Sommer-Spezial Teil 4 – Investieren in “Silberzehner”

26. August 2009 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Wenn man es etwas genau nimmt, sind Silbermünzen eine hoch komplizierte Wissenschaft, wenn man es vor allem hoch kompliziert anstellt. Über die Komplexität der Komplexität im Münzbereich gibt es viele Fachbücher. Dabei sind oft nur ein paar Kleinigkeiten zu beachten. Und wir wollen die Dinge hier doch einfach halten… Heute dreht sich mein Sommer-Spezial um eine bestimmte Sorte von Silbermünzen, den „Silberzehnern“. Bitteschön!

Münzen, egal in welcher Währung, sind durch den Aufdruck eines Nennwertes gekennzeichnet, nicht durch den inneren Wert. Wird das Dasein eines niedlichen Sparschweins beendet, spuckt es vielleicht 200 Euro auf dem Tisch, wobei der Materialwert des Klimpergeldes im Cent-Bereich liegen dürfte. Ohne einen Nennwert, könnte man Münzen aus Kupfer, Messing oder Nickel ohne Reue einer Mülltonne überlassen. Solange Währungen einigermaßen stabil funktionieren, zirkuliert auch das Münzgeld, bis zum Tag, an dem es Schwierigkeiten gibt, wie gerade in Simbabwe beispielsweise…

Silber-Zehner

Manchmal landen im Postkasten Werbesendungen, die den Dummköpfen empfehlen, sich ganz schnell von ihrem Geld zu trennen. „Kaufen Sie diese ganz seltene Münze aus Blech für nur 500 Euro. Ganz toll! Ganz selten! Hohes Wertsteigerungspotential!“ Naja, Sie kennen das bestimmt. Es gibt auch Ausnahmen. Ab und zu bekommt man das Angebot, einen 10-Euro-Schein gegen eine 10-Euro-Silbermünze zu tauschen. Ich vermute, die Anbieter wollen nur an Ihre Adresse ran, um sie weiter zu verkaufen. Das ist aber eine andere Geschichte. Zumindest sind die Münzen ehrlich, beinhalten sie doch eine halbe Unze Silber. Der 10-Euro-Schein dagegen beinhaltet eine ganze Menge Vertrauen, jede Menge Tinte und einen Hauch Heizwert. Passierte dem 10-Euro-Schein etwas (was auch immer…), bliebe mit der Silbermünze eine halbe, schlecht brennbare Unze Silber übrig.

Münze gegen Schein

Die Bundesbank gibt regelmäßig Silberzehner aus, mit wechselnden Motiven, die als offizielles Zahlungsmittel gelten. Wundern Sie sich beim Bezahlen mit Silberzehnern aber nicht, wenn der Verkäufer finster dreinschaut oder die Polizei rufen möchte. Die wenigsten Leute hinter den Theken kennen dieses Zahlungsmittel, deshalb wird es auch nur selten akzeptiert. Der Händler muss es zudem auch nicht akzeptieren und darf einen Papierschein zur Bezahlung fordern. Ärgern Sie sich dann nicht. Man kann die Münzen bei einer Bank jederzeit gegen einen 10 Euro-Schein zurücktauschen.

In guten und in schlechten Zeiten

Vor einem Jahr holten mehr und mehr Leute wegen der Schwierigkeiten im Finanzsystem ihr Geld von der Bank, bis unsere Kanzlerin vor die Kameras trat und sagte, das Geld wäre sicher. Gleichzeitig verstärkte sich die Suche nach Sicherheit. „Geld“ wurde nach Hause geschleppt, dann wurden die bunt bedruckten Scheine bestaunt, bevor sie unter Dielen, Sofas oder in der Matratze verschwanden. Wäre die Sache mit dem Finanzsystem schief gelaufen, hätte man wenigsten noch etwas zum Heizen oder fürs Museum gehabt. Aber es ging ja noch mal gut, nachdem wir für unsere Einlagen mit unseren Steuergeldern garantieren.

Nähmen wir an, jemand hätte 20.000 Euro gespart und diese in Silberzehner getauscht, so lägen auf dem Küchentisch jetzt 2.000 dieser Münzen, bzw. 31,1 Kilogramm reines Silber. Man könnte geneigt sein zu denken, 31 Kilo Silber wären besser als ein Kilo Papier. Oder?

1871-1914

Wie war das damals? Von 1871 bis 1914 wurden in Deutschland 2-Reichsmark, 3-Reichsmark und 5-Reichsmark-Stücke ausgegeben. Sie enthielten je nach Nennwert eine bestimmte Menge Silber. Mit dem Untergang des Deutschen Reiches ging auch das Geldsystem in die Binsen. Sollte man heute in alten Betten noch Papierscheine aus der damaligen Zeit finden, tja, hübsch sind sie, aber wertlos. Findet man aber solche Reichsmarkmünzen (2, 3, 5 RM), so wohnt in ihnen immer noch das Silber. Sie kosten je nach Erhaltungsgrad im Schnitt 15 Euro, manche ein Vielfaches davon.

