Gold und Silber im Trend weiter aufwärts, basta

17. November 2009 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek

Langer Anlauf, kurzer Endspurt und dann am Freitag 1000 Dollar je Unze doch nicht übersprungen: Was soll man von dieser Entwicklung des Goldpreises halten? Nun, auf Anhieb eine ganze Menge; denn wer Gold, Silber und Edelmetallaktien besitzt, wie hier schon dutzendfach empfohlen, ist in der abgelaufenen Woche ein ganzes Stück reicher geworden. Grund genug, nachzuforschen, unter welchen Bedingungen sich diese angenehme Konstellation fortsetzt…

Da der Gold- und der Silberpreis sowie die Kurse der Edelmetallaktien am Mittwoch und Donnerstag geradezu explodierten, wollte ich Ihnen heute zunächst über die Ergebnisse der Ursachenforschung in den gängigen Medien berichten. Doch daraus ist mangels substanzieller Berichterstattung nichts geworden. Im Übrigen müssten Sie als aufmerksame Leser meiner Beiträge seit nunmehr fast drei Jahren alle Argumente, die für die beiden Edelmetalle sprechen, schon mehrfach verinnerlicht haben. Außerdem hätte mich das Erforschen der wahren Ursachen mindestens eine Unzahl von Telefonaten und Mails – wenn nicht sogar Flügen – in alle möglichen Winkel der Welt zu Edelmetallexperten gekostet, die üblicherweise das Gras wachsen hören. Doch dabei wäre wahrscheinlich kein ultimatives Ergebnis zu erwarten gewesen. Solche Experten beschäftigen sich nämlich in der Regel nicht mit Tagesereignissen, sondern mit Trends. Der Aufwärtstrend der beiden Edelmetalle hält ja nun schon seit über acht Jahren an und wird das in Wellenbewegungen auch weiter tun, basta.

Die Abgrenzung von Argumenten zu den – nur scheinbaren – Ursachen ist wichtig, denn Letztere werden von den Medien überwiegend mit dummen Kommentaren nachgereicht. Das war dieses Mal nicht anders. Hier eine kleine Auswahl: „magische“, „psychologisch wichtige“ und mit ähnlichen gedankenlosen Attributen versehene 1000 Dollar je Feinunze Gold im Visier (abgedroschen), staatliche Empfehlung für Silberanlagen in China (wegen des für Silber sprechenden Gold-/Silberpreis-Verhältnisses), technische Reaktion (passt immer, weil jede Preisbewegung so gedeutet werden kann), der September als traditionell bester Monat für Anlagen in Gold (was die Statistik so alles hergibt), Rückgang der Aktienkurse (dreimal um die Ecke gedacht), Abschwächung der Konjunktur (und was ist, wenn dann auch die Nachfrage nach Gold- und Silberschmuck einbricht?). Damit soll es genug sein, um plausibel zu machen, wie gedankenleer – wenngleich zum Teil auch phantasievoll – die Bewegungen der Edelmetallpreise von den Medien kommentiert werden.

Viel spannender als das alles ist die Antwort auf die Frage, woher die größten Impulse für die weitere Entwicklung des Gold- und Silberpreises kommen werden: 1. von der die Märkte überflutenden Geldschwemme, 2. vom Wechselspiel der Deflationsängste und Inflationserwartungen, 3. vom erneuten Einbruch der Konjunktur. Alle drei sind miteinander verwoben, alle drei werden zurzeit von den Anlageprofis heiß diskutiert.

Da die Geldschwemme inzwischen beängstigende Ausmaße angenommen hat, ist es EZB-Chef Trichet zuletzt gelungen, die Gemüter mit dem Schlagwort „Easy Exit“ vorübergehend zu beruhigen. Unter Exit versteht man in diesen Kreisen das Eindämmen der überbordenden Geldmenge; das soll laut Trichet peu à peu geschehen. Der Zeitraum steht allerdings in den Sternen. Besonders gravierend ist, dass Geld sich nicht einfach befehlen lässt, wann und wie es in Richtung Exit zu schwimmen hat. Darüber hinaus dürfte schon jeder Versuch, es zum Exit zu leiten, unberechenbare Gegenbewegungen auslösen, etwa an den Anleihemärkten und bei den Währungen. Die absehbare Folge: Flucht in die dann noch als sicher geltenden Anlagen, vor allem Edelmetalle.

Spätestens zu dieser Zeit dürften private und institutionelle Anleger viel mehr als heute zwischen Deflations- und Inflationserwartungen hin und her gerissen sein. Sobald dann die Inflationserwartungen überhand nehmen, wird es zur Flucht in Sachwerte allgemein kommen, was neben den Immobilien wiederum den Edelmetallen zugute kommen wird – nicht von heute auf morgen, sondern schätzungsweise ab 2011. Trotz temporärer Inflationsphasen (wie z.B. vor gut einem Jahr in Deutschland) gab es während der vergangenen Jahrzehnte (seit der ehemalige Fed-Chef Volcker zu Beginn der 80er Jahre die Inflationsmentlität der Amerikaner mit extrem hohen Zinsen erfolgreich bekämpft hatte) keine nachhaltige Rückkehr zur Inflation. Nun stelle man sich vor, sie käme. Nicht auszudenken, welch verheerende Wirkung sie vor allem unter solchen Anlegern auslösen würde, die das noch nie erlebt haben: Die Flucht in Sachwerte wird dann wohl panikartig sein.

Der erneute Konjunktureinbruch, den Politiker und Banker zurzeit wider besseres Wissen immer noch schönreden, wird die hier beschriebenen Trends eher verstärken. Das heißt, er dürfte der jetzt vorherrschenden Deflationsmentalität Auftrieb verleihen, sodass der Wechsel zur Inflationsmentalität in zwei Jahren – oder später – umso dramatischere Folgen haben wird: Chaos an den Finanzmärkten. Wer sich an die Jahre 1980 und 1981 erinnern kann, versteht dieses Fazit am besten, auch wenn damals umgekehrte Vorzeichen galten: Erst fielen die Preise von Gold und Silber wie vom Blitz getroffen, dann die zweistelligen Renditen von US-Staatsanleihen und mit ihnen die ebenfalls zweistelligen – nicht ganz so hohen – Renditen deutscher Bundesanleihen.

Drehen Sie dieses Szenario einfach gedanklich um, und Sie erhalten eine Art Drehbuch für die kommenden Jahre: Erst Disinflations- bzw. Deflationsmentalität der Anleger, solange der erneute Konjunktureinbruch sein Unwesen treibt. Sobald diese Mentalität ähnlich weichen wird wie die Inflationsmentalität zu Beginn der 80er Jahre, dürften die Preise von Gold und Silber nicht mehr zu halten sein. Und bis dahin? Wie der jüngste Preissprung beider Edelmetalle gezeigt hat, erweisen ihnen immer mehr Anleger die Referenz. Motiv: Sicherheit, verbunden mit der Spekulation auf die spätere Rückkehr der Inflation.

Manfred Gburek, 4. September 2009
Homepage von Manfed Gburek

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