China: „Zuerst wir!“

10. Januar 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

Dietmar Siebholz ist vielen Gold – und Silberbugs mit seinen Beiträgen bekannt. Er war einer der ersten, der vor zehn Jahren auf die Entwicklungen von Gold und Silber aufmerksam gemacht hat. Gleiches kann man ihm auch im Bereich der Seltenen Erden nachsagen, die gerade ein mediales Hoch erleben und für Schwierigkeiten in der Industrie sorgen. Siebholz sah eine weitere Sache voraus: Den Aufstieg Chinas. Vor zwei Jahren ist er nach Mittelamerika ausgewandert. Ein Interview mit ihm…

Dietmar, Sie sind nach Lateinamerika ausgewandert. Was hat Sie dorthin verschlagen? Das Wetter?

Lacht… Zwei Dinge haben mich ins Ausland verschlagen: Zum einen hatte ich geschäftlich viele Verpflichtungen jenseits von Deutschland. Und da ich sowieso schon pensioniert war, ein paar dicke gesundheitliche Probleme hatte und mit der Kälte in Deutschland nicht klar kam, sagte ich, dass das die Gelegenheit ist, weg zu gehen. Ich habe meine Immobiliengeschäfte in Deutschland, soweit es möglich war, zu Ende gebracht und habe mich verabschiedet. Ich habe Freiheit gewonnen, bin auch etwas gesünder geworden. Ob ich mal wieder zurück komme oder hin und her fliege, wird die Zukunft zeigen.

Wie würden Sie den Unterschied zwischen Deutschland und Lateinamerika beschreiben, dort wo Sie sich gerade aufhalten? Sie hatten damals im Sommer geschrieben, dass der Grund des Weggangs aus Deutschland auch etwas mit Krisenvorsorge zu tun hatte…

Stimmt. Wenn ich den Verfall in Deutschland sehe, und das ist für jeden offensichtlich. Spätestens seit Anfang Mai so gegen meinen Geburtstag herum wissen wir, dass die Verträge von Maastricht und Lissabon gebrochen wurden. Diese Entwicklung hat mich vor zwei, drei Jahren schon mal so gekennzeichnet, dass ich eine neue Partei gegründet hätte, wenn ich 40 Jahre jünger gewesen wäre. So habe ich mich gefragt, warum ich mir das antun muss und bin dem Problem aus dem Weg gegangen. Die heutigen Probleme sah ich damals erst in fünf, sechs Jahren kommen. Nun sind sie da. Wenn wir künftig über die anderen Länder ausgebeutet werden und ausbluten, werden wir in Deutschland nicht umhin kommen, dass wir sogar vielleicht bürgerkriegsähnliche Zustände bekommen. Das mag komisch klingen. Ich sehe doch, wie die Leute nicht verzichten können und man jetzt schon probiert, sie über Abzockprogramme zu „entreichern“. Das wird nicht ohne Schwierigkeiten gehen.

Die Leute denken, dass es hier, also in Paraguay, in Kolumbien, in Brasilien und in Panama, um einige Beispiel zu nennen, chaotische Verhältnisse gibt. Ja, das stimmt. Doch sind die Verhältnisse im Vergleich zu Deutschland viel liebenswürdiger, viel angenehmer. Aber die Steigerungsmöglichkeiten, die wir hier haben sind unendlich größer als in Deutschland. Ich, der jetzt bald 69 Jahre alt sein werde, muss mich ja daran orientieren, was in den kommenden fünf Jahren passiert. Hier wird sich wenig ändern. Die Manana-Haltung (also „morgen“) ist hier immer die Gleiche, aber es funktioniert. In Deutschland wird sich vom derzeitigen Status aus vieles extrem verändern, das Chaos wird in Deutschland viel grösser werden als es hier je sein wird. Es ist also ein Vergleich des Potentials der Chaossteigerungen, wenn Sie mich verstehen.

Sie hatten damals 2004 einen Artikel geschrieben mit 13 Thesen, wie die Chinesen auf dem Weg sind, sich von den Amerikanern des Empire zu holen. Hier für die Leser noch einmal ihre 13 Punkte…

1.Halte die chinesischen Arbeitskosten niedrig, um weltmarktfähig zu bleiben.

2. Übernehme in der ersten Phase einfache, aber personalintensive Arbeiten, die anderswo nicht so günstig erledigt werden können.

