Boote ohne Anker – Euro gegen Gold auf Allzeittief

24. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Schwere See für den Euro. Gemeinschaftswährung unter Druck. Ist der Euro überlebensfähig? Reporter im ARD-Börsenfernsehen berichten darüber und benutzen beim Erklären der Schwierigkeiten das Wort „Währungsreform“. Darüber mache ich mir seit Monaten auch Gedanken, wenn ich mir die Grundlagen unserer Gemeinschaftswährung ansehe. Auf Sand gebaut? Zum Jahresbeginn noch gefeiert, ist der Euro nun Problemen ausgesetzt, deren Ursache nicht nur die Ausgabementalität unserer südlichen Nachbarn ist. Der Euro ist wie alle Währungen der Welt – ein Boot ohne Anker…

Und da treibt er nun, der Euro, und alle anderen Währungen der Welt, auf einem See aus Papier… Die Ankerkette, das Vertrauen ist von Rost befallen. Wann reißt sie? Diese Frage wird nun im Zuge der Finanzkrise immer häufiger gestellt. Europa zeigt die Schwäche einiger seiner Mitglieder dieser Kunstwährung, in der wir unsere Rücklagen speichern, sonfern überhaupt Rücklagen bleiben. Auf einmal hatte ich Euroscheine in der Hand. Und ich wurde nicht gefragt, ob ich ihn möchte. Aber umgehen mit ihm – das muss ich wohl…

Südeuropa ist ein Mühlstein für den Euro, schreiben die Zeitungen. S&P stutzt fast täglich ein Land dieser Region im Rating herunter, die Kreditwürdigkeit der Staaten hat Schaden genommen. Sie haben den Schaden angerichtet, der nun sichtbar wird. Was hatte dieses frühere AAA-Rating eigentlich bedeutet? Es war gut für die Staaten, sich noch schneller und billiger zu verausgaben. War diese „Kreditfähigkeit“ überhaupt gegeben? In den Nachrichten werden dem Zuschauer, der sonst nichts mit Finanzmärkten am Hut hat die Spreads erklärt, die Aufschläge der Renditen bei den Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Staatspapieren. Es scheint wichtig zu sein.

Investoren verlangen mehr Zinsen, wenn sie den südlichen Staaten Geld leihen. Für zehnjährige griechische Staatsanleihen werden 6,21% Prozent gezahlt, für italienische 4,91 Prozent für portugiesische 4,78 und spanische 4,42 Prozent. Damit zahlen die südlichen Mitgliedsländer für Staatsanleihen inzwischen Risikoaufschläge von bis zu 300 Punkten im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen. Griechenland wird eine Belastungsprobe für den Euro.

Meine ehemaligen Kollegen in London besitzen alle ein britisches Konto. Wer Geld gespart hat, muss bei einem Wechsel zurück nach Deutschland feststellen, wie das britische Pfund zusammengesackt ist. Es hat als Wertspeicher versagt. Wer dagegen Goldmünzen hielt, hat seine Kaufkraft bewahrt. Nichts anders macht Gold. Für ein Pfund wurden vor zehn Jahren noch 1,71 EUR verlangt. Heute sind es 1,06 Euro, 38% weniger.

Auf die Sicht von 40 Jahren ist das Pfund gegenüber dem rückgerechneten Euro von 4,50 Euro auf 1,06 Euro gefallen, weniger als ein Viertel ist davon geblieben.

Doch das sind alles Milchmädchen-Rechnungen. Gegenüber Gold hat der Euro in zehn Jahren 63% verloren, und das Pfund gegenüber dem Euro nochmals 38%. Der Euro fiel heute gegenüber dem Gold auf ein Allzeittief. An diese Schwäche scheint sich das britische Pfund inzwischen schon gewöhnt zu haben. Vor zehn Jahren kostete Eine Unze Gold 173 Pfund – heute 644 Pfund. Pfundig! Gell?

Ich fragte mich bei meinem ersten Besuch in London, was vom früheren britischen Empire übrig geblieben ist, außer die alten Gebäude und die Queen.

Die Ökonomen meinen, eine schwächere Währung würde die Wirtschaft „ankurbeln“ und den Export stärken. Bloß was will Großbritannien schon exportieren? Ihre Finanzexperten? Die Produktion wurde ebenso wie die der anderen großen Länder nach Asien verlagert. Dort kann produziert werden, wenn das im Moment auch mit verminderter Kraft getan wird. Ihre Abnehmer der Waren sind finanziell ausgelaugt.

Mit jedem Konjunkturprogramm und größeren Staatsausgaben sackte das Pfund in sich weiter zusammen. Wieso sollte der Euro stark bleiben, wenn seinen Mitgliedsländern die gleiche Medizin verabreicht wird? Und was wird mit dem Dollar? Da sind die Summen der Hilfe noch größer, trotzdem legt der Dollar gegenüber den meisten Währungen weiter zu.

Das vergleichsweise gemütlichen Hin – und Herschwappen der weltweiten Geldmengen von einer Währung in eine andere könnte sich in den kommenden Monaten deutlich verstärken, die Wellenkämme auf offener See mit zunehmenden Windstärken. Geld weiß einfach nicht, wohin es soll. Zinsdifferenzen werden ihm egal sein, wenn die Zinsen irgendwann weltweit auf Null gefallen sein werden.

Die Regierungen tun einfach alles, um ihre Währung zu schwächen. Am Ende wird das „Geld von den Bäumen“, wie Bill Bonner es nennt, von den Ästen fallen, und die Welt ertränken. Man wird viel Papier aufwenden müssen um Gold kaufen zu können. Und alle werden überrascht sein und so tun – und die Verantwortlichen suchen.

Print Friendly, PDF & Email

 

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.