Folker Hellmeyer: “Popo retten kostet Geld”

12. Januar 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

Ohne die Billionenbeträge hätte sich die Welt 2008/09 höchstwahrscheinlich weiter gedreht, aber auf ihr wahrscheinlich kaum noch etwas. Nutznießer waren vor allem die Banken. Die international tätige Bankenaristokratie hätte man zerschlagen sollen, meint Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. Ein Interview mit ihm…


Folker, erst mal vielen Dank, dass Sie sich wieder die Zeit für ein Interview genommen haben. Wenn man sich gerade so umschaut und umhört, sind Sie fast der einzige, der noch etwas auf den Euro gibt. Ist das mehr als antizyklisches Denken?

Das ist auf jeden Fall mehr als antizyklisches Denken. Der Euro wird momentan spekulativ attackiert. Diese Attacken sind sachlich nicht ansatzweise gerechtfertigt. Ich nehme die Position ein, dass die Eurozone vorbildlich reagiert. Die Budgetdefizite, die aufgrund der globalen Finanzkrise hier entstanden sind, sind summarisch gesehen im Vergleich zu den anderen Wirtschaftsräumen am geringsten. Das waren 2009 insgesamt 6,5 Prozent der Wirtschaftsleistung und 2010 im Bereich von 6,2 Prozent. Das ist immer noch sehr viel, aber im Vergleich zur USA, die zwischen zehn und zwölf Prozent oszillieren, gegenüber Japan, die bei zehn und neun Prozent liegen – oder gegenüber Großbritannien, die jenseits der 12-Prozent-Marke liegen, ist es mehr als nur ein relativer Erfolg. Es ist schon interessant, dass nur die Eurozone im Zentrum der Attacken steht. Dazu gehört wohl eine gute Portion kognitiver Dissonanz …

Fraglos gibt es bei uns eine Divergenz zwischen den unterschiedlichen Teilnehmerländern an der Eurozone. Hier ist die Betrachtungsweise notwendig, wo die Schuldentragfähigkeit der kritischen Länder liegt. Dazu hat der IWF im September letzten Jahres klare Daten geliefert: Die Schuldentragfähigkeit Irlands liegt bei 250 Prozent der Wirtschaftsleistung. Bei Spanien und Portugal liegen diese Grenzen bei 220% der Wirtschaftsleistung. Bei allen drei genannten Ländern werden wir laut Berechnung des IWF im Jahre 2015 Schuldenstände von circa 90 Prozent haben. Übrigens haben die USA heute schon ein Defizit von 96 Prozent der Wirtschaftsleistung. In Griechenland ist es etwas enger. Per 2015 sollen wir bei 160% Staatsverschuldung liegen. Die Schuldentragfähigkeit ist laut IWF bei 200% angesiedelt.

Der entscheiden Punkt ist, dass wir in Europa Reformen umsetzen. Und das sind die stringentesten Reformen, die es in der Geschichte der Industrienationen gegeben hat. Solche Reformen sind noch nie fehl geschlagen. Es gibt keinen Grenznutzen, diese Länder aus der Eurozone zu nehmen, denn damit werden nicht nur die Probleme dieser Länder nicht gelöst. Sie müssten in einer Hartwährung ihre Schulden zurück zahlen, während sie eine Weichwährung besitzen. Für Deutschland wäre es auch kein Erfolg, weil 50-60% der Exporte nach Europa gehen. Sie würden nachhaltig gestört. In Europa gibt es keine Gewinnersituation, wenn der Euro scheitert. Einziger Gewinner wären die USA, da ihr Hegemoniatstatus durch fremde Schwäche und nicht eigene Stärke forciert würde.

Was sagen Sie zu den Chinesen, die in der europäischen Politik inzwischen auch mit herum mischen?

Das ist für mich ein weiterer wesentlicher Punkt für meinen Optimismus für die Eurozone. China im Gegensatz zu den Finanzplätzen London und New York steht stringent an der Seite Europas. Das fing 2009 mit der Unterstützung Russlands nach den damaligen Angriffen auf Osteuropa seitens New York und Londons, wo auch die Eurozone in Mitleidenschaft gezogen worden ist, an. Das ging weiter über den Kauf diverser Häfen Chinas in Griechenland, über den Ankauf von Bonds der Griechen, Portugiesen und Spanier und letztendlich auch Käufen von Euro im Bereich von 1,20. China hat zudem am Dienstag noch betont, dass man Länder wie Spanien und Portugal weiter unterstützen wird. Wenn die zweitgrößte Nation der Weltwirtschaft, die im Gegensatz zu den USA finanziell stark und unabhängig ist, an der Seite Europas steht, kann ich nur sagen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Spekulation aus London und New York erfolgreich sein wird, recht überschaubar ist.

Also ist das ein Ablenkungsmanöver? Aber ein recht erfolgreiches…

Eindeutig. Spekulationen oder Marktineffizienzen können länger andauern, als es sachlich geboten ist. Und genau solch eine Konstellation sehe hier derzeit. Wir haben in unserem Jahresausblick geschrieben, dass wir 2011 positive Überraschungen gegenüber der jetzigen Erwartungshaltung im Hinblick auf die Reformländer erwarten. Ich gehe fest davon aus, dass im zweiten Halbjahr 2011 eine Neubewertung, die nachhaltig anders ausfällt als die aktuelle Diskontierung, am Finanzmarkt bezüglich der Reformländer ansteht.