3. Mit stark wachsender Wirtschaft werden sich die anderen Volkswirtschaften darum bemühen, in Deinem Lande zu investieren.

4. Lasse die Ausländer investieren, gib ihnen aber nicht die Macht über die Unternehmen.

5. Binde Deine Währung fest an die Welt-Leitwährung, um sich so den Export in das Land der Welt-Leitwährung zu sichern.

6. Lasse fremde Investitionen nur dann zu, wenn gleichzeitig damit ein interessantes Know-How übertragen und für Dein Land verfügbar wird.

7. Versuche, über die Kostenvorteile eine Marktbeherrschung in Deinen Export-Zielländern zu erreichen. Zerstöre damit die Produktionskapazitäten Deines Exportpartners und mache ihn abhängig von Deinen Lieferungen.

8. Verängstige Deinen Exportpartner nicht, indem Du Deine Exporterlöse sofort in andere Währungen oder Edelmetalle umtauschst, sondern lege diese Gelder liquide und zinsbringend in dessen Staatsanleihen an; Dein Partner wird Dir dafür dankbar sein.

9. Analysiere genau, was Du noch zu Deiner Unabhängigkeit brauchen kannst, z.B. den Zugriff auf die erforderlichen Energiequellen und Rohstoffe.

10. Kaufe mit Deinen Exportüberschüssen die für Deine Wirtschaft erforderlichen Ressourcen, möglichst aber nicht im Lande Deines Exportpartners, sondern in anderen Ländern, denn sonst bist Du wieder in einer abhängigen Position.

11. Wenn Du Dich eines Tages stark genug fühlst, Du Dir ausreichende Ressourcen gesichert hast, dann gebe Deine Währung frei und fordere von Deinen Exportpartnern höhere Preise für Deine Waren. Dein Exportpartner wird in der Zwischenzeit seine Produktion wegen der von Dir jahrelang praktizierten Dumpingpreise entweder ververlagert oder eingestellt haben.

12. In der Zwischenzeit wird sich durch Deine hohen Überschüsse auch im eigenen Lande die Nachfrage so gesteigert haben, dass Du erhebliche Teile Deines Produktionsvolumens im eigenen Lande für den Konsum einsetzen kannst.

13. Wenn Du jetzt noch Deine verbliebenen Währungsreserven (in der Währung Deines Exportpartners) gegen andere und stabilere Währungen, eventuell sogar gegen Edelmetalle tauschst, dann kannst Du Deinen Exportpartner beherrschen. Du hast die Produktionskapazitäten, die Rohstoffe und Ressourcen und kannst über den Verkauf Deiner Währungsreserven Einfluss auf das Land der Welt-Leitwährung nehmen.

Wie weit ist denn Ihre Liste inzwischen abgearbeitet?  ——->

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10 Kommentare auf "China: „Zuerst wir!“"

  1. BohDerBaer sagt:

    Bin der Erste, der den Registrierbutton unten erwischt hat? Brummende Grüße

  2. Frank Meyer sagt:

    Gratulation, Bär, Du bist der Erste. Willkommen!

  3. Jens Blecker sagt:

    Dann sage ich mal als dritter : Alles Gute Frank und Rott 😉

  4. p.koslowski sagt:

    Gute Ergänzung zu dem voran gegangen Artikel zum Thema Graphit… Danke

  5. holger sagt:

    Herr Siebholz

    sollten Sie hier mitlesen, dann gratuliere ich Ihnen zu den 13 Punkten. Jedem zu 100% was die Chinesen betrifft… Zustimmung. Diese Punkte erinnern mich stark an Konfuzius.

    Punkt 13: …Du hast die Produktionskapazitäten, die Rohstoffe und Ressourcen und kannst über den Verkauf Deiner Währungsreserven Einfluss auf das Land der Welt-Leitwährung nehmen.

    Nicht nur das. Zusätzlich eben auch noch, die strategisch wichtigen Welthandelspartner (eben jetzt vorzugsweise in Europa) aus der „Portokasse“ aufkaufen. Und das mit einem Papier, was immer weniger Wert ist. Krass gesagt: Der Ami läuft hinter Foodstamps hinterher und der Chinese, geht mit ca. 2.800 Mrd. USD Devisenreserven Shoppen und das weltweit. Aber das haben Sie ja schon gesagt. Ich denke nicht, dass man das 1913 bei der Gründung der Fed bedacht hat. Und ich denke auch nicht, dass das der Greenspan für möglich gehalten hätte. Man muss sich mal die Dimensionen vorstellen, über was für ein Guthaben die Chinesen verfügen. Wenn das so weiter geht, haben die bald, 50% der weltweiten Devisenreserven in USD (ca. 7.000 Mrd. USD) in der Hand.

