+ + + Gold 1.000 + + +

8. September 2009 | Kategorie: Kommentare

von Frank Meyer

Gold ist auf 1.000 US-Dollar gestiegen. Was heißt das für uns Europäer? Nichts, nur dass es dem Dollar jetzt schlechter geht im Verhältnis zu Gold. Bezahlt man seine Brötchen hierzulande in US-Dollar? Sehen Sie! Von einer „magischen Marke“ ist jetzt überall die Rede, als ob Harry Potter seine Finger im Spiel haben könnte. Hat er ja auch. Nur heißt er in Wirklichkeit Ben Bernanke, wohnt nicht in Hogwarts, sondern in der FED…

Ach, das waren doch neulich mal wieder interessante Worte von Papa Potter, Pardon, Alan Greenspan. „Wenn wir das ganze Ausmaß der Expansion nicht wieder zurückführen, bekommen wir Probleme“, sagte er neulich auf einer Bankenkonferenz in Bangkok. Noch mehr Probleme? Meine Oma hätte gesagt: „Wenn wir nicht aufhören, Geld zu drucken, gibt es früher oder später Ärger. Der Unterschied ist, dass Greenspans Wort mehr zählt als der Rat einer alten klugen Frau. „Dabei gehe es nicht um Inflationsraten von 3% bis 5%, es drohten dann vielmehr zweistellige Inflationsraten in den USA.“, sagte Greenspan. Haben Sie den Jubel aus der Regierung gehört? Für die Staatskassen ist die Inflation wie ein Lottogewinn. Alte Schulden werden mit schlechtem Geld zurückgezahlt. Moment, umgeschuldet. Man muss nur betroffen genug tun. Zurückzahlen ist nicht möglich und wohl auch nicht gewollt.

Zauberlehrlinge

Der arme Bernanke. Ihm wird nachgesagt, er wäre ein Meister im Bekämpfen eine Deflation. Er hat das ja studiert. Als er seinen Posten in der FED vom „Maestro“ übernahm, übergab ihm Greenspan seinen etwas abgenutzt aussehenden Zauberstab, mit dem er jeder Deflation den Garaus machen könnte, wenn er es denn wollte. Alan flüstere ihm wahrscheinlich noch das Zauberwort ins Ohr: „Fiat Money…!“ Bei ihm hat es jedenfalls immer gewirkt. Und so fuchtelt der arme Ben durch die Gegend, wohl hoffend, dass ihm bald noch der Gegenzauber einfallen wird, bevor das Bad und das Haus unter Wasser stehen. Ihm wird nichts einfallen, auch wenn er von Exit redet, denn er sucht den Ausgang er nehmen soll, ohne dass es kracht. Gold ahnt das. Dieses Zeug ist ziemlich träge. Springt es, dann springt es heftig. 1.000 USD könnten eine Zäsur sein, an die man sich später erinnern wird wie an die Zeit, als der Dow Jones über 10.000 kletterte.

Goldcharts

Der Tag war heiter. Was haben wir lachen können, als sich die Experten meldeten. Sie haben festgestellt, dass sich Gold im Aufwärtstrend befindet. Alle Achtung! Sie warnen zugleich vor dem Gold wie vor Gammelfleich. Experten halten es für möglich, dass Gold bald noch viel mehr wert sein wird, schreibt die Welt. Maximal zehn Prozent sollte man haben. Maximal. Drei Ausrufezeichen. Nein. Vier! Ich begab mich kurz in den Keller, um meinen Lachkrampf zu bekämpfen. Man muss ja nicht immer die Nachbarn stören. Es gibt schlichtweg nicht genügend von dem Stoff der Götter für alle. Aber das sagen Sie mal den Experten. Ich schaue mich weiter nach „Meinungen“ um:

Der Goldpreis ist erstmals seit Februar über die psychologisch wichtige Marke von 1000 Dollar gestiegen. Das Rekordhoch von 1030,80 Dollar vom März 2008 rückt damit aus Sicht von Experten in Reichweite. (Quelle: Yahoo Finanzen)

Braucht man dazu hoch bezahlte Fachleute? Aber sicher doch! Psychologisch wichtige Marke… Bei -zig Milliarden neuem Geld aus dem Nichts regt sich in der Psyche der meisten doch auch wenig. Wenn das Thermometer am Morgen draußen 12 Grad zeigt, rückt die psychologische Marke von 13 Grad in unmittelbare Reichweite. Und weil heute Wetter ist, ist morgen psychologisch gesehen wahrscheinlich auch wieder Wetter. Diese oft so wissend dreinschauenden Leute reden voller Überzeugung von Dingen, von denen sie in etwa soviel Ahnung haben wie ein Gärtner vom Betrieb eines Atomkraftwerkes.

Eigentlich ist es egal, ob Gold bei 1.030, 3.500 oder 800 USD als nächstes herumtanzt, es geht um Wahrscheinlichkeiten. Gold agiert nicht, Gold reagiert – nämlich darauf wie oft die Zauberstäbe der Geldproduzenten in Benutzung sind. Nicht dass wir es wissen, doch der Goldpreis gibt Auskunft, auch wenn er mächtige Gegner hat. Goldpreise stehen im Verhältnis zu den Preisen der anderen Anlageklassen, auch zu Bargeld oder zu diesen „sicheren“ Anlagen, von denen oft die Rede ist. Letztlich kommt es nur darauf an, ob man es hat oder ob man es nicht hat – ob man es mag oder nicht mag – ob man es braucht oder nicht braucht oder brauchen könnte. Und im Notfall, naja, da hilft Ihnen auch kein Experte.

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