Wenn man auf die Politiker schaut, liegen die meisten davon auf dem Rücken und kreischen…

Die Politik ist sicher eine Achillesferse der Eurozone. Hier werden unterschiedliche Lösungsansätze forciert. Wenn wir einmal die deutsche Position von Frau Merkel nehmen, dagegen Herrn Juncker setzen und dann auch noch unseren Freund Sarkozy in Frankreich berücksichtigen, dann mangelt es hier bisweilen an einer Homogenität. Aber der entscheidende Punkt ist für mich, dass bei jeder virulenten Krise schlussendlich das Richtige getan wurde.

Die Attacken hat man ja sehen können. Bloß wer steckt dahinter? Es gibt immer wieder Vermutungen? Oder kennen Sie die Adressen?

Ich kann solche Adresse nicht öffentlich machen, aber ich darf soviel sagen, dass ich zu diesem Personenkreis durchaus einen Zugang habe. Ich möchte einfach darauf verweisen, was 1992 während der EWS-Krise passierte: Die Kreise, die sich seinerzeit einzeln in kartellrechtlich anfechtbarer Art und Weise europäische Länder ausgesucht haben, diese Länder und dann auch das europäische Währungssystem zerlegt haben , sind heute nur in anderen Unternehmensmänteln wieder unterwegs. Sie sehen das als ein „sportliches“ Thema an. Ich will nicht ausschließen, dass politische Interessen dahinter stehen können – partiell zumindest, denn es geht auch darum, die USA, die sich überhaupt nicht um Reformen scheren, aus dem Fokus der Märkte zu halten.

Also wäre ein schwarzer Schwan aus der Ecke oder vielleicht auch aus der japanischen Richtung möglich, wenn die Eurozone aus dem Fokus gerückt sein wird?

Das halte ich für möglich. Was Amerika anbetrifft, nicht so sehr wie bei Japan. Bei Japan ist ein nachhaltiges Risiko für das globale Finanzsystem nicht gegeben. Japan ist im Grunde genommen eine finanzielle Binnenwirtschaft, die nach außen vom Finanzmarkt her zumindest, keine großen Infektionsherde bietet. Bei den USA ist das anders. Aber auch bei den USA kann ich den schwarzen Schwan nicht erkennen. Schauen wir zurück auf das Jahr 2008/09. Die globale Weltgemeinschaft, G-30 insbesondere, hat ein Interventionsprogramm von 33.500 Milliarden Dollar aufgeboten, um die jetzige Stabilisierung der Weltkonjunktur und der Märkte ins Leben zu rufen. Und da lässt man wegen Griechenland mit einer Staatsverschuldung von 375 Milliarden USD oder einer anderen Problematik nicht einen solchen Erfolg schlussendlich kaputt gehen.

Darüber hinaus: Zu den USA ist zu konstatieren, dass die Gläubiger des Landes kein Interesse erkennen lassen, weder in China, in Russland noch in Europa, Amerika von heute auf morgen fallen zu lassen. Das heißt, Amerika hat aufgrund seiner Schuldensituation (lacht..) einen speziellen Status, der die G-30-Veranstaltungen dazu anregt, evolutionäre Wege aus dieser US-Krise zu suchen.

Welche evolutionären Wege bleiben den Amerikanern denn übrig, als über eine noch modernere Technologie die Druckerpressen zu bedienen?

Das „Gelddrucken“ ist eine temporäre Facette des ganzen Spiels. Amerika wird in den nächsten 36 Monaten gezwungen sein, nachhaltige Reformen zu implementieren. Ansonsten wird das Problem in Richtung 2013/2014 in der Tat größer, dass ein schwarzer Schwan entsteht, aber nicht auf der kurzfristigen Sichtweise…

Wie würden Sie denn das Problem anpacken, wenn Sie etwas zu sagen hätten in der Politik?

In Amerika würde ich eindeutig einen Weg beschreiten, das produzierende Gewerbe nach Amerika zurück zu holen. Das heißt Anreize bieten für internationale Konzerne, Produktion in die USA zu verlagern. Das große Problem der US-Wirtschaft ist, dass sie unausgewogen aufgestellt ist. Nur neun Prozent stellt der produzierende Sektor dar. Bei Industrienationen liegt der Durchschnitt bei 14 Prozent. Deutschland liegt bei 20 Prozent. An dieser Achillesferse muss man arbeiten. Darüber hinaus würde ich wohlhabende Amerikaner so besteuern, dass sie auch den Obolus zahlen, der angemessen ist im Rahmen einer sozialverträglichen Gesamtsteuerpolitik.

…und wenn Sie mal kurz mit Frau Merkel wechseln würden?

Bei Frau Merkel wünsche ich mir, dass sie stärker erkennt, dass der Erfolg der Bundesrepublik Deutschland eindeutig korreliert ist mit dem Erfolg der Eurozone. Insofern wünsche ich mir von ihr, dass sie weniger nassforsch mit Äußerungen in die Öffentlichkeit tritt, die auf die Stimmungslage der Innenpolitik abzielen, sondern dass die nachhaltigen Maßnahmen, die zu treffen sind, in der Eurozone diplomatisch so vorbereitet werden, dass das ganze Verhalten homogener auf die Weltgemeinschaft und auf die Weltfinanzmärkte wirkt. Dann wäre uns schon etwas geholfen. Grundsätzlich unterstütze ich sie, dass die Sündenländer massiven Reformen unterworfen werden müssen und darüber hinaus auch ein Mechanismus entsteht, der eine Drohkulisse bietet, dass es nicht wieder zu einer Pinocchio-Politik nach dem Motto Griechenland kommen kann.