Deflation – Inflation

Nun, die Nachrichten senden verwirrende Botschaften. Die Rede ist von Deflation und kommender Inflation. Fragt man fünf Experten, geben sie zehn verschiedene Meinungen von sich. Was bedeutet das für diese Silberzehner auf dem Küchentisch? Erst mal gar nichts…. In einer Deflation, die meistens mit einer Rezession oder Schlimmeren einher geht, und die Kaufkraft von Bargeldes ständig wächst, sind 10er-Silbermünzen ein nettes Ruhekissen, selbst wenn der Silberpreis drastisch einbrechen sollte. Diese Münzen sind sozusagen eine Put-Option auf den Silberpreis, während man immer 10 Euro Kaufkraft behält. In Inflationszeiten aber steigt meist der Silberpreis. Dann spielen 10 Euro Nennwert vielleicht gar keine große Rolle mehr, jedoch aber der innere Wert des Silbers. Auch hier bieten diese Münzen Sicherheit. Warum sollte man aber 10 Euro für eine halbe Unze Silber bezahlen, wenn man für 13 Euro eine ganze Unze (31,1 Gramm) bekommt?

Im Falle einer Inflation, ist man mit 10er-Münzen etwas gekniffen. Auch wenn das innewohnende Silber preislich steigt, ist man nur mit einer halben Unze dabei. Besser sind dann die sogenannten Standardprodukte wie Barren oder 1oz-Stücke.

Haben wir gerade Deflation? Ich bezweifle es, auch wenn offiziell die Preise fallen, frage ich mich, welches Universum gemeint sein könnte. Sind sinkende Milch- und Quarkpreise Beweis genug für eine Deflation? Die Notenbanken brauchen doch bloß noch etwas mehr Geld produzieren und es notfalls per Hubschrauber abzuwerfen. Zudem haben ja die Staaten inzwischen das Alimentieren aller Wirtschaftssubjekte übernommen. Da lässt sich bestimmt noch mehr machen, indem man sich noch höher verschuldet. Wenn aber Investoren die neuen Schuldscheine (Anleihen) nicht kaufen wollen? Kein Problem! Das erledigt die Notenbank und kauft diese Schulden auf, so wie es jetzt in den USA und Großbritannien geschieht. Damit können Staaten unbegrenzt aufschulden und nebenbei auch noch ein Scheinwachstum erzeugen – nur aber bis zum Moment, an dem Zinszahlungen höher werden als Steuereinnahmen. Alte Geschichtsbücher raten, dann bereits etwas Gold und/oder Silber zu besitzen.

Viel Geld für wenig Silber

Der Nachteil von Silberzehnern liegt im vergleichsweise geringen Silberanteil im Vergleich zu reinen 1-Unzen-Silbermünzen. (Philharmoniker, Maple Leaf, Kookaburra, American Eagle, Libertad) 31,1 Gramm Silber kosten zur Zeit ca. 13-14 Euro. Der Silberzehner für 10 Euro enthält dagegen nur einen Materialwert von jetzt 6,50 Euro. Eine kleine Hausaufgabe für Sie: Ist man mit 10-EUR-Münzen besser aufgestellt als mit 10-Euro-Scheinen?

Woher nehmen? (…wenn nicht stehlen?)

Diese Münzen verkauft die Bundesbank oder eine ihrer Außenfilialen für 10 Euro. Beziehen kann man die Münzen auch bei Händlern, jedoch zu oft höheren Preisen. Manchmal gibt es auch Lockangebote, wo man beim Kauf einer anderen Münze ein paar Silberzehner für den Nennwert einsammeln kann. Noch eine Idee: Seien Sie doch ausnahmsweise mal freundlich zu Ihrem Bankberater. Oft bekommt er sogenannte „Rückläufer“, also Münzen, die zurückgegeben werden, weil der Verkäufer Geld braucht oder mit den „Dingern“ nichts anzufangen weiß. Vielleicht hat ja die Oma so etwas „für schlechte Zeiten“ zum Geburtstag verschenkt und der Beschenkte schaut komisch, da er Papierscheinchen bevorzugt? Wenn Sie dann einen netten Typen aus der Bank kennen, vielleicht ruft er Sie auch an, wenn sich ein paar Rückläufer angesammelt haben. Oh weh! Vielleicht sammelt der Banker auch selbst diese Münzen? Manchmal arbeiten da richtige Füchse…

Viele Leute sammeln Silberzehner, denn sie sind mit ihren wechselnden Motiven recht hübsch und manche davon auch selten. Verschiedene Münzen haben inzwischen einen recht stattlichen Sammlerwert erreicht. Kurzum – es gibt nicht genügend Münzen für alle. Bei Ausgabe einer neuen Serie beginnt die große Schlacht um deren Verteilung. Sollte man welche bekommen oder Beziehungen zu einem Händler haben – warum nicht? Für die meisten bleibt nur das Ausweichen auf Standardmünzen. Darum dreht sich der nächste Teil des Sommer-Spezials „Investieren in Silber“ in den kommenden Tagen.

Jetzt müssen Sie nur noch die Frage von da oben für sich beantworten…

Frühere Beiträge aus dem Sommer-Spezial „Investieren in Silber“


Teil 1 (Silbermarkt)

Teil 2 (Silber allgemein)
Teil 3 (Barren)

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