What a komisch day…

8. Dezember 2009 | Kategorie: Kommentare

von Frank Meyer

Das sind ja wieder mal richtig gute Nachrichten. Josef Ackermann sieht schon wieder ein Licht am Ende des Tunnels. Sollten wir in Deckung gehen? Goldman Sachs ruft das Ende der Krise aus, an der man fürstlich verdient hat. Die Börsen steigen und die kleine viertelstaatliche Commerzbank hat auf einmal große Ziele. Börsianerherz, was willst Du mehr?

Nur der Goldpreis kann die Marke von 1.000 US-Dollar nicht halten, wurde imnmer wieder geschubbst. Paul Volker, der ehemalige US-Notenbankchef sagte einst, als in den 80er Jahren, die Inflation tobte, alles richtig gemacht zu haben, mit einer Ausnahme, den Goldpreis nicht manipuliert zu haben. Aus Fehlern lernt man ja bekanntlich, vor allem, wenn es um die wichtigen Dinge geht. Gold stiegt damals auf 850 USD/Unze. Bette Midler ließ sich das Honorar in Krügerrand auszahlen, was im Übrigen auch Alan Greenspan nachgesagt wird, wenn er einen Vortrag hält.

Paul Volcker hatte damals die Wahl zwischen Pest und Cholera. Um den Dollar zu schützen, setzte er die Zinsen bis auf 20 Prozent hoch und machte der Wirtschaft den Garaus. Auf den Stufen des Capitols wurden seine Bilder verbrannt. Als die Zombies aufgegeben hatten, ging es mit den Überlebenskünstern weiter. Heute ist es anders. Man alimentiert die systemrelevanten Unternehmen und bestimmt, wer diese sind. Und was ist mir dem systemrelevanten Bürger, der mit seinen Einkäufen für 70 Prozent des amerikanisieren BIP steht? Die Verschuldungswut schwindet jedenfalls – notgedrungermaßen…

Paul Volkers hatte damals noch die Möglichkeit, die Finanzen der USA zu retten, auch wenn es bitter war, so war es erfolgreich. Heutige Zinsen in der Nähe von 20 Prozent, selbst wenn es nur die Hälfte wäre, würden den GAU für das mit Papier und Krediten überschwemmte Finanzsystem bedeuten. Und das weltweit. Eine Bereinigung von Halbtoten und Schwachmaten ist heute nicht gewollt und Failure is no option. Scheitern ist keine Option. Man braucht andere Optionen. Vielleicht erkauft man sich damit Zeit, wohl aber kaum Stabilität, denn 10 Billionen USD an neuem Geld weltweit zur „Rettung“ der Finanzmärkte sind Kredite, deren Einlösung in Form von Leistung auf sich warten lassen. Wahrscheinlich ewig.

Folker Hellmeyer sagte vor einem Jahr auf der Edelmetallmesse in München auf die Frage, ob die Notenbanken den Goldpreis manipulieren… Mag sein, sagte er, aber verstehen Sie es als eine Art der Subventionierung. Vor einem Jahr ging der Goldpreis über die 800er Dollar-Marke. Heute steht es bei 1.000 Dollar pro Feinunze. Silber wurde fast bis an die Marke von 17 USD pro Unze vorgelassen. Unterdessen ruft das chinesische Fernsehen die Bürger zum Kauf von Edelmetallen auf und die gelbe Notenbank kauft heimlich Gold, berichtet ein Journalist vom britischen Telegraph. Notenbanken horten Gold. So die Schlagzeile von AP. Wie lustig. Nein, das tun sie nicht. Gemeint war, dass Sie es weniger schnell verkaufen, nur 400 statt 500 Tonnen pro Jahr, wenn sie überhaupt noch soviel haben.

Man fragt sich, warum die aus dem Nichts aufgetauchte General Motors auf einmal Bedingungen für Opel stellen kann, den Laden sogar für sich behalten möchte. Ganz einfach. Man hat sich der Schulden entledigt und den Staat überfallen. Die Gläubiger mussten einstecken – eine Variante, an denen sich Staaten auch ein Beispiel nehmen könnten. Jetzt muss man nur noch Autos verkaufen, bzw. die Finanzabteilung des Autobauers wieder auf Vordermann bringen. Doch die Amerikaner fahren gerade ihre Schulden zurück, beziehungsweise nehmen weniger davon auf. Das riecht nach Schwierigkeiten inmitten der guten und glücklichen Nachrichten eines Aufschwungs, ohne Geld in den Taschen. Wie das funktionieren soll? Keine Ahnung!

Ob es ein glückliches Weihnachten wird? Wir wissen nicht, was unter glücklich bei Wikipedia gemeint sein könnte. Zu vermuten wäre, dass Weihnachten 2009 etwas bescheidener ausfallen wird als in den letzten Jahren. Vielleicht kommt Obama daher, mit Päckchen auf dem Schlitten, um die Wirtschaft anzukurbeln und auch seine Popularität.

Haben Sie Commerzbank-Aktien? Ja? Man wird Sie in diesen Tagen beneiden, denn die Papiere stiegen in den letzten Monaten um 300 Prozent auf 8,50 EUR. Ach, Sie haben bei 30 Euro gekauft? Hmmmm… Nach Aussagen vom Chef Martin Blessing geht die Bank einer glücklichen Zukunft entgegen. Im Jahr 2011 gibt es schon wieder Gewinne. Vielleicht sogar früher. Der Staat soll sein Geld zurück bekommen, wenn die Konjunktur anspringt. Wenn. Und man will Deutschlands Nummer Eins im Investmentbanking werden – vor der Deutschen Bank. Nur das wann blieb offen. Ein Hauch von Hybris umweht den gelben Turm zu Frankfurt und auch das Lachen der Götter.

Die Auftragseingänge der Industrie legten im Juli um 3,5 Prozent zu. Da es besser aussieht, so kurz vor einer Wahl, vergleicht man Wirtschaftsdaten jetzt schon auf Monatsbasis. (-23% gg Vorjahr) Das sind die guten Nachrichten. Interessant erscheint hierbei, dass es die Ausgaben für die Verteidigung gegen wen auch immer gewesen sind, die die Julizahlen so gut aussehen lassen. Irgendwie kommt mir das bekannt vor…

Der DAX tänzelt auf einem neuen Jahreshoch herum, während der Autor dieser Zeilen fragt, warum das so ist. Sollte ich nach der Pfeife suchen und nicht nach dem Hund? Wäre ich Notenbank, ich würde den Druckluftschlauch in Richtung Bondmärkte nie erschlaffen lassen. Eine Flucht aus Anleihen, selbst wenn diese gerade stattfinden würde, bekäme man gar nicht mit. Ich würde einfach „nachpumpen“. Währenddessen steigen die Preise der anderen Anlageklassen, drückt es das Geld in Aktien, was wiederum als Stärke der Wirtschaft und Zuversicht ihrer Subjekte interpretiert werden könnte. Vielleicht kurbelt man so eine moderne Wirtschaft heute an. Wir wissen es nicht, fragen aber, wieso ein Unternehmer etwas unternehmen soll, wenn es an der Börse viel einfacher ist, Gewinne zu machen?

Jetzt müssen die Leute nur noch ihr Geld ausgeben und Unternehmen müssen investieren, in was auch immer. Ja, sie werden es tun, spätestens dann, wenn die Preise da draußen steigen, werden sie loslaufen. Ganz freiwillig und ganz schnell. Da kann man fast sicher sein.

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