Mit Vollgas in den Leistungsmodus

3. Januar 2011 | Kategorie: RottMeyer

Eine Bauernweisheit besagt: „Neujahrsnacht still und klar, deutet auf ein gutes Jahr.“ Von daher sollte man sich einige Sorgen machen. Doch den Optimist in seinem Lauf, halten weder Ochs noch Esel auf… Oder ging dieser Satz anders?

Das mit den Bauernweisheiten ist oft treffsicherer als das, was in vielen Jahresausblicken zu lesen bekommt. Soweit ich mich (noch) erinnern kann, war die Neujahrsnacht alles andere als klar. Vielerorts verschwanden die Raketen einfach in Wolken oder im Nebel. Peng! Still war es irgendwie auch nicht. Schauen Sie: 2011 startete mit einer kleinen Panne, die sich vor unserem Haus zugetragen haben soll. Es ging irgendwie um Brot statt Böller. Und wie Sie wahrscheinlich schon ahnen, gründlich schief. Brot böllert eben nicht. Mist! …habe ich eben was gespendet. Der Januar ist ohnehin wie auch die Zeit zwischen Februar und Dezember voller Spendenaktionen.

Seit Sonntag ist das Radio still, denn die Sternsinger stehen vor der Tür. Sie singen von diesem und jenem – nicht schön, aber laut. Dabei sind sie sehr zeitig in diesem Jahr unterwegs, was vielleicht an der Höhe des zu erwartenden Spendenaufkommens liegt. Ich muss mal kurz unterbrechen.

Moment…!

Sie singen immer noch. Das Leben ist in dieser Hinsicht sehr kostspielig geworden, wenn man seine Ruhe braucht und sich ausnahmsweise mal konzentrieren muss. In diesem Zusammenhang sei auf meine Patenschaft für die Tevanko-Stifung aus München hingewiesen. Dort sind Spenden herzlich willkommen. Das war jetzt Werbung – für eine wirklich gute Sache. (LINK) Volker Pispers ist hier unter anderem Schirmherr…

Neue Runde, neues Glück

Man sollte ein neues Jahr mit guten Vorsätzen beginnen, sich vielleicht gesünder ernähren, mehr bewegen und vor allem wieder optimistisch in die Zukunft schauen, so wie die Politiker und unsere Kanzlerin in ihrer Neujahrsansprache, die 4,23 Millionen Menschen haben sehen wollen. Doch sehen Sie selbst…

Wir können nicht erwarten, dass der Wirtschaftseinbruch schnell wieder vorbei ist. Manches wird gerade im neuen Jahr erst noch schwieriger, bevor es wieder besser werden kann. Aber wir können mit guten Gründen hoffen, dass Deutschland diese Krise meistern wird; dass unser Land stärker aus ihr hervorgehen wird, als es in sie hinein gegangen ist; dass sich eine solche Krise nie mehr wiederholt.

Autsch! Eine weitere Panne. Da hat sich doch der Text der Rede von Vorjahr eingeschlichen. Jetzt aber…

Deutschland hat die Krise wie kaum ein anderes Land gemeistert. Was wir uns vorgenommen hatten, das haben wir auch geschafft: Wir sind sogar gestärkt aus der Krise herausgekommen. Und das ist vor allem Ihr Verdienst, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger.
Deutschland ist so erfolgreich, weil Sie Tag für Tag Ihre Arbeit machen. Sie sind früh morgens auf den Beinen. Sie arbeiten im Schichtdienst, an Sonn- und Feiertagen. Sie kümmern sich um Aufträge und um Ihre Mitarbeiter. Sie meistern Ihren Alltag, wie schwer er oft auch sein mag.

Wie? Sie mussten heute auch schon wieder arbeiten? Wen wundert es? Die Hamsterräder sind gut geölt. Bei 2,99 Millionen Arbeitslosen ist es tagsüber leer auf den Straßen. Für die Freizeitindustrie wird es wahrscheinlich ein schlechtes Jahr – wegen der Vollbeschäftigung. Selbst die Rentner gehen jetzt wieder arbeiten. Nicht, dass sie das alle wollen. Manche müssen das vielleicht sogar. Und wer sonst soll denn beispielsweise die Regale in den Supermärkten bestücken, wenn nicht die älteren Leute, damit der Einzelhandel bereit ist für den zu erwartenden Konsumboom?

2011 wird ein tolles Jahr in den Taschen der Konsumenten. Die einen sagen, dass man viel mehr in den Taschen haben wird. „Ich bin der festen Überzeugung, dass das Lohnniveau in diesem Jahr spürbar steigen wird. Schon allein deshalb, weil weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen“, sagt Ursula von der Leyen.

Hier muss man der Ministerin zustimmen. Das Lohnniveau wird steigen. Über das Preisniveau und die Abgabenlast könnte man sich noch streiten, denn man wird mehr Geld ausgeben müssen, und das nicht unbedingt dafür, wofür man es ausgeben möchte. So steigen Beiträge für die Krankenversicherung auf 15,5 Prozent bei einer nach oben offenen Richterskala in Bezug auf Zusatzbeiträge. Auch die Arbeitslosenversicherung wird etwas teurer, obwohl es ja kaum mehr Arbeitslose geben soll. Zudem steigen die Preise für Strom, Gas und viele andere Dinge. Ausgaben über Ausgaben, die die Statistik wohl als Konsumrausch ausgewiesen werden, als Beweis für Zuversicht.

Es gibt weitere gute Nachrichten. Viel besser als gedacht entwickelte sich das Wetter. Es taut. Zudem werden seit dem 21. Dezember die Tage um eine Minute länger hell. Bald geht das mit den Frühlingsgefühlen wieder los. An der Börse konnte man diesen Effekt schon in den ersten Handelsminuten bewundern. Kein Wunder, stehen die Sterne nach Expertenerwartung doch äußerst günstig. Der DAX wird in diesem Jahr um zwölf Prozent steigen. Und wenn nicht, greift man auf Daueroptimismus zurück. Es gibt einige Studien und auch Bücher darüber, wie Daueroptimismus, also permanentes, penetrantes positives Denken krank machen können. Das wird vielleicht wieder ein Jahr für die Psychologen. Sie kennen keine Krise. Seinen Kindern ein Psychologiestudium ans Herz zu legen, dürfte nicht der schlechteste Rat sein. Früher oder später braucht man Hilfe. Beispielsweise deswegen…

Jetzt dabei sein! Jetzt gewinnen!

Dieser Satz kennen viele Leute aus dem oberen und mittleren Management. Wenn nicht, dann aus dem Fernsehen oder einschlägigen Karussellfahrten. Aus einem Gespräch mit einem Freund habe ich folgendes gelernt: Damit man glücklich wird, muss man raus aus der Komfortzone und hinein in die Aktionsebene. So redet sein Chef und auch die ihm Untergebenen. Vielleicht handelt es sich um einen Virus? Wie dem auch sei: Hat man das verinnerlicht und in den Erfolgsmodus umgeschaltet, stellt sich auch bald auch schon die Lösungslaune für dieses und jenes ein.

Ich schaute vielleicht etwas erschrocken, als ich das hörte. Von dieser Sekte habe ich bislang noch gar nichts gehört. Aber wenn es hilfreich ist? Wahrscheinlich ist positives Denken zu Beginn etwas schwierig und der Weg dorthin erweist sich als etwas kompliziert. Doch hat man sich erst einmal daran gewöhnt, knallt es jeden Tag – wie zu Silvester.

©Frank Meyer

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