Ein paar Tipps über den Tag hinaus

23. Dezember 2010 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek

Jedes zu Ende gehende Jahr mit den dann üblichen besinnlichen Stunden bietet Gelegenheit, sich mehr als sonst über den Tag hinaus Gedanken zu machen. Beispielsweise zum Thema Geld. Hier klafft eine riesige Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Ich meine damit den Unterschied zwischen den undurchsichtigen Konstrukten, mit denen die Finanzwirtschaft Sie ständig zu ködern versucht, und Ihren persönlichen Geldzielen…

Typische Angebote sind: Kapital- und fondsgebundene Lebensversicherungen, Dutzende von Fonds- und Zertifikatevarianten, Altersvorsorgeprodukte wie die Riester- und die Rürup-Rente, Sparbriefe und -pläne, Baufinanzierungen, die sich nicht mehr vergleichen lassen, weil die Effektivzinsrechnung manipuliert werden kann, scheinbar lukrative Zinsangebote für neue Kunden (aber nicht für treue Stammkunden) zu Konditionen, über die man sich noch vor wenigen Jahren kaputtgelacht hätte, und die ungenierte Verführung zum Glücksspiel unter dem Deckmantel namens Trading.

Ich gehe jede Wette darauf ein, dass Sie mit dem einen oder anderen Angebot schon geliebäugelt haben, nachdem ein sog. Berater Ihnen dessen Vorteile aufgezählt hatte. Das geht nämlich ganz einfach: Jede Lebensversicherung lässt sich schönrechnen, wenn man die Inflationsrate bis zum Ende der – in diesem Fall extrem langen – Laufzeit nicht berücksichtigt. Es gibt Zertifikate für jede Marktlage, aber leider weiß niemand, wie die Märkte sich entwickeln werden. Die Riester-Rente wird selbstredend als staatliches Geschenk mit eingebauter Garantie verkauft, obwohl auch hier die Inflation zuschlägt und die Konditionen am Ende der Laufzeit bis zur Unkenntlichkeit verwirrend sind. Und was das Trading betrifft, gilt die von noch niemandem widerlegte Börsenweisheit: Hin und Her macht Taschen leer.

Um den vielen Versuchungen standzuhalten, gibt es nur eine Methode: Die eigenen Geldziele abstecken, konsequent danach handeln und einfache Anlagen bevorzugen. Mit den Zielen ist es so eine Sache: Sie lassen sich nur mit gehörigem Aufwand abstecken, denn oft weiß man nicht, was man will. Gerade diesen Umstand machen sich ja die sog. Berater zunutze, indem sie Ihnen einreden, mit einer Kapitallebensversicherung etwas für Ihre Familie und für sich selbst zu tun oder den Wohn-Riester – ein schreckliches Wort – für die eigenen vier Wände zu nutzen. Da heißt es dann für Sie: Standhaft bleiben und die Ziele mit vielen eigenen Überlegungen, am besten auch mithilfe des Ehepartners und der besten Freunde, so klar wie möglich definieren. Bei richtiger Anwendung dieses Verfahrens werden Sie staunen, was Ihnen alles durch den Kopf geht.

Der nächste Schritt, nämlich konsequent nach den Zielvorgaben zu handeln, dürfte den meisten Menschen besonders schwer fallen. Das liegt daran, dass es gilt, zwischen Ihrer individuellen Nachfrage nach bestimmten Finanzprodukten, die Sie im Zweifel noch gar nicht richtig kennen, und dem verwirrenden Angebot der Finanzwirtschaft, von dem nur ein Bruchteil Ihren Zielen entspricht, eine klare Trennung zu vollziehen. Das ist ganz harte Arbeit, weil dazu neben der Lektüre von allerlei schriftlichen Ratgebern, deren Qualität man nicht immer von vornherein beurteilen kann, auch viel Kommunikation mit Gleichgesinnten und mit Fachleuten gehört, die leider nicht gerade darauf warten, Ihnen die besten Tipps zu geben. Doch da müssen Sie durch, am besten, indem Sie es mit der Abstimmung der allereinfachsten Finanzprodukte auf Ihre Ziele versuchen.

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