Rente aus Papier und Gold

25. Mai 2009 | Kategorie: Kommentare

Unter „TopNews“ erfahre ich heute, dass jeder Deutsche im Schnitt 130 Euro an die Sammelbecken für die private Altersvorsorge überweist. Das Marktforschungsinstitut YouGovPsychonomics hat das im Auftrag der Versicherungskammer Bayern errechnet. In der Krise wird nicht gespart, heißt es, vor allem nicht an der Altersvorsorge. Ja, man konnte es ja immer wieder lesen wie wichtig es ist, privat etwas zur Seite zu legen. Doch in welcher Form?

Diese Studie könnte ein tolles Marketinginstrument für Leute aus dem Vertrieb der Finanzdienstleister werden. Man lege die Zahlen den nach Rat Suchenden auf den Tisch und erklärt, dass es ja alle so machen. Wer will schon gerne Außenseiter sein? Massenphänomene wie die Altersvorsorge sind schon eine heitere Lektüre. Wieviele Fernsehminuten wurden verschwendet, um zu erklären um dann festzustellen, dass es ganz anders gekommen ist. Was die Zukunft bringt, weiß keiner, doch es macht Sorge.

In welcher Währung zahle ich, wenn ich im Jahr 2036 in Rente gehe? (…sollten die Götter gnädig sein) Die meisten Leute haben Sorge vor der finanziellen Zukunft. Zugleich geben 80 Prozent der Befragten an, der gesetzlichen Rentenversicherung nicht zu vertrauen. Pardon, da steht, dass 20% dieser Rente vertrauen. Es müssen wohl Rentner sein. In Berlin sollten die Alarmglocken läuten. Doch Moment mal, man hat nicht nur das Recht auf diese Einzahlungen, sondern als Angestellter auch die Pflicht. Das Geld wird doch einfach einbehalten. So einfach ist das.

In der Umfrage wurden 1.250 Bundesbürger im Alter von 18 bis 65 Jahren repräsentativ befragt.

Als Altersvorsorgeprodukt genießt die private Rentenversicherung bei den Bundesbürgern nach Immobilien, Gold und Sparbüchern derzeit das größte Vertrauen – deutlich mehr als die gesetzliche Rente, der nur noch jeder Fünfte (20%) vertraut. Damit profitiert die klassische kapitalbildende Lebensversicherung vom Umdenken der Deutschen. Äußerst wenig Vertrauen im Hinblick auf die Altersvorsorge erwecken derzeit Investmentfonds (14%) und insbesondere Aktien (6%).

Acht Prozent wollen ihre Altersvorsorgung aufstocken. Bei einer möglichen Verschlechterung der finanziellen Lage wollen 75% die Ersparnisse nicht antasten – 25% schon, entnehme ich der Studie.

Wohin gehen die 130 Euro?

130 Euro im Monat klingen nicht besonders viel. In der Summe ist es doch gewaltig, was monatlich an Bundeswertpapieren damit aufgekauft wird. Wenn die Hälfte dorthin fließen sollte, sind es Milliardenbeträge, die dem Staat als Darlehen zufließen. Die braucht er auch, allein schon, um die Zinsen auf seine Schulden zu begleichen. 70 Milliarden sollen es in diesem Jahr sein, erzählte am Wochenende die Fernsehsendung Quarks & Co. Und wenn etwas übrig bleiben sollte, bieten sich ja auch noch Rettungsmaßnahmen für systemrelevanten Unternehmen an, wie Porsche, Karstadt, Scheffler und Opel, später dann Helga`s Eisbude, Dieter`s Autowerkstatt und Daniela`s Fingernagelstudio. Ich weiß, es ist falsch geschrieben. Doch was spielt das heute schon für eine Rolle, wenn es um die Zerrüttung der Staatsfinanzen geht? Noch ist es aber nicht soweit, und es bleibt zu hoffen, dass es auch so bleibt.

130 Euro im Monat bedeuten den Gegenwert eines großen Wochenendeinkaufs für die Familie, nur dass es jetzt Euro sind, und nicht mehr D-Mark. Die einen sparen mehr, die anderen können gar nichts sparen. Jeder siebte lebt hierzulande am Existenzminimum. Sparen? 130 Euro ist eine Zahl, mehr aber auch nicht. Man sollte sich keine Gedanken darüber machen, schließlich erkauft man sich mit 130 Euro eine Art monatlicher Beruhigungspille, um nicht dieser Krankheit anheimzufallen, der finanziellen Unsicherheit, wenn man das Rentenalter erleben sollte.

Deutsche beginnen Gold zu horten

Mit Erstaunen lese ich, dass die gesetzliche Rentenversicherung nach Immobilien, Gold und Sparbüchern hoch im Kurs steht. Die Deutschen kaufen Gold? Der Sache gehe ich mal nach. Der World Gold Council, die Lobbyorganisation der Goldschürfer, meldet in der letzten Woche, dass im ersten Quartal 59 Tonnen Gold in Deutschland nachgefragt worden sind. Ich weiß nicht wie diese Zahlen zustande kommen, doch nehmen wir mal an, es wäre so gewesen….

Ein paar Zahlenspiele

Auf die Bevölkerung umgerechnet, sehen 59 Tonnen auf den ersten Blick nach einem riesigen Haufen aus. Umgerechnet sind das 1,9 Millionen Unzen. Auf alle Bundesbürger verteilt sind das 0,72 Gramm mit einem Wert von 16,55 Euro. Im Quartal. Hmmm… Ein Goldinlay wiegt meistens etwas mehr.

In der Schweiz wurden im ersten Quartal 39 Tonnen gekauft, pro Eidgenosse 5,1 Gramm im Wert von 117 Euro. Die Schweiz gilt seit jeher als goldfreundliches Land.

Anders gerechnet – Altersvorsorge in Gold

Nehmen wir an, der Goldkurs wäre bei 1.000 Euro pro Unze und nicht wie jetzt bei 688 Euro. Würden jeder in Lohn und Brot stehenden Bundesbürger (40 Mio.) monatlich 130 Euro in Gold sparen, bekäme er dafür monatlich 4 Gramm Gold, aufs Jahr gerechnet 48 Gramm. Nach zehn Jahren säße jeder zweite Deutsche auf einem Goldschatz von einem halben Kilogramm.

Auf 40 Millionen Bundesbürger hochgerechnet, beliefe sich die monatliche Nachfrage auf 160 Tonnen. Das sind 1920 Tonnen Gold im Jahr – die in etwa der jährlichen weltweiten Förderung entspricht.

Jaja, ich sehe schon. Es gibt zu wenig Gold für alle. Gibt es deshalb soviel Papier?

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