Neurodermitis: Wen juckt es – wenn es juckt

21. Oktober 2009 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

Vitamin B12+ auf dem Index der Pharmalöwen

Ein Beitrag in der ARD über die Verhinderung eines Medikaments gegen Neurodermitis hat in den letzten Tagen hohe Wellen geschlagen. Millonen Menschen leiden unter dieser Krankheit. Und die Pharmaindustrie schaut zu, ohne etwas zu tun, obwohl sie könnte. Ja mehr noch, sie verhindert Hilfe für die von Neurodermitis geplagten Menschen. Hans-Jörg Müllenmeister skizziert die Hintergründe…

Nenne mir ein einfaches und dabei wirksames Medikament ohne Nebenwirkungen, und Du kannst sicher sein: profitgierige Pharma-Löwen fallen darüber her, um es dem Markt vorzuenthalten. Mit Zähnen und Klauen. Vielmehr möchten sie ihre eigenen, wesentlich teueren Produkte lancieren – etwa die mit der Cortison-Keule. Besonders an chronischen Leiden verdienen die Pharmagewaltigen nachhaltig klotziges Geld. Den Verkaufspreis für ihre Dauer-Medikamente legen sie nach Gutdünken selber fest – jedenfalls in Deutschland. Die Politik lässt ihnen freies Spiel! Die Kosten unseres Gesundheitsunwesens explodieren auch durch diese Praxis. Als Gesundheitsverhinderer müssten die biochemischen Gelddrucker wegen unterlassener Hilfeleistung vor die Schranken des Gerichts. Statt dessen bedrohen die Pharma-Riesen alles, was ihrer Profitgier im Wege steht mit Leib und Leben.

Konkret geht es hier um eine wirksame Vitamin-B12-Salbe gegen Schuppenflechte und Neurodermitis, es geht um das Abdrängen eines der vielen Wirkpräparate ins medizinische Abseits.

Für acht Millionen leidende Menschen in Deutschland wäre die Salbe (Regividerm) einfach ein Segen – eine Mixtur aus Vitamin B12, Avocadoöl und Emulgatoren. Aber dieses einfache, billige Mittel „passt nicht ins Konzept, in die strategische Ausrichtung“ der Pharma-Unternehmen.

Aber was heißt hier einfach? Das Mittel besteht zum Teil aus einem Supermolekül, dem naturgegebenen Vitamin B12. Widmen wir uns einmal diesem Molekül. Nur die kleinsten Naturgeschöpfe, nämlich Mikroorganismen vermögen es herzustellen. Diese Mikrofabriken für B12 in Bakterien, Pilzen und Algen kommen entweder im Verdauungstrakt in der Darmflora vor oder auf der Oberfläche von ungewaschener Nahrung – auf Blättern und Früchten. Höhere Pflanzen kennen keine B12-Synthese. Vitamin B12 findet sich angereichert in tierischen Organen, wie in Leber, Niere und Herz aber auch in Milch und Milchprodukten. Tritt bei höheren Pflanzen Vitamin B12 in Spuren auf, dann nur, wenn es aus dem Boden über die Wurzeln in die Pflanze aufgenommen wurde. Der Boden selbst mit seiner reichhaltigen Bakterienflora ist ein Tummelplatz für Vitamin B12-Produzenten. Fermentierte, das heisst mit Mikroorganismen versetzte Nahrungsmittel, wie z.B. Sauerkraut und Bier enthalten nur geringe Mengen an Vitamin B12.

Vitamin B12 ist ein komplexes, sehr spannendes Molekül; es umschließt ein Cobalt-Atom im Zentrum. Strukturell ähnelt es dem Hämoglobinmolekül, dem Blutfarbstoff mit einem Eisenatom im Zentrum oder dem Blattgrün, dem Chlorophyll mit einem Magnesium-Zentralatom. B12 ist eine der rätselhaftesten Mikro-Kreationen der Natur. Seien Sie sicher, ein Heer von Biochemikern könnte nicht einmal in 100 Jahren des Laborierens und Tüftelns einen ähnlich genialen Biostoff erfinden, der in so winzigen Mengen eine derart dynamische Wirkung in unserem Körper entfacht. Dieses Vitamin B12 gehört zur biochemischen Stoffgruppe der Cobalamine, also mit dem Spurenelement Cobalt. Wichtigster Vertreter ist das wasserlösliche Coenzym B12. Es ist einer der wenigen bekannten natürlich vorkommenden cobalthaltigen Naturstoffe. Cobalt-Komplexe zeigen intensive Färbungen von hellrot bis tiefblau.