Wieso gehen Sie eigentlich nicht in die Politik? Viel schlechter als das, was man gerade sieht, können Sie bestimmt nicht sein… (lacht)

Die Politik ist sicherlich ein interessantes Feld, aber ich kann im Moment nicht erkennen, das dort ein sinnvoller Platz gegeben ist. Vielmehr ist mein Platz hier bei der Bremer Landesbank genau der Richtige, wo man kritische Töne liefern darf und kann. Und da bin ich meinem Vorstand sehr dankbar, dass man mir hier nicht in die Parade fährt.

Die Politik wird nicht müde zu behaupten, sie rette den Euro. Retten sie nicht in erster Linie die Bankbranche, indem sie die Steuerkraft der Bevölkerung benutzt, um die Schuldner zu schützen?

Das ist auf den ersten Blick absolut richtig. Wir haben eine Konstellation, wo in der Tat die Banken als primäre Profiteure auftreten. Aber es greift zu kurz. Würden wir diese Banken fallen lassen, hätten wir eine Situation, in der ein systemisches Risiko sogar noch größer als in der Lehman-Pleite aufträte – und damit wäre der Steuerzahler über eine massive Rezession oder eine Depression noch viel tiefer getroffen.

Die Art und Weise, wie wir derzeit mit den Mitteln umgehen ist richtig. Als Beispiel: Ich hatte vorhin 33,5 Billionen USD Interventionsvolumen in der Spitze der Krise genannt, das von G-30 aufgeboten worden ist. Wir nutzen heute davon noch ein Drittel. Wir sehen sogar, dass Beteiligungen des Staates für den Steuerzahler erfolgreich sind. Diese Interventionen, die sehr stark über Bürgschaften und Garantien des Steuerzahlers laufen, sind gesamtökonomisch gesehen richtig, obwohl es spezifisch gesehen, für die Banken unangemessen ist. Durch diese Maßnahmen werden schlussendlich Täter geschützt. Und wir haben heute noch zu viele Täter, die sich in meiner Branche bemühen, die Wohltäter von morgen zu sein. Das ist bedauerlich. Und es ist auch bedauerlich, dass im Rahmen dieser globalen Finanzkrise die Möglichkeiten, die international tätige Bankenaristokratie zu zerschlagen, nicht genutzt worden sind.

Wird das irgendwann passieren?

Das ist sicherlich von mir eine Wunschvorstellung. Diese Krise hatte die Chance geboten, aggressiv, nachhaltig und international abgestimmt, diese Bankenaristokratien auf Größenordnungen zurück zu stutzen, die mit der Haftungsmasse der nationalen Volkswirtschaften, die für sie bürgen, im Einklang steht. Diese Chance ist nicht genutzt worden, sondern man versucht es über Regulierungen zu machen. Diese Regulierungen sind aber nur so gut wie die Regulierer. Für die nächsten zehn Jahre sehe ich einen Unfall, wie wir ihn jetzt erlebt haben, nicht auf der Agenda, bedingt durch die Neuregulierung. Aber wir hatten auch früher Regulierungen, die unterlaufen worden oder sind weich gewaschen worden. Für mich ist die Darstellung eines ordnungspolitischen Rahmens, der belastbar ist, in dem eine Bankenaristokratie zerstört wird. sinnvoller, als das, was wir derzeit machen.

Ist das nicht der Beweis, dass Banken regieren und nicht die Politik?

Das kann man in der Tat so sagen. Wenn wir uns anschauen, dass die Bundesregierung innerhalb von 14 Tagen ein Paket von 480 Milliarden Euro zusammenstellt – zwei Bundeshaushalte – zugunsten des Finanzsektors, dann entsteht hier wirklich der Eindruck, dass hierarchisch organisierte Banken, die global tätig sind und keine nationale Loyalitäten mehr haben, nationale Politiken von demokratischen Gesellschaften dominieren. Das ist mittel bis langfristig ein Risiko, was in Strukturen, die wir aufrecht erhalten, gegeben bleibt.

2010 war das Jahr des „Wutbürgers“. Kann man denn permanent eine Politik gegen den Bürger machen, wo die eigentlichen Befehle aus einer Zentrale in Brüssel kommen, die nicht nur weit entfernt der Heimat angesiedelt ist, sondern durch Bürokratie, Dummheit und auch Dreistigkeit kaum Rückenhalt im europäischen Volk hat?

Diese Frage ist sehr diffizil und hat viele Facetten. In der jetzigen Krisensituation, war es richtig, die Stringenz Brüssels zu leben. Wut der Bürger hin oder her, die jetzige Erholung ist Konsequenz dieser Intervention. Der Bauchnabel der Bürger verführt bisweilen zu unangebrachter Emotionalität.
Mittel/langfristig gilt es für Europa, dass die Prozesse demokratischer werden, dass eine EU-Kommission sich schlussendlich auch demokratisch verantworten muss. Der Weg, der durch diese Krise aufgezeigt wird, geht in Richtung einer europäischen Gesamtregierung. Das bedeutet natürlich, dass nationale Machtpotentiale schlussendlich aufgegeben werden müssen. Aber ein demokratisch organisiertes Gesamteuropas ist meines Erachtens nicht die schlechteste Idee.

Kritiker sagen, dann sind wir direkt auf dem Weg in den Sozialismus…

Das muss nicht notwenig so sein. Der Sozialismus, so wie man ihn negativ beschreibt, ist sicherlich eine Gefährdung, die für Europa unter solchen Umständen drohen kann, insbesondere wenn man die Wahlmodalitäten so gestaltet, dass die kleineren Länder ein hohes Mitspracherecht haben. Ich glaube vielmehr, dass die ökonomische Vernunft, weiterhin ein kapitalistisches System mit sozialem Antlitz forcieren wird. Das ist die für mich wahrscheinlichste Option, die es jetzt in den nächsten zehn Jahren gibt.

