Harry Potters Zauberladen

13. November 2009 | Kategorie: Kommentare

von Frank Meyer (Kolumne aus den Lübecker Nachrichten vom 9.8.2009)

Die Börse ist oft eine heitere Angelegenheit, manchmal auch das komplette Gegenteil davon. Vor allem ist sie aber eine sinnvolle Sache. Die einen haben Geld, aber keine Ideen, andere haben Ideen, aber kein Geld dafür. Die Börse bringt beide zusammen. Abgesehen davon drehen die Leute dabei hin und wieder komplett durch. Wenn zu viel Geld auf zu wenige Aktien trifft oder umgekehrt, wird es Zeit, sich einen Regenschirm zu suchen.

Der DAX wäre in dieser Woche fast ausgerutscht, doch „freundliche“ US-Arbeitsmarktzahlen beförderten ihn wieder ins Plus. In den USA wurden im Juli 247.000 Stellen gestrichen. Gleichzeitig sank aber auch die Arbeitslosenquote. Wie das geht, weiß Harry Potter. Doch die Börse jubelte. Momentan ist eben viel billiges Geld unterwegs, getrieben von Hoffnung, Zuversicht und einem Hauch Sorglosigkeit. Gleichzeitig erhöhen die Banken ihre Risikovorsorge. Wie passt das zusammen? Gar nicht. Im Juni wurden 55 Prozent weniger Aktien gehandelt als vor einem Jahr, meldete die Deutsche Börse. Komisch. Man gab Banken genügend Liquidität, die sie jetzt offenbar über die Aktien ausschütten, während diejenigen, die Aktien haben, diese nur zu höheren Preisen abstoßen.

Von kollektivem Herdentrieb kann auch nicht die Rede sein. Nur noch 3,4 Millionen Kleinanleger haben Aktien im Depot – so viele oder wenige wie im Jahr 1988. Jeder 12. Bundesbürger hat direkt oder indirekt über Fonds etwas mit der Börse zu tun. Die großen Spieler scheinen fast wieder unter sich zu sein, mit einer Menge Geld unterm Hintern. Hoffentlich wissen sie diesmal, was sie tun. Sicherlich. Notfalls helfen wir eben alle wieder aus…

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