Man mutmaßt, dass Pflanzenfresser den Hauptteil ihres B12-Bedarfes über eine Symbiose mit Darmbakterien decken. Auch beim Menschen kommen Mikroorganismen im Darm vor die Vitamin B12 produzieren, allerdings ist die „Ausbeute“ äußerst gering. Durch Milchsäuregärung haltbar gemachte Gemüse wie Sauerkraut, manche Algensorten, Hülsenfrüchte, aber auch Ingwer und Speisepilze zeigen einen geringen B12-Gehalt.

Beim erwachsenen Menschen reicht ein gefüllter Leber-Speicher aus, um eine mangelnde Versorgung über mehrere Jahre hinweg auszugleichen. Eine anhaltende Unterversorgung kann schwerwiegende Folgen haben, die bei Vegetariern möglich ist, aber auch bei einer schweren Entzündung des letzten Dünndarmabschnitts, dem Ileums, insbesondere bei Morbus Crohn-Patienten.

Für den Menschen ist das Metall Cobalt in der eingepackten biologischen Form von B12 lebensnotwendig. Cobaltmangel führt zu Blutarmut. Wir brauchen davon nur etwa drei Millionstel Gramm pro Tag, im ganzen Leben geradeso viel, wie ein einziges Getreidekorn wiegt. Trotzdem sind dann alle unsere Körperzellen ausreichend mit Vitaminmolekülen versorgt.

Ein Mangel an Vitamin B12 führt zu nervösen Störungen: Im psychischen Bereich und bei der Nervenfunktion in Muskeln. Erinnert sei an die schwere Nervenerkrankung Multiple Sklerose. Überhaupt wirkt Vitamin B12 dynamisch am Stoffwechsel von Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten. Es arbeitet eng zusammen mit Vitamin C, Vitamin A, Folsäure und dem B-Vitamin Pantothensäure. Damit wir Nerven wie Drahtseile bekommen und gegen den Alltagsstress gewappnet sind, hilft B12 tatkräftig den Folsäure-Molekülen bei der Produktion des Nervenstoffs Cholin. Vor allem kurbelt es zusammen mit anderen Stoffen den Bau von DNS und RNS an. Das sind die Eiweißstoffe, aus denen unsere Zellkerne gebaut sind und die auch alle unsere Erbanlagen enthalten.

Vitamin B12 ist der Spätzünder, was seine Entdeckung betrifft. Dazu hat eine Mangelerkrankung, eine bestimmte Anämieform beigetragen. Diese Krankheit wurde zu Beginn des 19.ten Jahrhunderts erstmals beschrieben. Rund 100 Jahre behandelte man daran Erkrankte erfolgreich mit Rinderleber. Erst Anfang der 50er Jahre entdeckte man, dass das darin enthaltene B12, der auslösende Faktor für die Heilung war. 1955 wurde die Struktur von B12 geklärt, seit 1960 kann man es synthetisch herstellen. Eine weitere wichtige Erkenntnis war die Entdeckung des Risikofaktors Homocystein als Auslöser für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gaben von B12 verringern den schädlichen Homocystein-Spiegel.

Kommen wir wieder auf die Vitaminsalbe zurück. Wie erklärt man sich die heilende Wirkung, die in einer Studie bewiesen wurde? Wie wirkt das Unguentum auf der Haut von Neurodermitis-Patienten? Offensichtlich produzieren die Zellen bei diesen Erkrankten zuviel Stickstoffmonoxid in den Mitochondrien. Diese Organellen sind ja die Energiezentren der menschlichen Zellen. Die Fehlfunktion bezeichnet man als nitrosativen Stress, der die Neurodermitis begünstigt. Genau da wirkt Vitamin B12; es hemmt die Bildung von Stickstoffmonoxid.

Bis heute gibt es kein Medikament, was diese Hautkrankheit ohne Nebenwirkungen heilt. Können Sie sich vorstellen, dass bereits in den 80er Jahren der Chemie-Student K. Klingelhöller im häuslichen Bereich in einem kleinen Labor diese einfache Mixtur entwickelte, sie dem Bochumer Dermatologie-Professor P. Altmeyer vorführt und dieser das Mittel in einer klinischen Studie mit Erfolg testete? Ja, es gab sogar ein Patent darauf; 936 Millionen Dollar seien die Rechte wert, schätzte ein Wirtschaftsprüfunternehmen. Aber sämtliche Bemühungen das Mittel über einen Pharmakonzern an den Markt zu bringen, scheiterten bis heute. Der tragische Erfinder ist daran fast zerbrochen. Ich wünsche ihm jetzt nach mehr als 25 Jahren einen erneuten, glücklichen Anlauf, das Mittel zu vermarkten – es würden damit endlich Millionen Neurodermitis-geplagten Menschen geholfen.

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Jörg Müllenmeisters Buch „Erlebtes Universum“

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