Man weiß ja nicht, was da alles noch kommen mag. In Anbetracht der Möglichkeiten, dass der Euro scheitert – wie sieht Ihrer Meinung nach ein „sich um sein Geld kümmern“ aus?

Ich sehe nicht, dass der Euro scheitert. Aber wenn es so wäre, bedeutet es, dass man sich in Richtung realer Werte organisieren muss. Das ist ein Thema, das ich mittlerweile seit zehn Jahren bewege. Vor zehn Jahren habe ich das erste Mal gesagt, dass Edelmetalle in jedes Portfolio gehören. Reale Werte sind auch Rohstoffe, Immobilien aber auch Aktien und Unternehmen. Ich möchte noch mal betonen. Ich bin sehr optimistisch für die weitere weltwirtschaftliche Entwicklung. Und das ist übrigens auch einer der Gründe, warum ich für Europa optimistisch bin. Die weltwirtschaftliche Entwicklung gibt den Reformländern Rückenwind. Daher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Euro scheitert, eher gering. Aber das Finanzsystem bleibt weiterhin schwach und angeschlagen. Reale Werte bleiben das Medium, das man hier wählen sollte, auch bezüglich der Ökonomie. Nach meiner Ansicht werden wir in ein sehr viel inflationäreres Umfeld gehen, als es derzeit erwartet wird. In einem solchen Umfeld bieten reale Werte die besten Schutzmechanismen vor Entwertung des Kapitals.

Schauen wir in die Peripherie Europas. Die Zinsen sind in Griechenland und Irland im Bereich der Todeszone, in Portugal und Spanien nicht weit davon entfernt. Die gleichzeitigen Sparanstrengungen zeigen, dass die Länder eine Rezession fallen. Würden Sie weitere Unruhen dort wundern?

Es gibt viele Demonstrationen. Und das ist auch gut so. Die Bevölkerung, die in ein solches Reformprogramm gezwungen wird, leidet. Das ist gar keine Frage. Eine leidende Bevölkerung braucht Ventilmechanismen. Das Entscheidende ist, dass 80 Prozent der griechischen Bevölkerung diese Reform mittragen. Von daher sehe ich eine nur sehr geringe Wahrscheinlichkeit, dass es hier zu derartigen politischen Verwerfungen kommt, dass eine Gefährdung des Euros anstünde. Und noch einmal: Die Fundamentaldaten, die wir heute haben, liefern keine Begründung, diese Länder nachhaltig in den Bereich des Staatsbankrotts zu stellen. Für mich ist die einzige Ausnahme Griechenland. Griechenland läuft auf dem dünnsten Eis.

Warum machen wir es nicht wie die Amerikaner oder Japaner und drucken uns unser Geld so einfach wie sie. Wird die EZB auf diese Idee später noch kommen bzw. kommen müssen?

Nein, das sehe ich nicht so. Was wichtig war, ist, dass die EZB die Möglichkeit bekommen hat, Staatsanleihen von den peripheren Ländern aufzukaufen. Das ist etwas, was die Zentralbanken in den USA, Japan und Großbritannien seit Ewigkeiten machen, ohne dass der Markt auch nur die Nase rümpft. In der Eurozone gab es eine helle Empörung aus London und New York „quod licet jovi, non licet bovi“, übersetzt: was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Rindviel noch längst nicht erlaubt. Die EZB handelt auch hier verantwortungsvoll, indem diese Liquidität, die dadurch frei wird, auch anschließend wieder über Repogeschäfte sterilisiert wird. Ich sehe die EZB nicht abrutschen in eine Politik, die vergleichbar mit der FED ist. Der Stabilitätsgedanke bei der EZB bleibt ausgeprägt.

Wie schätzten sie die Reputation der EZB ein? Im letzten Jahr ist die EZB als „Lender of last resort“ zur monetären Müllhalde geworden und rief selbst um Geld. Wie vertrauenserweckend ist denn so etwas??

Ich denke, dass die EZB zu Unrecht einen Verlust an Ansehen erlitten hat. Die ganzen Stimmen, die heute die EZB verdammen für das, was sie im letzten Jahr gemacht hat, sind die Stimmen, denen man den Popo gerettet hat durch die massiven Interventionen von 33,5 Billionen USD 2008/2009. Und ich schaue hier insbesondere nach London und New York. Diesbezüglich ist es für mich sehr unverständlich, dass man jetzt die EZB für die aktuelle Politik kritisiert. Die EZB hat auch die Aufgabe, die Funktionalität der Märkte der Eurozone zu erhalten. Das tut sie mit den aktuellen Maßnahmen. Sie handelt monetär verantwortungsvoll, weil sie sterilisiert. Und das ist der Unterschied zur FED, BoE und BoJ. Und ich ziehe hier den Hut vor der EZB. Auch wenn meine Kollegen das derzeit anders sehen in London und New York. Das, was die EZB macht, hat Hand und Fuß und unterscheidet sie qualitativ nachhaltig von den Politikansätzen die an anderen Finanzplätzen umgesetzt werden.

Nach offizieller Lesart stiegt die sogenannte Inflationsrate völlig überraschend und völlig unerwartet über dem Korridor von „um die zwei Prozent“. Ich spüre da etwas ganz anderes, aber sei es drum. Liegen die Währungshüter mit ihrer Geldpolitik etwa schon „hinter der Kurve“?

In der Tat. Das ist meine Meinung. Die vertrete ich schon seit geraumer Zeit, dass der Inflationsdruck deutlich zunimmt. Ich gehe davon aus, dass die EZB in der Zinspolitik ab Mitte dieses Jahres eine etwas aggressivere Gangart einlegen wird – in Richtung zwei Prozent. Insgesamt haben wir einen Politikansatz in der westlichen Welt, der bei der Zinspolitik einen gewissen Laissez faire Ansatz erkennen lässt, der nicht zu 100 Prozent deckungsgleich ist mit den Anforderungen an eine perfekte Stabilitätspolitik.

