Boomzession & andere Kuriositäten

18. Juni 2009 | Kategorie: Kommentare

Da die meisten Leute genauso wie der Autor dieser Zeilen hinsichtlich der kommenden Wochen im Dunkeln tappen, befragen wir heute die Fragezeichen. Damit es etwas netter aussieht, lassen wir diese einfach tanzen. Die vergangene Woche brachte wenig Erhellendes, dafür viel Erheiterndes, vermischt mit einer Portion an Komik und auch Tragik. Und sie gebar ein neues Wort…

Zunächst das Tragische… Die Schweinegrippe hat ihr erstes international bekanntes Opfer gefunden. Einen der berühmtesten Schauspieler der Welt raffte sie dahin. Allerdings scheint man begründete Vermutungen zu haben, wer die Täterin sein könnte…

In jeder Krise steckt auch eine Chance, steht in den Zeitungen. Wir werden gestärkt aus ihr hervorgehen, ist das ausgerufene Motto der Unternehmensberichterstattung. Wer mit „wir“ gemeint ist, darüber denke ich noch nach. Ist damit etwa auch die SPD gemeint? Nach der Insolvenz von Arcandor gibt es nun auch Gerüchte um eine Insolvenz der ehemaligen Volkspartei. Während die SPD lange leidet, könnte Arcandor schnell wieder auf die Beine kommen. Von Staatshilfe und Massekredit war am Wochenende die Rede.

Übrigens steht auf der Homepage von Arcandor der Slogan COMMITTED TO CREATING VALUE. Das, was momentan davon übrig geblieben ist, zählt gerade der Insolvenzverwalter zusammen. Ein Boom von Minuszeichen, hört man. Verpassen Sie nicht den Unternehmensfilm (Quelle) Wobei das Wort „Quelle“ jetzt Zufall war.

Die FAZ betitelte nach der Insolvenz von Arcandor eine Überschrift mit „Aus – Vorbei – Weiter“. Das trifft es auf den Punkt. Mit einer Insolvenz schüttelt man Gläubiger ab, rafft sich mit Staatshilfe wieder auf und macht weiter wie bisher, vielleicht etwas schlanker, mit niedrigeren Löhnen und etwas mehr Preisdruck. Und dann passt auch wieder der Leitspruch von Arcandor auf der Internetseite. Man könnte ihn auch einfach dort stehenlassen…

Boom-zession -ist ein neu kreiertes Wort, eine blitzende Werbeidee für die kompakte Form der Zeitung „Die Welt“. Ich finde das großartig, denn es erweitert nicht nur den Sprachschatz, es zeigt auch Optimismus. Jetzt warte ich ab, bis dieses Wort in das Vokabular der Volks – und Betriebswirte Einzug gefunden hat.

In sächsischen Freiberg wurde Gold gefunden, viel mehr, als man bislang vermutet hat. Eine Karte von Sachsen zeigt, wo überall diese „Flitter“ aufgetaucht sind. Für Sachsen könnte es ein Glücksfall sein, mitten in einer Zeit, in der es weniger zu tun gibt. Wir wissen nicht, welche Folgen das für den Tourismus haben wird, würden uns aber nicht wundern, wenn bald eine touristische Boomzession an Sachsens Flüssen ausbrechen würde. Wo Sie sich niederlassen sollten, verrät die in der BILD mitgelieferte Karte. (Quelle)

Wer mit Gold nichts anfangen kann, Herr Rürup übrigens auch nicht und hat davor gewarnt, hier noch ein Tipp vom Geologen Thomas Seifert der Bergakademie Freiberg:

„Als Wertanlage ist es das Sicherste, was es gibt. Es ist im Gegensatz zu Silber unzerstörbar, es trotzt sogar Umwelteinflüssen wie Rost oder Feuer.“

Versuchen Sie das mal mit ihrer Altersvorsorge. Nun die schlechte Nachricht. Das Zeug liegt hunderte Meter tief in der Erde. Das sollte Sie jetzt nicht deprimieren, schließlich gibt es ja noch den Bundestagswahlkampf und die Aussicht auf vielerlei Versprechen. Denen zu glauben ist einfacher, als nach Gold zu schürfen. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier kündigt einen „fulminanten Wahlkampf“ an. Ich hoffe, dass er damit das Sommerloch ausstopft, denn sonst wird uns ja langweilig. Eine gute Vorlage hat er am Wochenende schon geliefert:

„Alles, was dieses Land in der Krise zusammengehalten hat, kam von uns.“

Ist das nicht lustig? Die SPD sieht sich verantwortlich für Abwrackprämie, Kinderbonus, Begrenzung von Managementgehältern und Schulstarter-Paketen. Naja, bezahlen muss es die SPD nicht. Das machen wir. Bei Opel sei es auch die SPD gewesen, die nach Investoren gesucht und diese auch gefunden habe, heißt es. Nur übersieht Steinmeier, wieviel das alles gekostet hat und noch kosten wird, abgesehen davon, dass ein Großteil zu General Motors abfließen wird, vielleicht sogar wie schon versucht auf die Cayman Inseln.

Dafür haben wir jetzt eine Schuldenbremse beschlossen, die Ländern komplett und dem Bund fast komplett neue Schulden verbietet, wenn auch erst in einem Jahrzehnt. Abgesehen von den vielen Ausnahmeregelungen frage ich mich, welche Politiker dann überhaupt noch im Amt sind. Und was alles unter Ausnahme verstanden wird, ist sicherlich eine Sache der Auslegung.

Es wird ein fulminanter Sommer. Ich bin gespannt. Wenn es in diesem Jahr schon keine Fußball-WM gibt, haben wir doch mit diesem Wahlkampf ein anderes grandioses Spektakel – eines von der teuren, dafür aber von der köstlichen Sorte. Zumindest bis zum 27. September

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