    Man sollte womöglich das Brett-Spiel „GO“ lernen.

    Klasse Interview.

  6. holger sagt:

    übrigens der Herr Stuttmann (danke unwissender vom Hofe WGN 😀 ) hat sich in einer Zeichnung auch so seine Gedanken gemacht.
    http://www.stuttmann-karikaturen.de/archivseq.php?id=3880

  7. Optimist sagt:

    Dietmar Siebholz hat eine sehr sachliche und objektive Analyse im Sinne von Laotse dargestellt.
    Was machen die Chinesen anders als der Westen?
    Sie haben die Wirklichkeit grundsätzlich ersteimal angenommen, um sich dann selbst zu ändern, statt Änderungen von Außen zu fordern oder zu erzwingen. Man kann natürlich auch die Wirklichkeit bekämpfen und Krieg führen, so wie es die Amerikaner mit ihren Vasallen seit Jahren tun. Die absichtliche NATO-Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad 1999 ist diesbezüglich ein Schurkenstück, das bei den Chinesen eine latente Wachsamkeit über den Charakter der NATO bewahrt. Der Westen hat jahrelang seinen eigenen Schatten verdrängt und sich seit 1989 potenziert an Hochnäsigkeit und Anmaßung übertroffen. Nun ist er herausgefordert, unvorbereitet den Akt der Schattenintegration zu vollziehen. Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit.

  8. holger sagt:

    Es ist erstaunlich, was die Chinesen so alles machen. Das sie in Afrika investieren ist ja bekannt oder sollte bekannt sein. Das entspräche dem Punkt 9 von Herrn Siebholz. Wenn es nicht bekannt ist, hier ein Beispiel:

    Die weisen Chinesen haben sich auch in Bezug auf Sudan eine sehr weise Position ausgewählt. Sie haben es geschafft, sowohl mit Khartum als auch mit Dschuba positive Beziehungen zu pflegen, und genießen jetzt die Gunst sowohl der Nord- als auch der Südsudanesen. Peking hatte keine Angst vor dem Bürgerkrieg und der Unzuverlässigkeit der Kriegsseiten und investierte kolossale Gelder in die sudanesische Infrastruktur: Straßen und Pipelines, Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten, Sportanlagen und Einkaufszentren. Chinas Investitionen beliefen sich in den letzten 15 Jahren auf gut 15 Milliarden Dollar.

    Nachdem der US-Ölriese Chevron Sudan verlassen hatte, übernahm die Chinesische nationale Ölkorporation CNPC seinen Platz. Erst vor zwölf Jahren war in Sudan kaum etwas von China zu merken. Jetzt aber entfallen auf die Volksrepublik etwa 50 Prozent des ganzen sudanesischen Exports. Sie ist an allen vier Konsortien beteiligt, die das Öl im Norden und im Süden erschließen. An drei davon beträgt Chinas Anteil 40 bis 47 Prozent und am vierten gar 95 Prozent. Es hat bereits die Leitungen aus dem Süden zum Ölhafen Port-Sudan gebaut und entnimmt jetzt 65 bis 80 Prozent des täglich geförderten Öls – und niemand kann seine Positionen anfechten.

    Quelle: http://www.de.rian.ru/opinion/20101231/258026493.html

    Hier sei aber noch anmerkend geschrieben, dass der Sudan sich gerade trennt und es wohl auch getan wird. Das Volk entscheidet momentan in einem Referendum darüber. Mich würde es nicht wundern, dass der arme Südsudan (in etwa so groß wie Frankreich…christlich geprägt), dem auch noch die Schulden erlassen werden vom Norden (muslemisch), zu einem blühenden Land (dank der China USD) in Afrika aufsteigen wird.