Zusammenfassend stellen Sie, soweit ich es verstanden habe, fest, dass alles in Butter ist?

Konjunkturell ist im Moment alles in Butter. Die Weltwirtschaft läuft fantastisch. Selbst Amerika zieht ein Stück weit mit. Die Reformländer haben eben aufgrund der Reformen rezessive Tendenzen. Das ist aber auch gut so. Damit wird das unproduktive Fleisch weggeschnitten, um dann auf eine Nachhaltigkeitsbasis zu kommen. Das Risiko liegt im Grunde genommen heute maßgeblich in den USA, wo nach wie vor Budgetdefizite von 10-12 Prozent grassieren. Dasselbe gilt auch für Japan. Die beiden haben aber auch nur noch einen Anteil von gut 23 Prozent an der Weltwirtschaft. 70 Prozent sind sehr stark. Sieben Prozent werden reformiert. Aus dieser Entwicklung wird am Ende später auch eine fiskalische Gesundung erfolgen. Fiskallagen und Steuerlagen folgen immer der globales Konjunkturlage. Wir sehen das in Deutschland im letzten Jahr, in dem 30 Milliarden weniger neue Schulden aufgenommen wurden als zuvor veranschlagt. Und auch 2011 wird positiv überraschen. Die Defizitlage wird sich stärker entspannen, als es jetzt erwartet wird.

Wie lange hält der Schwung denn an?

Der Schwung hält an, weil die Qualität des Wachstums gut ist. Wenn wir die Weltwirtschaft ansehen, haben wir die Schwellenländer mit einem Anteil von 50 Prozent mit sensationellen erfrischenden Verschuldungsdaten. Das vergisst man dauernd, wenn man nur auf Griechenland, Portugal und Spanien schaut. 50 Prozent stehen fantastisch da. China hat eine Staatsverschuldung von 21 Prozent, Brasilien von 40 Prozent. Chile hat so gut wie gar keine Staatsverschuldung. Auch die Privatverschuldung ist in diesen Ländern ausgesprochen gering oder gar nicht vorhanden bei teils riesigen Sparquoten. Diese 50 Prozent, nahezu vollkommen unabhängig vom westlichen Finanzsystem, sind der primäre Katalysator. Sie pushen die Weltwirtschaft mit einem Potentialwachstum von sechs bis acht Prozent. Darüber hinaus haben wir 20 Prozent der Weltwirtschaft definiert durch starke Industrienationen und Rohstoffnationen, die im Fahrwasser dieser Entwicklung schwimmen.

Und wenn wir uns die Zyklik anschauen, dann sind die Lager noch nicht sinnvoll gefüllt. Der Lagerzyklus bietet immer noch einen weiteren Impuls für die Weltwirtschaft. Der Investitionsgüterzyklus fängt gerade erst an, nachdem er anderthalb Jahre brach gelegen hat. Da sind Aufholprozesse da und auch neue Anforderungen aus der weltwirtschaftlichen Entwicklung. Der Investitionsgüterzyklus wird zwei bis drei Jahre tragen. Und der Konsumzyklus ist nicht wie 2007 getragen von einer Nettokreditaufnahme beispielsweise in den USA, sondern er ist erst getragen von Arbeitseinkommen. Das ist Nachhaltigkeit. Das Wachstum, behaupte ich hier an dieser Stelle, hat die beste Qualität seit dem Korea-Krieg Anfang der 50er Jahre.

Herzlichen Dank, Folker Hellmeyer. Wir sprechen uns wieder!

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19 Kommentare auf "Folker Hellmeyer: “Popo retten kostet Geld”"

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  2. p.koslowski sagt:

    Immer wieder gerne und etwas erfrischend „anderes“ den Hellmeyer auf alternativ Medien zu lesen. Zumindest merken die Banker schon mal den Aufschwung. Mal schauen wann der bei mir angekommen ist. Schätze dann weht schon wieder politisch motivierter Spar-Wind gegen meine Geldbörse. Aber wer zu Helle ist die ominöse Bankenaristokratie? Dachte die Grenzen zwischen Politik und Bankenwirtschaft ist fließend…

    • Frank Meyer sagt:

      @p.koslowski

      Ich habe beim Abtippen des Interviews gemerkt, dass ich dreimal darüber nachdenken musste, einmal um die Ecke, einmal direkt und einmal im Kontext dessen, was Folker in den letzten Jahren sagte (dokumentiert auch Goldseiten.de)

      Vielleicht ist es nicht ganz einfach zu verstehen, aber ich denke, dieses Interview soll ein weiteres Dokument sein, an dem er sich wird messen lassen müsen – und wie ich ihn kenne, auch messen lassen wird. 2010 waren seine Prognosen ein Volltreffer – und das war kein Zufall.

      ***********

      P.S.

      Wer hier auf dieser Seite kommentieren möchte, sollte sich anmelden. Diese Hürde ist aus Erfahrung mit dem alten Blog nötig, um eine gewisse Sortierung zu erreichen. Es erleichtert die Arbeit der Blogwarte und es erspart den anderen Kommentatoren den Blick auf „Geschreibsel“, was nicht unbedingt Pupillen, Geist und Sinne verunreinigen muss.

