Abseits von Normalitäten

7. Juli 2009 | Kategorie: Kommentare

von Frank Meyer

Jetzt ist es amtlich – Wir befinden uns im Aufschwung. Hurra! Der ifo-Geschäftsklimaindex ist dreimal in Folge gestiegen. Tut er das, ist die Trendwende da. So steht das zumindest in den Lehrbüchern, die irgendwie etwas zerzaust aussehen…

Schaut man sich den ifo-Index etwas genauer an, so wird er lediglich durch Hoffnung nach oben gezogen. Dort wachsen die grünen Kräuter, von denen im Moment soviel die Rede ist. Klar, wenn man dorthin den Dünger kippt? Die Realität sieht leider etwas anders aus. Aus der aktuellen Lage im Juni erfahren wir, dass der Juni schlechter ist als es der Mai es war. Die Komponente aus dem ifo-Index ist auf ein historisches Tief von 82,4 Punkten abgerutscht. Die Zukunftskomponente dagegen ist von 86,0 auf 89,5 Punkte gestiegen.

Die Kauflaune der Deutschen steigt mit 2,9 Punkten auf ein Jahreshoch, vermeldet die GfK. Ist es Optimismus, weil man stabile oder gar steigende Einkommen erwartet? Oder sagt man sich, – na ja, das Geld wird bestimmt weniger Kaufkraft bekommen – also raus damit? Wer kann das schon sagen?

Blickpunkt 27. September

Zumindest die Hoffnung wird größer, was auch nicht verwundert, wenn der Staat mehr und mehr Aufgaben der Privatwirtschaft übernimmt und Zombies mit Milliardenbeträgen vor dem Ertrinken rettet, für Banken und Unternehmen bürgt. Damit greift der Staat massiv in freie Märkte ein, wenn es freie Märkte überhaupt noch geben sollte. Zudem garantiert der Staat einen gewissen Lebensstandard seiner Bürger, indem er Leuten, die nichts zu arbeiten haben oder nichts arbeiten wollen, ein auskömmliches Leben.

Die Entscheidungen gehen soweit, dass die Bundesagentur für Arbeit die Sozialversicherungsbeiträge für Unternehmen ab dem siebten Monat übernimmt, untermal mit entsprechendem Getöse des Wahlkampfes, wo Versprechungen abgegeben werden, die keiner nach der Wahl mehr halten kann, ohne den Staatshaushalt zu ruinieren. Statistische Änderungen in den Arbeitsmarktzahlen suggerieren, dass es gar nicht so schlimm aussieht. Welche Krise? Vor den Bundestagswahlen darf davon nichts in den Köpfen ankommen, auch wenn sich diese Stimmungskanonen als sehr teuer herausstellen werden.

…und die Folgen

So verbleiben Überkapazitäten im Markt, die bereinigt werden müssten. Die Leute geben gerade Geld aus, statt es zu sparen. Die Lernkurven bleiben flach, was zu Fehlentscheidungen führen muss. Und es führt auch zu Fehlallokationen von Kapital an den Finanzmärkten.

Auf der anderen Seite ist es irgendwie logisch, dass leere Lager wieder aufgefüllt werden. Dinge des täglichen Bedarfs werden immer nachgefragt. Nach einem massiven Absturz wäre eine Gegenreaktion doch nur allzu normal. Etliche Unternehmen sehen in den letzten Tagen die Talsohle. Auch in einer Krise gibt es eine Wirtschaft.

Vorsicht vor Dartpfeilen

Es fällt schwer, irgendetwas im Moment zu glauben. Inzwischen werden Ökonomen in Frage gestellt, die von einer „Krise“ nichts haben kommen sehen und zurzeit wieder im Nebel stochern. Die armen Ökonomen. Im Grunde genommen arbeiten sie doch mit Daten und Zahlen, die sie in die Irre haben führen müssen. Es wäre an der Zeit, dass sie nach den richtigen Daten fragen und diese einfordern – Daten, die eher im Einklang mit den Dingen stehen als mit den Interessen derer, die sie veröffentlichen. Wenn man Volkswirte fragt, ob es wirklich nur 3,4 Milo. Arbeitslose gibt, nicken die meisten. Manche zweifeln auch, das aber nur inoffiziell. Die Aufgabe vieler Experten scheint oft darin zu bestehen, gute Nachrichten zu finden und aus vorhandenem Datenmaterial Prognosen abzuleiten, die dem Chef gefallen, aber unrealistisch sind. In einer Überschuldungskrise funktionieren Navigationsgeräte nicht. Wie sollten sie das auch, wenn diese von starken Magneten umgeben sind.

DAX 3000?

Und dann trifft die Börse die Wirklichkeit, wie geschehen in den letzten Tagen. Der DAX hat am Montag vor einer Woche ein Verkaufssignal gegeben, und dieses weiter zügig abgearbeitet. Kommt Kaufinteresse bei 4.650 Punkten auf? Oder bei 4.400 Zählern? Jedenfalls sind Aktien heute preiswerter als vor einer Woche. Sind sie im Vergleich zum Jahresende auch noch preiswert? Ich weiß es nicht, vermute aber, Aktien sind besser als Anleihen. Durch das Ausgabeverhalten der Staaten entwickeln sich Anleihen nach und nach zu Subprime. Schuldenbremsen sind Nebelkerzen. Außer verbaler Akrobatik ist nichts zu sehen, was den globalen Schuldenberg kleiner werden ließe. Im Gegenteil. Mehr und mehr Schulden müssen aufgenommen werden, um dieses Wachstum, zu dem wir uns verdammt haben, aufrecht zu halten.

Edelmetalle sind in den letzten Tagen deutlich unter Druck gekommen. Metallhändler berichten von einem fast schon ruinösen Konkurrenzkampf zwischen den Anbietern, was die physischen Preise zum Vorteil der Kunden stark unter Druck brachte. Zudem steht in dieser Woche eine Sitzung der amerikanischen Notenbank an. Aus Erfahrung der letzten Monate weiß man, dass Gold und Silber zuvor „subventioniert“ werden.

Unterm Strich weiß keiner, wie sich diese Situation auflöst und wann sie es tun wird. Vielleicht ist es gar nicht so dumm, den Sommer zu genießen und an den Märkten in Deckung zu bleiben – dabei nur manchmal auf die Kurse zu schauen. Wenn es sein muss, dann würde ich immer genau das Gegenteil tun von dem, was in den Zeitungen steht. Das sagt der hoffentlich gesunde Menschenverstand.

Hinweis… Was Neues gibt es auch in der Gehrtnerei

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