Hope & Dope

25. März 2009 | Kategorie: Kommentare

Die heutigen Schlagzeilen sind von Schwierigkeiten und Zeichen der Abrechnung durchtränkt. Um die Ecke springen die ersten Zweckoptimisten und stottern alte Voodoo-Formeln. Wir sind am Ende…! Wieso das denn? An der Börse geht es doch gerade wieder aufwärts! Willkommen in Hollywood…

Nun, die wenigsten verdienen ihr Geld an der Börse. Sie gehen arbeiten, wenn sie Arbeit haben und versuchen davon zu leben. Wer kann und schlau ist, spart etwas. Sichere Anlagen sind hoch im Kurs und tief im Zins. Auch bei den Briten. Doch heute passierte dort etwas, was seit 15 Jahren nicht mehr vorgekommen ist: Anleger verlangen höhere Renditen für Schulden, die der Staat machen will. Schatzanweisungen fanden in einer Auktion nicht genügend Käufer. Die Notenbank wird sich der Sache annehmen, hat sie das doch schon unter dem Arbeitstitel „unkonventionelle Maßnahmen“ angekündigt und eingesetzt. Die Briten sind bei der Zerstörung ihres Haushalts und der Währung bislang recht erfolgreich gewesen. Deutschland hinkt dabei etwas hinterher, ist aber auf einem guten Weg.

Die Abwrackprämie in Deutschland wird verlängert. Ja, wir sind eben mitten im Wahljahr. Da gibt man Geld aus, das man nicht hat, um die Schulden dann den Kindern zu übereignen, weil die Eltern ja schon längst pleite sind. Wir setzen die Politik unserer Großeltern lehrbuchhaft fort, als handelte es sich um eine Mischung aus Not und Rache. Nach den Wahlen kommen die Steuererhöhungen. Da sind sich viele Beobachter sehr sicher, selbst die Experten. Es wäre ungerecht, die Politiker an ihren Wahlversprechen zu messen, sagte Franz Müntefering.

Gerade brechen die Steuereinnahmen weg, meldet das Handelsblatt. Wer eins und eins zusammenzählen kann, hat das schon früher erwartet. Das Loch soll sich auf 70 Milliarden Euro für dieses Jahr ausgeweitet haben. Darin versinkt die Abwrackprämie 47-mal. Wozu sich darüber aufregen? Vor einem halben Jahr sprach Peer Steinbrück noch von einem ausgeglichenen Haushalt. Dabei sieht es jetzt nach der größten Neuverschuldung aller Zeiten im Jahr 2009 aus, was aber keiner ahnen konnte…

Inzwischen hat die Opposition hinter die Fassade der Hypo Real Estate geschaut und festgestellt, dass es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann und fordert einen Untersuchungsausschuss. Den in Sachen IKB konnte man erfolgreich verhindern. Doch die Dinge um die Hypo Real Estate liegen anders, denn die erste Garantie für die hypo-ventilierende Bank wurde genau nach fünf Jahren und ein paar Stunden unterzeichnet. Das waren zufälligerweise ein paar Stunden, nachdem die Haftung für die Alteigentümer abgelaufen war und diese dem Steuerzahler übergeben werden konnte. Jippie!(Gregor Gysi im Bundestag) Doch des Ärgers nicht genug: Im Bundesfinanzministerium soll ein geheimes Gutachten liegen, in dem von einer Ausfallsumme von bis zu 60 Prozent der Bilanzsumme der HRE geschrieben steht. Das wären im schlimmsten Fall 235 Milliarden Euro Schaden, schreibt der Stern. (Quelle)

Auf NOTZEITEN ist ein nettes Lied (Ein Loch ist im Eimer)dazu…

Ein Loch ist in’r HRE, oh Angie, oh Angie,
Ein Loch ist in’r HRE, oh Angie, oh Angie,

Verstopf’ es, oh Peer, oh Peer, oh Peer
Verstopf’ es, oh Peer, oh Peer – mach’s dicht!

Womit denn, oh Angie, oh Angie, oh Angie
Womit denn, oh Angie, oh Angie, womit?

Mit Euros, oh Peer, oh Peer, oh Peer
Mit Euros, oh Peer, oh Peer – mit Euros

Die Euros sind zu wenig, oh Angie, oh Angie
Die Euros sind zu wenig, oh Angie, zu wenig

Dann druck sie, oh Peer, oh Peer, oh Peer
Dann druck sie, oh Peer – Mensch, druck los!

