Fall jetzt endlich! Du blödes Ding!

28. April 2009 | Kategorie: Kommentare

An den Börsen wächst den Bullen ein drittes Horn. Aus etlichen Ecken kann man das Fluchen der Bären hören. Das kann nicht sein! Der Markt ist verrückt! Bitte? Was erwarten Sie denn? Das ist er seit Jahren…

Seit dem DAX-Tief bei 3.600 Punkten, wir hatten es auf Cashkurs ins Spiel gebracht, hat der DAX 22 Prozent zugelegt.

Ich weiß nicht wo wir stehen. Doch ich meine, Mister Market grinst gerade bei 3600 Punkten um die Ecke, um ein paar Leute abzuholen, indem er die Bären abschüttelt und einen Haken schlägt. Ja, auch er mag Erholungen und sie sind seine beste Finte. Wer flinke Beine hat, kann ja mitrennen. Aber achten Sie kurz vor der Brücke auf den Moment, wo er Ihnen auf den Hintern hauen will. (Quelle Cashkurs vom 9.März)

Die Daueroptimisten haben einen neuen Bullenmarkt ausrufen. 20 Prozent Plus bedeuten, dass der Bärenmarkt laut Definition endlich vorbei ist. Dort, wo das Geld so sicher ist, in den Anleihen, fängt er gerade erst an. Halleluja! Was soll man von diesen Definitionen in einer Welt mit diesen blöden Abweichungen vom Normalen halten? Ich weiß es nicht, ahne aber, dass die Zeit der Normalität hinter uns liegen könnte. Morsches Holz schwimmt auch (noch), meint Paul C. Martin. Kursgewinne machen Lust auf mehr, vor allem wenn Liquidität in die Märkte gespült wird. Um das Glatteis kümmern wir uns später. Jetzt wird alles wieder besser, rufen die Experten und verweisen auf Wirtschaftsdaten, das G-20 Treffen mit dem vielen Lärm um nichts und die Knochen, die sie geworfen haben. Die Daten einzeln betrachtet sind eine Katastrophe. Zusammengefasst weisen sie in Richtung Abgrund bzw. auf ein tiefes Tal der Tränen.

Wunsch und Wirklichkeit

„Fall jetzt, Du dummes Ding!“, rief mir am Freitag ein Trader ins Telefon, dem ich nur ein paar Fragen stellen wollte. Er meinte den DAX, denn ich selbst saß außer Reichweite am Schreibtisch. Der Trader schwitzte Wasser, Gift und etwas Galle, denn er hat auf ein Durchschnaufen der Märkte gesetzt und wurde auf dem falschen Fuß erwischt. Wer hat dem DAX diese Kraft vor einem Monat zugetraut. Kraft? „Es ist pure Not!“, erklärte er mir. Kaum jemand ist im Markt, denn jeder erwartet, dass es bald schon wieder abwärts gehen wird und auf den täglichen Satz heißer Ohren.

Ist es schon ein neuer Bullen – oder immer noch ein Bärenmarkt? Erleben wir eine jetzt V-mäßige Erholung in Erwartung, dass im Herbst wieder alles gut ist? Ich weiß es nicht, denn was den Finanzmarkt bewegt sind Spekulationen, die durch billiges Geld und Hoffnungen angeheizt werden. Ich vermute, dass die Lager in der Realwirtschaft irgendwann leer sein werden und die reale Wirtschaft Nachschub fordern wird. Da der Finanzmarkt aber die reale Wirtschaft seit ein paar Jahren Gassi führt und nicht mehr umgekehrt, sind die Kursgewinne im März Verführung genug, dass man die Krisenfahne einholt und zur Normalität zurückkehrt. Doch auch die Tricks werden auch besser. In den USA darf man bald die Bilanzen aufhübschen, indem man Verluste zu Gewinnen machen darf. Auch wenn die Börse weiter die Wahrscheinlichkeiten der Zukunft handelt, wird genau an diesen Wahrscheinlichkeiten gepfuscht und getrickst. In der DDR gab es keine Börse, doch da hat man es da ähnlich gemacht.

Dorthin, wohin keiner will

Der Markt geht im Moment den Weg des größten Schmerzes. Und der liegt auf der Oberseite. Ich musste schmunzeln, als vor wenigen Wochen die Hannover Rückversicherung mitteilte, dass sie fast gar keine Aktien mehr besitzt. Die Fachleute haben sie wohl oft mit Verlust gegeben und lagen für einen Moment auch richtig gut! Aktien waren eben Pfui Bäh! Das war ein richtig dickes Kaufsignal. Wie sieht es heute aus? Es würde mich nicht wundern, wenn die Versicherungen bei 5000 Punkten in den Markt kommen und den DAX dann bis bis an seinen Widerstand bei 5.200 Punkten hochkaufen. Es wäre ja nicht das Geld der Versicherer, sondern das der Anleger. Diese werden sogar fragen, warum die Depots leer geblieben sind, vorausgesetzt, sie sind überhaupt noch Kunde…

Die lieben Experten

Der Versicherungsriese Ergo meldet, dass man die Aktienquote von Ende 2007 auf Ende 2008 vom 10,7% auf 2,6% gesenkt hat. Zwei Drittel des Bestandes seien abgesichert. Das kostet jetzt aber! Die Münchener Rückversicherung hat ihre Aktienquote bis Ende 2008 auf 1,7% abgesenkt. Selbst die Investmentgesellschaft des legendären US-Milliardärs hat in den vergangenen Monaten ihre Aktienquote verringert. Wie sie es machen, machen sie es verkehrt, diese armen Experten…

An der Börse bekommt man nicht, was man sich wünscht, sondern das, was man verdient. Es ist nicht sonderlich schlau, sich dem Markt nicht in den Weg zu stellen. Am liebsten überfährt er Anleger und auch die Besserwisser. Doch man kann auch nur zuschauen, wenn die technischen Indikatoren am Anschlag herumjaulen. Auf dem Fahrrad ganz abseits der Börse ist es im wirklichen Leben auch ganz nett, statt den ganzen Tag am PC den Kursen nachzurennen.

Ausblick auf die Woche

Im Einkauf liegt der Gewinn, sagen die Kaufleute. Und so sollte es nicht wundern, wenn sich der DAX in dieser Woche mal auf sein Hinterteil setzen möchte, um sich dann weiter in Richtung der großen Widerstände bei 5.200 Punkte zu bewegen. Vielleicht steigt dieses blöde Ding aber auch wieder. Wer weiß? Diese Welt ist eben ver-rückt und ent-rückt, auch wenn die Realität versucht, sie wieder einzufangen. Trotz G-20 und netter Worte gibt es an den Börsen immer noch kein freies Mittagessen. Noch nicht…

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