    Die Länder, in denen die Chinesen investiert sind, werden nicht fallen gelassen. Sie werden alle einen gewissen Wohlstand erhalten. Der Chinese ist kein „kapitalistischer“ Raubvogel. Man kann es drehen und wenden wie man will. Die so genannte Finanzkrise hat diese Dimensionen richtig sichtbar werden lassen. So nackt stand der „Westen“ noch nie da, wie jetzt. Und da denke ich, dass es einige Entscheidungsträger in Wirtschaft, Politik, die Sprache verschlagen hat. Wer sich erinnert… Geithner ist vor einigen Monden in China von Studenten ausgelacht worden. Zu Recht? Naja, wenn man in der peinlichen Situation „friss oder stirb“ sich befindet und Forderungen stellt, kann das schon mal für Heiterkeit unter den Anwesenden sorgen.

    Für die USA gibt es keine andere Lösungsmöglichkeit, als dem Spiel ohne Möglichkeit der Veränderung zu zu schauen. Egal was sie machen. Sie können nicht den Dollar hochgehen lassen. Dann tritt der Renminbi an seine Stelle. Die Importe in die USA würden auf einen Schlag immens teuer. Was dann in den USA los sein wird, mag ich mir gar nicht vorstellen wollen. Lassen die USA den Dollar bestehen, freuen sich die Chinesen weiterhin einkaufen gehen zu können, mit dem wertlosen Dollar und verschieben das Dollarproblem in die Investländer. Ben Bernanke bleibt nichts anderes übrig, als weiterhin das Dollar „drucken“. Die US Wirtschaft verfügt gar nicht mehr über den industriellen Output incl. Infrastruktur (Mensch, Maschine, Material), um die ausländischen Gläubiger zu befriedigen. Die US Firmenstruktur ist globalisiert. Wenn Obama exportieren möchte, dann bleibt nur ein Weg: Die „US“ Firmen müssten nach Hause kommen. Die Möglichkeit bestünde vermutlich aber nur zu 0,000001%.

    Und ganz ehrlich, ich gönne den über 1.000 Millionen Chinesen diesen Schritt aus der vormals, jahrelangen Isolation. Und was die so genannten „Menschenrechte“ betrifft, das wird sich da auch noch Step by Step ändern.

    Was man in Sachen Europa machen sollte? Vielleicht sollte man sich irgendwann mal einig sein, wohin der Kahn schippern soll.

    Die Europäische Union hat ca. 500 Millionen Einwohner – die drittgrößte Bevölkerung der Welt nach China und Indien.

    Der Anteil der Industriestaaten an der gesamten Weltbevölkerung sinkt aber stetig, von ca. 30% im Jahre 1960 auf ca. 16% im Jahre 2005. Im Jahre 2010 waren es wohl nur noch ca. 14%.

    Der Chinese hat nun die Wahl, und der Würfel wird wohl pro Europa fallen. Hinzu kommt aber noch die wichtige Frage der NATO. Was passiert mit der, wenn die USA und der USD irgendwann mal ausfallen sollten? Alle Anzeichen der letzten Zeit, deuten auf ein Eurasien hin. DE + RU + CH. Das komische an DE ist ja, dass DE immer der Brückenkopf für dritte in Europa ist. Geographisch wird sich das wohl auch nicht so schnell verändern. Weiterhin kann man nun beobachten, dass die Südflanke Europas von den Chinesen strategisch besetzt wird (Mittelmeerhäfen & Zugang schwarze Meer). Das passt genau in das Bild wie der Brückenkopf Sudan, der den Zugang zum Suez Kanal sicher stellt.

    Wenn man nun das alles im Kontext betrachtet, Annäherung der „EU“ Nato an Russland, die Ostsee Pipeline, die Aktivitäten Chinas um Europa herum, die Ohnmacht der USA mit ihrem USD, das Durcheinander in der EU, Russland und China wickeln ihre Geschäfte in Rubel und Renminbi direkt ab. Dann kann man doch wohl zu der Annahme gelangen, dass irgendetwas größeres sich abspielt und die Weltmacht USA immer kleinere Brötchen backen muss. Und bezahlen tut das auch noch die Bevölkerung der USA.

    Faszinierend

  9. rolandus sagt:

    Jetzt, nachdem ich auch den reg. Button gefunden hatte sende ich an die Blogwärter noch mal einen Herzlichen Glückwunsch und nach Panama ein Frohes Neues Jahr an die „Berliner Schnauze“ mit Weitsicht ,-)

    Viel Erfolg wünscht
    rolandus

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