Womit denn, oh Angie, oh Angie, oh Angie
Womit denn, oh Angie, oh Angie, womit?

Mit Versprechen, ,oh Peer, oh Peer, oh Peer
Mit Versprechen, oh Peer, oh Peer, Mit Versprechen

Das zieht nicht, oh Angie, oh Angie
Das zieht nicht, oh Angie – das zieht nicht

Dann streng Dich an, oh Peer, oh Peer
Dann streng Dich an, oh Peer – streng Dich an!

Wie denn, oh Angie, oh Angie, oh Angie,
Wie denn,, oh Angie oh Angie, wie denn?

Mit Schulden, oh Peer, oh Peer, oh Peer
Mit Schulden, oh Peer, oh Peer – mit Schulden

Der Markt gibt nichts her, oh Angie, oh Angie
Der Markt gibt nichts her, oh Angie – er ist leer

Wir brauchen Geld, oh Peer, oh Peer,
Schaff Geld an, oh Peer – beschaff Geld!

Von wo denn, oh Angie, oh Angi, oh Angie
Von wo denn, oh Angie, oh Angi, von wo?

Von der HRE, oh Peer, oh Peer, oh Peer
Von der HRE, oh Henry, oh Henry – Von der HRE!

Ein Loch ist in’r HRE, oh Angie, oh Angie,
Ein Loch ist in’r HRE, oh Angie, oh Angie,

Doch es gab auch Erfreuliches zu vermelden. In Amerika stiegen die Aufträge für langlebige Wirtschaftsgüter im Februar völlig überraschend um 3,4%. Als die Zahl über die Ticker lief, lachte der Frankfurter Rentensaal laut auf. Das glaubt doch kein Mensch, war da zu hören. Die Neubauverkäufe in den USA stiegen erstmals seit Monaten wieder an. Der DAX legte wieder zu und hat seit seinem Tief Anfang März 20% zugelegt. Wer „sichere“ Anleihen hat, schaute in die Röhre.

„Der Anstieg jetzt sei ermutigend, sagte Peter Kenny von Knight Equity Markets. „Wir haben eine Reihe von Daten gesehen, die ein Tauwetter andeuten, auch wenn der Abschwung der gesamten Wirtschaft noch nicht vollständig ausgestanden ist.“ Allerdings seien die Risiken für die Konjunktur hoch, sagte Carl Lantz, Zinsstratege bei der Credit Suisse. „Vielleicht hüpfen wir nur am Boden rum. Zwar kommt etwas in Schwung, aber der Gegenwind für die Konjunktur ist nach wie vor hoch.“

Doch es sind die anderen Nachrichten, die Grund zur Sorge sind. In Ungarn kippt die Regierung, in Tschechien ist sie schon gekippt. Geithner will die totale Kontrolle über die Finanzwelt, schreibt die FTD und kommentiert das mit Rechtsstaat in Gefahr. In Frankreich wird wieder ein Manager als Geisel genommen und dem guten RBS-Chef Sir Fred Goodwin haben „Vandalen“ in der Nacht seinen Mercedes S 600 demoliert. Wikipedia dazu: „Vandalismus ist bewusste illegale (bzw. normenverletzende) Beschädigung oder Zerstörung fremden Eigentums als Selbstzweck.“ Ob der Begriff auch auf Sir Goodwin zutrifft?

Der heutige Tag ist historisch. Die FED beginnt mit dem Aufkauf von US-Staatsanleihen, um so die amerikanische Wirtschaft anzukurbeln. Ich muss dann immer schmunzeln. Dieser Satz ist so einfach zu verstehen. Er wirkt beruhigend, wird einfach so dahin geschrieben und tut niemandem weh. Die Leute glauben es. Dabei sucht man die Kurbel schon seit Jahren. Kurbeln klingt nach Arbeit in einer Zeit, an der man doch an der Börse reich werden soll. Ich verrate Ihnen, wo die Kurbel steckt: An der Druckerpresse.

Herr Geithner meldet sich gerade mit „No Change!“ zu Wort. Der US-Dollar ist und bleibt die Weltreservewährung. Früher hieß es immer, dass man an der Politik des starken Dollar festhält. Heute lacht man darüber. Und morgen über die heutigen Dinge.

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