eine Dornenkranz gab und keine Lorbeeren. Damit der Bezug zum aktuellen Fest gegeben bleibt.

    Denke die Märkte kommen schnell zurück … möglw. in Form von neuen Märkten in die das Geld fließt ob der höheren Rentabilität. Es geht um Alternativen.

  2. bluestar sagt:

    Sehr schöne Kolumne, sollte auch WELT, SPIEGEL und BILD erscheinen !!!
    ( Kann natürlich sein, dass dieses Niveau BILD-Leser verwirrt.)
    Ob es nach diesem Marathon nur zu Unfällen kommt bleibt zu hoffen, befürchten muss man mittlerweile schon einen schweren Kollaps mit anschließender „Zwangsbetreuung“ durch den Staat.

    VG

  3. 4fairconomy sagt:

    Der Tod des Marktes wurzelt in einer Zinsskala, welche bei 0% beginnt, d.h. beim Versprechen von garantiert 0% für (überschüssige) Liquidität. Damit gerät der Markt unweigerlich, mit mathematischer Sicherheit, auf zunehmenden Abwegen. Damit wird ein Vermögenswachstum nach dem Zinseszinsprinzip, d.h. exponentiell, zur Voraussetzung, dass überschüssige Liquidität investiert wird. Dies lässt sich nur mit ebenfalls exponentiell wachsender Kreditgeldmenge finanzieren. Entweder wird das Schneeballsystem aufrecht erhalten dank Verschuldung und Kredite ohne Ende oder es Crasht und endet in eine tiefe Deflation. Inflation oder Deflation, Wachstum oder krisenhafte Schrumpfung – ein Mittelweg bzw. ein Markt der sich den Bedürfnissen der Menschen anpasst, der für eine Mässigung der Gewinnmitnahmen sorgt usw. ist nicht möglich. Alles muss sich zuerst danach richten, exponentiell wachsende leistungslose Vermögenserträge zu ermöglichen. Denn nur so kann Liquidität, welche nich benötigt wird bzw. angelegt werden muss, zirkulieren und damit die Markttätigkeit aufrecht erhalten. Exponentielles Vermögenswachstum wird zur Voraussetzung, dass der Markt funktioniert statt eine je nach Konjunktur Folgeerscheinung der Markttätigkeit zu sein.

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