      Grüße von Frank Meyer

  3. Laterne sagt:

    Popo retten?
    Nun, Herr Hellmayer erstmal teile ich ihre Meinung , dass es notwendig wäre die Bankenaristokratie zu zerschlagen – wenigstens auf die ihr zustehende Größe zu stutzen.
    Dass sie die Geldpolitik der EZB loben , gerade im Hinblick auf ihre Gegenspieler mag nicht falsch sein. Dass gut 7 Milliarden Menschen Güter brauchen ist ebenfalls unbestritten. Dass die (Welt)- Wirtschaft weiterläuft auch.
    Aber:
    Der vergleich der EZB mit anderen Zentralbanken erinnert mich an Seeschlachten, wo die Kapitäne der untergehenden Schiffe aus den sicheren Rettungsbooten ihren Matrosen zurufen: „schaut- die anderen sind schon viel weiter unter Wasser“ .
    Den USA empfehlen Sie, die Produktionsstätten wieder ins Land zu holen, den industrielosen Schwellenländern räumen sie schuldenfreies Wachstum ein.
    Bei uns hingegen fordern sie einen großen Wirtschaftsraum???
    Natürlich können wir auch in die EU exportieren, aber zu welchem Preis? Zahlen wir nicht größtenteils unsere Exporte selbst?
    Und wenn sie von der Bundesrepublik sprechen, ist ihnen da nicht ein Fehler unterlaufen und sie meinten eigentlich Bananenrepublik?
    Mit der Bankenrettung ist das Bankensystem gerettet worden um den Profiverzockern ihren Salär zu garantieren, die Leistungserbringer werden hierfür auf Minimaleinkommen gedrückt.
    (ich will jetzt nicht auf Energie- oder Lebensmittel- Erzeuger ablenken, obwohl hier das gleiche Spiel zur Zeit abläuft)
    Verwundert stelle ich fest, dass wir vor der Euroeinführung ein Wirtschaftswunder hatten- Länder ohne EUR deutlich besser dastehen als wir.
    Ja?? wir haben wieder einen Wirtschaftsaufschwung – bravo. Das Bundesamt für Statistik hat bestimmt Überstunden gemacht.
    Wenn wir jetzt eine Vollbeschäftigung haben, warum steigen dann die Krankenkassenbeiträge? Zahlen die vollbeschäftigten Eineurojobber nicht genug in die Kassen? Ja, und natürlich läuft die Wirtschaft so gut, dass wir dringend Arbeitslose importieren müssen, sonnst könnte man die Löhne und Gehälter nicht genügend drücken.

    Genug der Ironie.
    Was wir dringen brauchen, ist eine starke Binnenwirtschaft und eine (Banken)- lobbyfreie Regierung. Erst dann können wir uns über Exporte freuen

  4. dork sagt:

    Gutes Interview mit erfrischenden Ansichten eines optimistischen Realisten.

    Darf ich als Finanzlaie fragen, wie der aktuelle seit Sept 2010 fallende Verlauf des Baltic Dry Index zur Aussage passt, die Weltwirtschaft liefe fantastisch?

    • Jochen sagt:

      @Dork

      Stichwort Baltic Dry Index
      Exakt, das würde mich auch interessieren. Eigentlich passt das gar nicht.
      Herr Hellmeyer, den ich übrigens sehr schätze, wird wohl nicht antworten können.
      Wie sieht es der Blogwart?

  5. rolandus sagt:

    Wie eine Sonne inmitten der zwiespältigen halbseidenen Bankenaristrokratie leuchtet der Hellmeyer immer wieder auf, und seine Prognose 2010 mit Champus im ersten, Orangensaft im zweiten und einem guten franz. Rotwein im vierten Quartal hallt jetzt noch nach.

    Einfach ein Klasse-Klartext- Mann hanseatischer Natur…Viele Grüße aus dem Norden an das Nordlicht und den Moderator im Besonderen.

    rolandus

  6. Frank Meyer sagt:

    Kleiner Hinweis von den Blogwarten Rott & Meyer

    Der erste Beitrag muss durch die Blogwarte freigeschaltet werden. Alle weiteren Kommentare sind dann frei und tauchen direkt im Blog auf.
    Doch der Technik nicht genug: Wer sich nicht benimmt, der Rechtschreibung nicht mächtig sein möchte oder meint, auf trollartigen Wegen unterwegs sein zu müssen…
    Die Blogwarte haben noch mehr Tasten zur Auswahl 🙂

    Diskutieren? Immer! Form & Stil sehen wir als Voraussetzung dafür an.
    Viele Grüße von der BankRott & Meyer

  7. silber100dollar sagt:

    Wieso kostet Popo retten Geld ?

    Geld retten kostet Geld, gerettet wird durch zeitliches strecken, durch verdünnen des selbigen.
    Nichts Anderes ist mit den 33 Billionen gemacht worden.
    Sonst hätte man Schulden und die dazugehörige Vermögen abschreiben können und alles wäre im Butter, nach einigen Aufständen.

    Herr Hellmeyer verkennt da etwas.
    Er spricht ständig von amerikanischer Schwäche in der Wirtschaft. Da kann ich Ihm auch ich nicht widersprechen, aber der Dollar kostet seit etwa 30 bis 40 Jahren konstant ungefähr 1,3 euro. Der Mehrwert müßte wenigstens durch Erspartes in Deutschland, das existiert, durch einen wesentl. besseren Wechselkurs zum Ausdruck kommen.
    Wo ist der Ausdruck ?

    Vielleicht sollte sich Herr Hellmeyer endlich damit abfinden, daß die Amerikaner auch den Wert des Euros bestimmen. Er sollte die Augen vor dieser Tatsache nicht verschließen. Aus eigener wirtschaftlichen Stärke funktioniert das nicht, denn diese wirtschaftliche Stärke ist ein Momentanzustand und hat keinen inneren Wert. Ein Wert darauß würde erst entstehen, wenn man die bis heute angesparten Vermögen in unvergängliche Werte umgewandelt hätte.

