Lieber Mister Bernanke,

8. Dezember 2009 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

jedes mal, wenn ich von Ihnen höre oder lese, hüpft mein Herz vor Freunde wie das eines Wall Street Brokers oder eines Investmentbankers vor einer Bonuszahlung. Nicht dass ich es verstehen würde, was Sie im Einzelnen sagen – vielleicht sagen Sie auch gar nicht soviel, doch Sie stehen immer im Zentrum der weltweiten Aufmerksamkeit. Sie müssen doch um die Dinge wissen…

Viel wird über Sie geschrieben. Nicht nur Gutes. Dabei machen Sie doch Ihren schwierigen Job so gradios gut. Was ich Sie immer schon mal fragen wollte… warum meinen Sie und Ihre Kollegen es immer so gut mit diesen Goldbugs? Aber gestatten Sie zunächst eine andere Frage. Warum sind Sie eigentlich Chef dieser Federal Reserve Bank (FED) geworden, die ja gar nicht „federal“ ist, auch keine „Bank“ und gar keine „Reserven“ hat. So attraktiv ist der Posten doch gar nicht. Da drüben bei Goldman werden dieses Jahr 700.000 USD pro Mitarbeiter gezahlt, 140 Milliarden US-Dollar allein unter den 23 größten Banken. Es müssen edlere Gründe gewesen sein, wie dem dem Land zu dienen und die Welt besser zu machen.

Sein Vermögen ist vergangenes Jahr nach offiziellen Daten auf 850.000 bis 1,9 Millionen Dollar geschrumpft, diese Schätzung hat Bernanke der Regierungsbehörde für Ethik mitgeteilt. Eine Jahr zuvor hatte er noch deutlich mehr besessen, 1,2 bis 2,5 Millionen Dollar. Das bedeutet einen Einbruch um bis zu 29 Prozent. (Quelle)

Die Aufgabe der FED ist das Festsetzen des Preises für Geld, das den Banken Grenzen setzt, wie viel Sie wiederum aus dem Nichts an neuem Geld schöpfen können und es dann für einen höheren Zins weiter verleihen. Richtig? Sie müssen es als Chef dieser Organisation gut mit den Banken meinen, denn Sie verschenken zur Zeit Kredite. Gleichzeitig sammelt die FED schlechte Papiere auf den Märkten auf wie Kehrmaschinen den Unrat auf den Straßen. Liege ich richtig in der Annahme, dass die Luft in Ihren Kellern etwas stickig ist, gleich da, wo die angeblich die 8.000 Tonnen Gold liegen? Gerne würde ich die Gespräche der beiden „Anlageklassen“ wie man es heute nennt, belauschen… Oder ist es still da unten?

Soweit ich erkenne, helfen Sie Herrn Obama, das Geld auszugeben, indem Sie es ihm zustecken. Er und seine Kollegen geben viel aus. Zuviel, heißt es. Schimpfen Sie deshalb hin und wieder mit ihm. Haben Sie früher mit dem Herrn Doubble You auch geschimpft? In wenigen Stunden steigt die offizielle Schuldenlast der Amerikaner auf 12.000.000.000.000 USD. Inoffiziell sollen es schon 72 Billionen USD sein – für jeden US-Bürger runde 234.000 Dollar. Das finde ich viel. Was um Himmels Willen haben sich die Leute dafür alles gekauft?

Ich frage das nur, weil ich verstehen möchte, warum man hier in Europa so knausrig ist und so oft von Stabilität spricht. Ohne das geht es doch auch. Oder? Happy Instability ist doch was. Wir wollen doch hier auch eine Party wie bei Ihnen. In den USA ist unter Stabilität immer die am Finanzmarkt. Ach, wir machen hier ganz komische Dinge. Ich fand noch einen Unterschied. Hier in Europa ist man nicht so gut auf Gold zu sprechen. Die EZB und ihre angeschlossenen Notenbanken verkaufen immer wieder welches. Sie da drüben rücken ja nichts raus, zumindest nicht das eigene, hört man so.

Jetzt hat sich Gold seit ein paar Tagen über der Marke von 1.000 Dollar pro Unze festgebissen.

