Die richtige Sicherheitsstrategie

8. August 2009 | Kategorie: Kommentare

von Manfred Gburek

Verkehrte Welt oder was? Hat der Goldpreis – mit ihm der Silberpreis und das Gros der Edelmetallaktien – am Freitag etwa deshalb negativ reagiert, weil das neue Abkommen der europäischen Notenbanken zur Begrenzung der Goldverkäufe auf nur noch 400 Tonnen jährlich enttäuschte? Oder war das die Reaktion auf das wiederholte Herumgeeiere des IWF, dessen fast schon sprichwörtlichen, weil seit Jahren angeblich zum Verkauf stehenden 403 Tonnen irgendwie in das Abkommen eingebunden werden sollen?

Wer sich über solche oder ähnliche Fragen graue Haare wachsen lässt, ist selbst schuld. Denn die Preiszacke vom Freitag ist nichts anderes als eine von vielen Zacken, die der Goldpreis auf dem Weg nach oben seit nunmehr achteinhalb Jahren immer wieder zeigt.

Die plausibelste Antwort auf die eingangs gestellten Fragen habe ich hier schon am 10. Juli mit der Bemerkung vorweggenommen, dass die europäischen Notenbanken das Abkommen „unter neuen Bedingungen vorzeitig verlängern“. Nichts anderes als das ist jetzt geschehen, und die Anleger haben wie üblich reagiert, wenn eine positive Erwartung bestätigt wird: Sell on good news, wie die Angelsachsen zu sagen pflegen. Das heißt, am Freitag haben nicht etwa langfristig orientierte Investoren verkauft, sondern Trader. Oder charttechnisch formuliert: Der Goldpreis zieht weiterhin mit steigenden Tiefspitzen nach oben, von denen die kleine vom Freitag nur eine ist.

Wie Sie beim jüngsten „Geld-Geklimper“ unter www.wiwo.de nachlesen können, habe ich für meine Anlagenmix-Empfehlung für Bundesanleihen, Edelmetalle und Wohnimmobilien – obwohl eindeutig mit dem Argument der Sicherheit begründet – harsche Kritik eingesteckt. So eine Empfehlung ist offenbar unbeliebt, weil man mit dem Thema Sicherheit alles andere verbindet, nur nicht eine solche Mischung. Also stecke ich die Kritik gern ein, weil sie ein Mal mehr belegt, dass unpopuläre Ratschläge weg vom Mainstream zunächst auf Unverständnis oder sogar Ablehnung stoßen, also in gewisser Weise antizyklisch und damit befolgenswert sind. Wahrscheinlich wäre es den Verächtern von Bundesanleihen lieber gewesen, ich hätte den deutschen Staatsbankrott an die Wand gemalt, den Hassern von Edelmetallen, ich wäre mit dem abgedroschenen Argument von deren Zinslosigkeit gekommen, und den Ignoranten von Wohnimmobilien, ich hätte die negativen Effekte der schrumpfenden und immer älter werdenden deutschen Bevölkerung hervorgehoben.

Sicherheit wird in Finanzkreisen ziemlich diffus diskutiert. Die einen, überwiegend Anlageberater, ordnen sie dem „magischen Dreieck“ zu, das auch noch aus Rendite und Liquidität besteht – ohne Nennung von konkreten Bestandteilen reine Worthülsen zum Zweck der Kundenakquisition. Andere, vorwiegend Banken, Fondsgesellschaften und Lebensversicherer, machen aus der Sicherheit direkt ein Geschäft, indem sie Garantiezertifikate und -fonds oder vermeintlich sichere Kapitalpolicen mit garantierter Mindestverzinsung (leider nur auf den Sparanteil) unters Volk bringen. Und wiederum andere statten alle möglichen Anlagen mit dem Attribut Sicherheit aus: Sparbücher, Bundesschatzbriefe, Anleihen, jegliche breite Diversifikation, Fonds generell (auch ohne Garantie), Immobilien, Edelmetalle, Diamanten u.a.

Was ist davon zu halten? Nichts. Denn die Sicherheit von Anlagen ist kein absoluter Wert, sondern abhängig z.B. von der gesetzlichen Eigentumsgarantie (die durch das Steuerrecht ausgehöhlt werden kann), von der Geldentwertung (hohe Inflationsraten sind Gift für Sparbücher, Anleihen und andere Geldwerte), von der Liquidierbarkeit (Immobilien lassen sich in einer Konjunkturflaute nur mit hohem Preisnachlass verkaufen) oder generell vom Timing (zum falschen Zeitpunkt gekauft und verkauft, können alle Anlagen, auch das über Jahrtausende als sicher geltende Gold, zu erheblichen Verlusten führen).

Schon diese wenigen Beispiele zeigen, wie unsinnig es ist, dem einen oder anderen Sicherheitsschema verhaftet zu sein oder gar bestimmten Anlagen so etwas wie die absolute Sicherheit anzudichten. Denn in Bezug auf Finanzen handelt es sich bei der Sicherheit nicht um einen starren, ein für allemal geltenden Begriff, sondern um eine höchst dynamische Schutzfunktion, deren Teilaufgaben von heute auf morgen anders aussehen können und die zudem – was die Anbieter der Finanzprodukte allzu gern unterschlagen – sehr stark von individuellen Faktoren abhängt, wie Alter, Einkommen, Vermögen, Liquiditätsvorliebe, Informationsmöglichkeiten u.a.

Wovor sollten Sie sich aktuell besonders schützen? Ohne dass ich Ihre individuellen Faktoren kenne, lassen sich doch zumindest sechs Gefahren ausmachen, die Ihnen drohen: 1. die Fehleinschätzung, die jetzige Weltwirtschaftskrise sei überstanden; 2. die Illusion, ohne einen guten Schuss Spekulation unbeschadet davonzukommen; 3. der Glaube, der Staat könne neben den Banken auch große Teile der Industrie retten; 4. der Irrtum, wir kämen ohne Steuererhöhungen davon; 5. der Trugschluss, soziale Unruhen blieben auf andere Länder beschränkt, 6. die Politlüge, Deutschland könne sich weiter aus Kriegen heraushalten.

Wie sähe der Schutz von 1. bis 6. aus? 1. Bundesanleihen und viel Liquidität horten, verteilt über zwei oder drei Institute, einschließlich Bargeld; 2. mit offenen Augen durch die Welt gehen, viel reisen und Informationen vor allem jenseits der üblichen Medien verfolgen; 3. Aktienkursgewinne spätestens nach der Bundestagswahl mitnehmen; 4. vor allem die Erhöhung der Mehrwertsteuer einkalkulieren; 5. Haus oder Wohnung gut versichern und vor Einbrechern schützen, Massenveranstaltungen meiden; 6. internationale Freundschaften und Netzwerke pflegen, Gold und Silber an sicheren Orten – auch im Ausland – verwahren.

Manfred Gburek, 7. August 2009


Homepage von Manfed Gburek



weitere Berichte

A u f g e l e s e n
R o n a l d G e h r t Blog
V i d e o b l o g

Print Friendly, PDF & Email

 

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.