    Hat mann aber nicht, deshalb kostet der Dollar auchn immer das Selbe. Denn hinter ihm steckt ein wirklicher Wert, das Diktat die meißten Waren und Rohstoffe in Dollar bezahlen zu müssen, geschützt durch das amerikanische Millitär.

    Solange Europa sich dahinter verstecken muß, wird es auch keine Vermögen schaffen können. Und in der augeblicklichen Situation ist es höchsten eine Lachnummer, zum Spielball der Regional- und Weltmächte geworden. Ich sehe die Konstante von 1,3 euro eigentlich nicht mehr für aufrecht zu erhalten. Ohne eine sehr schmerzhafte Emanzipationanstrengung von den Amerikanern wird es auch die nächsten 1000 Jahre so bleiben. Die Europäer haben als Währung einen zweitklassigen Dollar.

    Auch wenn Herr Hellmeyer solche Zusammenhänge und Konstanten nicht wahr nimt oder wahr nehmen möchte.

  8. bones sagt:

    Ich muß schon staunen. Gerade hier auf der Seite lernen wir doch, daß man Feuer nicht mit Benzin löschen sollte. Sie erklären uns, daß die G30 33.500 mrd$ aufgebracht haben um die Popos zu retten. Soweit ich weiß hat China noch seine 2.800 mrd$. Haben die etwa nicht mit gemacht? Kommt das Geld etwa wieder aus der Zukunft?

  9. holger sagt:

    Beim (Teutates) Herrn Hellmeyer, da scheiden sich bei mir immer die Geister. Sätze wie diese:

    Aber der entscheidende Punkt ist für mich, dass bei jeder virulenten Krise schlussendlich das Richtige getan wurde.

    oder diesen:

    In Amerika würde ich eindeutig einen Weg beschreiten, das produzierende Gewerbe nach Amerika zurück zu holen. Das heißt Anreize bieten für internationale Konzerne, Produktion in die USA zu verlagern

    Den muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. 😀 Ich bin noch am überlegen, was meint er denn mit „internationalen Konzernen“. Die im S&P 500 gelistet sind?

    oder eben dieser:

    Konjunkturell ist im Moment alles in Butter. Die Weltwirtschaft läuft fantastisch. Selbst Amerika zieht ein Stück weit mit.

    Welches Amerika? Der Nordteil oder der Südteil oder die in der Mitte? Kanada, Mexico oder Brasilien?

    Also beim Teutates, ich blicke da nicht so recht durch. Wir haben irgendwie in der „Krise“ 4,9 % weniger produziert. Und nun davon erst 3,6 % wieder gut gemacht. „Wir“ Michels. Warum gab es dann vorher keine Vollbeschäftigung und so einen XXL Aufschwung, damals, wo die Produktion am Anschlag war. Damals, wo noch die doppelte Menge an Containerfrachten um den Globus segelte. Wo die Rohstofffrachter bis Unterkante Oberlippe voll waren? Ich weiß nicht, warum lieber Herr Hellmeyer, nur bei ihnen ist es komisch. Einerseits kann man Ihnen nur zustimmen, und auf der anderen Seite bricht man in Tränen aus. Ist das so gewollt? Ich frag nur mal so. Ist das ihre Masche? Diese Taktik kenne ich nur zu gut 😉

    (***vom Blogwart um einige Interpunktionsschwächen korrigiert***)

    • holger sagt:

      Lieber Herr Blogwart,

      ich werde wohl in meinem Leben, in diesem hohen Alter, nicht noch ein „Germanistik“-Studium absolvieren können (habe ehrlich gesagt, keinen Bock). 😀 Ich bemühe mich nach „bestem Wissen?“ und Gewissen (auf alle Fälle), ständig meine Performance zu verbessern. Ich danke für die Ausbesserung, hätte die aber zukünftig gerne in Rot angezeigt, damit ich das Fehlerhafte, visuell abspeichern kann. Wenn ich es nicht mehr lernen sollte, dann nehme ich mir spätestens nächstes Jahr den Strick. Denn Gesellschaftsfähig ist man nur, wenn man Punkt, Komma, Strich (fertig ist das Mondgesicht) beherrscht. Ich versteh, was Du damit meinst, aber habe ein wenig Erbarmen und Geduld mit einem armen Sünder, dem der Duden auf immer und ewig (vermutlich) ein Buch mit sieben, dicken, Siegeln bleiben wird. 😉

      Winkele Winkele

  10. holger sagt:

    Auf diese Aussage Herr Hellmeyer will ich noch mal eingehen, da hier das Damokles Schwert für die USA in der Luft hängt.

    In Amerika würde ich eindeutig einen Weg beschreiten, das produzierende Gewerbe nach Amerika zurück zu holen. Das heißt Anreize bieten für internationale Konzerne, Produktion in die USA zu verlagern

    Würden Sie als Unternehmer diesen Schritt auch tun, oder eben „nur“ als VoWi aus der grauen Theorie heraus? Die wichtigen Unternehmen aus den USA haben sich nicht ohne Grund global aufgestellt. Ob GE oder Procter&Gamble, Caterpillar, Coca Cola oder was für Namen auch immer (NIKE waren die eigentlich schon mal in den USA?). Man kann den Managern aus den USA viel vorwerfen. Aber doof sind die nicht. Selbst wenn in den USA die Lichter ausgehen sollten, sind diese Konzerne… wie heisst es so schön… gut aufgestellt. Sie setzen sich im Fall der Fälle in den Lear-Jet und sagen Tschüss „God bless America“. Ein US-Manager ist kein Patriot. Protektionismus, können die USA-Unternehmen nicht mehr.