Goldcharts

Mister Chairman, ich finde das nicht in Ordnung, dass ein Amerikaner jetzt fast neun Tage lang arbeiten muss, und damit die doppelte Zeit wie 2005. Was sollen diejenigen machen, die das noch nicht kapiert haben, was Sie da tun? Jedes mal, wenn der Goldkurs abrutscht, was er in den letzten Wochen leider nicht mehr tat, freut es mich riesig, während die anderen eine Manipulation seitens großer Banken Händler vermuten, denn ich weiß ja, Sie meinen es gut mit den Goldbugs. Ich verstehe es immer als Subventionierung, nicht als bösen Willen, wenn Gold fällt. Ich vermute, viele kommen erst noch dahinter, dass Goldpreise steigen, wenn es immer mehr Geld auf der Welt gibt. Deshalb sollte man doch haben. Nicht wahr? Die Erste Bank vermutet in einer Analyse aus dem Juli 2009, dass Sie dem Gold ein perfektes Umfeld bereiten.

Die stark expansive Notenbankpolitik (und die damit verbundene Geldschöpfung historischen Ausmaßes), sowie die massive Ausweitung der Staatsverschuldung rund um den Globus könnten Inflation zum großen Problem der nächsten Jahre machen. Dies gepaart mit nahezu weltweiter Nullzinspolitik sowie zunehmender Kritik am Dollar als Weltreservewährung, bedeutet unserer Meinung nach eine perfekte Ausgangsposition für weitere Goldpreisanstiege. (Quelle: Erste Bank Research)

Ihr Vorgänger, Mister Greenspan hat neulich auf einer Investorenkonferenz wieder so freundlich über das Gold gesprochen. „Was fasziniert, ist das Ausmaß, welches Gold als ultimatives Zahlungsmittel besitzt und die Herrschaft über das Finanzsystem als ultimative Quelle der Zahlung.“ (ganzer Text) Kennen Sie eigentlich seinen Aufsatz über Gold und Freiheit aus dem Jahr 1966? Ich sende Ihnen den gerne zu. Hier eine Leseprobe…

„Ohne Goldstandard gibt es keine Möglichkeit, Ersparnisse vor der Enteignung durch Inflation zu schützen. Es gibt dann kein sicheres Wertaufbewahrungsmittel mehr. Wenn es das gäbe, müßte die Regierung seinen Besitz für illegal erklären, wie es ja im Falle von Gold auch gemacht wurde.“ (ganzer Text)

Später, es war im Frühjahr 1993, wurde er von Larry Parks (FAME) gefragt, ob er noch zu den Argumenten und Schlussfolgerungen seines Artikels stünde. Absolut, war seine Antwort. Nun gut, es gibt ja viele Gerüchte um den Maestro, beispielsweise, dass er sich in Krügerrand-Münzen für seine Vorträge bezahlen lässt.

Sie haben doch bestimmt guten Kontakt zu Paul Volckers. Das ist der Notenbankchef, der das Ruder in den 80ern nochmal herumreißen konnte. Haben Sie das auch vor? Verzeihung, ich schweife schon wieder ab.

In den letzten Monaten gibt es immer wieder Berichte, in denen schweres Geschütz auf den Dollar gerichtet wurde. Die Ölländer wollen ihr schwarzes Gold nicht mehr nur gegen Dollar herausgeben, war im Independent zu lesen. Soweit ich weiß, müssen die Länder ihr Öl in Dollar waschen und sitzen dann auf einem Berg der von Ihnen gedruckten Scheinen, der von Jahr zu Jahr weniger wird. Saddam Hussein hatte viel Öl und den Euro auch lieber, als den Dollar. Wir kennen die Geschichte.

Ach, Mister Chairman, ich weiß, dass Sie die Sache gut machen werden. Nehmen Sie vielleicht hier und dort noch etwas Rücksicht auf die, denen gerade in den letzten Monaten ein Licht aufgegangen ist, was Ihr eigentlicher Auftrag ist, die Ihre Vermögen noch etwas diversifizieren wollen. Die Chinesen wären Ihnen sicher auch zu Dank verpflichtet. Vielleicht bekommen Sie ja später noch den Wirtschaftsnobelpreis, irgendwann, wenn Sie erfolgreich mit der Deflation umgegangen sein werden. Ich wünsche es Ihnen von Herzen, und habe daran keinerlei Zweifel.

Alles Gute für Sie! Und richten Sie bitte Sir Alan Greenspan meine Grüße aus.

Herzlichst
Ihr
Frank Meyer

P.S. Was stand gleich nochmal auf den Dollar-Scheinen? In Gold we trust? Ach nein, es ist Gott, dem man vertaut.

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