    Selbst wenn sie nach Hause gehen würden, würde es Jahrzehnte dauern, bis die Infrastruktur stimmen würde. Ein Start-Up… Quasi. Warum sollten die US-Unternehmen ihre vor Ort Stellung denn aufgeben? Das haben noch nicht mal GM & Ford im und vor WWII in DE getan. Daraus hat man gelernt. Schauen Sie sich mal die Orden an, die Manager von GM und Henry Ford vom GröFaZ bekommen haben.

    Die US-Unternehmen können nicht nach Hause gehen. Weil ihre Heimat nicht den industriellen Output und die Performance bieten kann. Alles ziemlich ossizilierend volatil dort. Gerade mal nur noch ca. 14 Millionen US-Bürger arbeiten im verarbeitenden Gewerbe. Zum Vergleich: In DE sollen es 7 Millionen sein.

    Die Unternehmen USA sind nicht identisch mit dem Land der USA. Es zählt nur eines, wo kann ich am sichersten Profit machen. Mehr nicht. Und dabei sind sie sehr Diversifiziert worlwide. Und diese Stellung werden sie bestimmt nicht aufgeben. Das wäre ja abstrus diese Macht an andere abgeben zu wollen. Nehmen wir mal an, sie würden nach Hause gehen, wer würde dann sofort in die Lücke springen?

    Überall wo sich US Unternehmen zurück ziehen, stellt der Chinese die Produktion hin.

    Die USA als eigenständiges Land stecken tief im Morast. Aber nicht die Unternehmen aus der USA. Wenn diese Unternehmen so viel Vertrauen in die Bevölkerung der USA hätten, wären sie wohl stärker daheim geblieben. Nicht umsonst ist Daimler-Chrysler gescheitert. Ich habe gehört, das BASF auch ein Werk in den USA schließt. Nur ein kleines Beispiel. Aber irgendwer fängt die Flucht an. Und der Herdentrieb machts möglich, dass viele wohl folgen werden. Selbst wenn die USA Monaco nach bauen und sonstige Anreize bieten könnten. Mir tun die Bürger in den USA leid. Die mit Food-Stamps durchaus überleben wollen/müssen. Aber Mitleid mit der kriegerischen Politik, habe ich nicht. Der Respekt vor der USS Washington scheint global dahin zu schmelzen, wie der Schnee in der Sonne. Und was dann zum Vorschein kommt, schreibe ich aus ästetischen Gründen nicht.

    • silber100dollar sagt:

      Aktuelle Zinsentscheidung und die dazugehörige Begründung:

      „Die Notenbank will mit ihrem Schritt verhindern, dass die Sparbemühungen der Schuldnerstaaten, ihre Haushalte durch Sparmaßnahmen in Ordnung zu bringen, zusätzlich erschwert wird“

      Wie lange soll das denn so gehen ?
      1% Zinsen für die nächsten 200 Jahre ?
      Selbst dieser Zeitrahmen wird ohne Tilgung bei weitem nicht ausreichen.

  11. silber100dollar sagt:

    Herr Hellmeyer meint:

    “China im Gegensatz zu den Finanzplätzen London und New York steht stringent an der Seite Europas”

    ja, ja auf so einen Gedanken kann auch nur ein Chefanalyst einer Landesbank kommen. Die Chinesen sind ihren amerikanischen und europäischen Pendat’s, nicht nur in Wirtschafts und Finanzfragen um längen voraus. In diesem land wird jeder angebet, der Hilfe in Aussicht stellt, daß es hierbei auch ein Preis gibt, den man zu zahlen hat, blenden hiesige Zeitgenossen ohne mit der Wimper zu zucken aus. Gernau so wie es mit den Immobilienkrediten gehandhabt wurde, die die amerikanischen Freunde im größeren Umfang weltweit unter die Leute brachten

    Die Chinesen werden ohne Probleme auch die Europäer dort hin manövrieren, wo sie deren amerikanische „Freunde“ auch schon haben.

    Wenn du ein Land besiegen möchtest, beginne erst mit dessen Währung!

  12. silber100dollar sagt:

    Die Verwarnung finde ich unangemessen !
    Ich werde mich mit meinen Ansichten nicht verbiegen, Wenn Herr Hellmeyer China als großen sogenannt stringenten Heilsbringer für Europa darstellt, ist diese Ansicht wie in so vielen hiesiger Ansichtsweisen in diesen Gefilden (nur schwarz oder weiss), die Quelle allen übels. Oder wer hätte 2003 akzeptiert, daß die USA zukünftig seine engsten Verbündeten über die Verbriefung von US-Hypothekenkrediten ausnehmen wird ?
    Dafür wäre man damals vielleicht sogar noch auf der Anklagebank gelandet, weil man gute Freunde diffamiert. Es ist nun mal so, daß eben diese Landesbanken, eine Bank kann das nicht, es sind viel mehr die Menschen die dahinter stehen, diesem Land diese Probleme bereitet haben. Zu ihrer Entschuldigung kann ich höchsten noch vortragen, daß dies in diesem land den meißten wohl wiederfahren wäre, da selbst heute, damals in viel ausgeprägterer Form, in der deutschen Bevölkerung eine latente US-Hörigkeit herrscht, zumindest kulturell.
    Dann wird es wohl nicht viele weitere Einträge mehr von mir geben können, werde es überleben. Baut Euch die Welt so wie es Euch gefällt, die Konsequnzen werdet Ihr tragen, ob ihr wollt oder nicht.

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